Lufthansa geht auf Distanz zu Turkish Airlines

25.11.2013 - 11:39 0 Kommentare

Lufthansa beginnt damit, die Beziehung zum Partner Turkish Airlines zu lockern. So erhalten Kunden bei Flügen mit der türkischen Airline bald weniger Meilen gutgeschrieben. Auch das Codeshare-Angebot steht auf dem Prüfstand.

Leitwerk einer Turkish- Airlines-Maschine - © © AirTeamImages.com - SilverWingPix

Leitwerk einer Turkish- Airlines-Maschine © AirTeamImages.com /SilverWingPix

Die Lufthansa Group geht aus Wettbewerbsgründen auf Distanz zu ihrem Partner Turkish Airlines. Von Januar an will sie ihren Kunden bei Flügen mit Turkish Airlines nur noch ein Viertel der dafür anfallenden Statusmeilen gutschreiben. Einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» bestätigte ein Lufthansa-Sprecher am Sonntag. «Wir befinden uns in einem verstärkten Wettbewerb», sagte er. Die Formulierung des «Spiegels», es handele sich um das «Ende einer Beziehung» zwischen den Airlines, wies er zurück. Das Magazin berichtete auch, Turkish Airlines sauge «massiv Kunden aus Deutschland ab», der Partnerstatus helfe ihr dabei.

Lufthansa-Passagiere können sich Statusmeilen bei einem Turkish-Airlines-Flug zum Beispiel sichern, wenn sie einen Lufthansa-Flug mit einem Turkish-Airlines-Flug kombinieren. Wer genug Statusmeilen gesammelt hat, kann spezielle Serviceleistungen nutzen - zum Beispiel Lounges oder eine bevorzugte Abfertigung. Bei den ebenfalls gutgeschriebenen Prämienmeilen soll es nach Angaben des Sprechers keine Veränderung für Lufthansa-Kunden in Turkish-Airlines-Maschinen geben.

Beide Airlines sind Mitglied im weltgrößten Airline-Bündnis Star Alliance. Bei anderen Alliance-Partnern würden nach wie vor 100 Prozent der Statusmeilen gutgeschrieben, berichtete der «Spiegel». «Prinzipiell wird die Höhe der Meilenvergabe zwischen den Partnern festgelegt», sagte der Sprecher. Dabei spielten auch die Markt- und Wettbewerbssituation eine Rolle.

Codesharing könnte reduziert werden

Lufthansa denkt nach Angaben des Sprechers außerdem darüber nach, das sogenannte Code-Share-Angebot mit Turkish Airlines zu reduzieren. In diesen Fällen kauft beispielsweise Lufthansa ein Kontingent an Turkish-Airline-Flügen und vermarktet es selbst. Als Grund für die Überlegung nannte der Sprecher mangelnde Wirtschaftlichkeit. Da die Lufthansa ihr Angebot ausgeweitet habe, sei die Notwendigkeit nicht mehr gegeben, das Angebot in der Form aufrechtzuerhalten. Davon habe Lufthansa den Partner bereits informiert.

Auch die österreichische Lufthansa-Tochter Austrian Airlines will zum Mai 2014 die bisherige Codeshare-Vereinbarung mit Turkish Airlines aufkündigen. Betroffen sind aber lediglich Verbindungen, die nur mit Turkish-Gerät bedient werden wie z.B. Graz oder Friedrichshafen. Hier sollen künftig keine Flüge mehr mit OS-Flugnummer verkauft werden. Auch die schweizerische Lufthansa-Tochter Swiss sowie die belgische Beteiligung Brussels Airlines könnten in den nächsten Tagen nachziehen.

Verlobung geplatzt

Noch vor einem Jahr sah die Welt noch ganz anders aus: Lufthansa und Turkish Airlines wollten eine "priviligierte Partnerschaft" eingehen. Die Ideen reichten von Gemeinschaftsflügen bis hin zu einer finanziellen Überkreuz-Beteiligung.

Diverse Arbeitsgruppen tagten, um Felder für eine tragfähige Zusammenarbeit auszuloten. Als mögliche Bereiche wurden unter anderem die gemeinsame technische Wartung von Flugzeugen identifiziert, das Catering, Flugplananpassungen oder teilweise auch die Luftfracht. Leitbild dieser Gespräche war offenbar der in Antalya beheimatete und stetig wachsende Touristikflieger Sun Express. Dieser gehört zu jeweils 50 Prozent Turkish Airlines und der Lufthansa und wird auch gemeinschaftlich gemanagt.

Nach mehreren Verhandlungsrunden stoppten aber die Gespräche. Auf Nachfrage wollte sich keine der beiden Fluglinien dazu äußern. Interne Quellen aber bestätigten diese Entwicklung inoffiziell. Es hieß, die Lufthansa sei nach eingehender Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, dass ihr eine Liaison mit Turkish Airlines wenig bringe. Ein Grund sei die Verkehrssituation. So verbinde die türkische Gesellschaft rund ein Dutzend deutsche Städte mit Istanbul, im Falle Frankfurts, Berlins oder Münchens gar bis zu fünfmal am Tag. Dies ziehe viele Passagiere aus Deutschland ab, inklusive Umsteiger, die auf dem Istanbuler Atatürk Airport auf Langstreckenverbindungen der türkischen Linie umstiegen.

Im Vergleich dazu ist das Verkehrsangebot der Lufthansa auf den Türkei-Routen deutlich geringer. Zudem plane der türkische Staat einen neuen Großflughafen am Schwarzen Meer, dessen erste Stufe bereits 2017 in Betrieb gehen soll. Dadurch könnte es zur Umlenkung von Passagierströmen zu Lasten des eigenen Kranich-Aufkommens und der Lufthansa-Drehkreuze Frankfurt, München und Wien kommen, so die Befürchtung der deutschen Gesellschaft. Schlussendlich platzte die angestrebte "Verlobung".

Von: dpa, airliners.de
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