Lufthansa bietet wohl 500 Millionen für Alitalia-Teile

16.10.2017 - 17:24 0 Kommentare

Die Bieterfrist für Alitalia läuft ab und die Lufthansa Group will laut italienischer Medien eine halbe Milliarde für den operativen Teil der insolventen Airline bieten. Zunächst einmal verzögert sich das Verfahren aber.

Flugbegleiterinnen der Alitalia - © © dpa - Bildfunk - Telenews/epa ansa/dpa

Flugbegleiterinnen der Alitalia © dpa - Bildfunk /Telenews/epa ansa/dpa

Unmittelbar nach der Übernahme großer Teile der Air Berlin hat die Lufthansa die nächste marode Fluggesellschaft im Blick. Der Kranich-Konzern will einem Pressebericht zufolge 500 Millionen Euro für Teile der insolventen Fluglinie Alitalia bieten.

Der Lufthansa-Plan enthalte den Abbau von rund 6000 Arbeitsplätzen sowie die Streichung von Kurz- und Mittelstreckenflügen, wie die italienische Zeitung "Corriere della Sera" am Montag unter Berufung auf mehrere mit der Situation vertraute Personen meldete.

Lufthansa habe ein Angebot für Teile des weltweiten Netzverkehrs und für Direktverbindungen in Europa abgegeben, teilte der Airline-Konzern am Montag mit. Das Lufthansa-Konzept sehe eine neu aufgestellte "NewAlitalia" mit nachhaltigen wirtschaftliche Perspektiven vor. Über die Details sei Stillschweigen vereinbart worden.

Dem Vernehmen nach wird Lufthansa lediglich für Teile der unter Sonderverwaltung stehenden Gesellschaft verbindlich bieten und einen organisatorischen Neuanfang verlangen. In ihrer bisherigen Form gilt die Alitalia als "unsanierbar". Kürzlich reiste eine Delegation des Kranich-Konzerns nach Rom, um mögliche Synergieeffekte zu prüfen.

Neue Staatshilfen und längeres Verfahren

Alitalia ist seit Jahren in der Krise und hatte im Mai Insolvenz angemeldet, nachdem die Mitarbeiter mehrheitlich einen neuen Sparplan ablehnten. Der Staat als Eigner der Airline stellte einen Überbrückungskredit, der die Airline in der Luft hält. Zuletzt beantragte der Carrier neue Staatshilfen.

Alitalia soll in zwei Losen verkauft werden. Das eine beinhaltet den Flugbetrieb einschließlich Flugzeugen und der Wartung. Der andere Teil beinhaltet die Bodenverkehrsdienste. Dabei haben die Verwalter auch Struktur- und Arbeitsplatzgarantien im Blick. Das scheint den Verkauf nicht zu vereinfachen.

Um den Flugbetrieb zu gewährleisten, hatte das Kabinett am Freitag beschlossen, die Laufzeit des Brückenkredits für die insolvente Fluggesellschaft von November in diesem Jahr auf September 2018 auszuweiten. Auch die Frist für den endgültigen Abschluss des Verkaufsprozesses wurde verschoben: Ende April 2018 soll alles unter Dach und Fach sein

© dpa, Lesen Sie auch: Warum Air Berlin und Alitalia nur fast vergleichbar sind Hintergrund

Wie die Zeitung weiter schreibt, könnte die italienische Regierung auch entscheiden, die Gespräche mit Lufthansa bis nach den Wahlen zu vertagen - diese werden im März erwartet. Die Regierung sucht auch nach Lösungen, die einen geringeren Jobabbau mit sich bringen, etwa durch Hereinnahme von Investoren wie den staatlichen Kreditgeber "Cassa Depositi e Prestiti" oder den "Fonds F2i".

Im Bieterverfahren finden sich laut italienischen Medien noch neun Interessenten, die bis Montag, 18 Uhr ein Angebot abgeben wollen. Der irische Billigflieger Ryanair war kürzlich überraschend aus dem Bieterrennen ausgestiegen.

Von: cs, dh mit Material von dpa
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