Lufthansa sieht in Fraport-Planung "ein Problem"

23.05.2017 - 15:14 0 Kommentare

Lufthansa-Chef Carsten Spohr kritisiert die Kapazitätserweiterung des Frankfurter Flughafens und bringt mögliche Konsequenzen ins Spiel. Fraport will das geplante Billigflieger-Terminal derweil schneller realisieren.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr. - © © dpa - Daniel Bockwoldt

Lufthansa-Chef Carsten Spohr. © dpa /Daniel Bockwoldt

In der kriselnden Partnerschaft zwischen der Fluggesellschaft Deutsche Lufthansa und dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport deutet sich keine Entspannung an. Nun kritisierte Lufthansa-Chef Carsten Spohr in einem Interview mit der "Börsen-Zeitung" die vor gut einer Woche genehmigte Kapazitätserweiterung des Frankfurter Flughafens.

"Der aktuelle offensichtliche Strategieschwenk der Fraport zeigt, dass der Flughafen noch unabhängiger von Lufthansa werden will", sagte der Manager und sieht in der Fraport-Planung "in der Tat ein Problem". Man setze nun auch auf die Hilfe der hessischen Landespolitik. Fraport und Lufthansa hätten sich in den vergangenen Jahren eher auseinandergelebt als zusammengefunden. "Wir reden zwar viel miteinander, aber anscheinend nicht über die richtigen Themen", stellte Spohr selbstkritisch fest.

Das beunruhigt mich, denn es gefährdet unser gemeinsames Geschäftsmodell.

Carsten Spohr, Lufthansa-Chef

Die Lufthansa Group habe in Frankfurt in den vergangenen 15 Jahren kontinuierlich Marktanteile gewonnen, sagte Spohr. "Wir standen mal für die Hälfte aller Flugbewegungen am Frankfurter Flughafen, heute sind es knapp zwei Drittel." Aber früher seien zwei Drittel der Lufthansa-Maschinen in Frankfurt stationiert gewesen, aktuell sei es nur noch ein Drittel.

Fraport will Billigflieger-Terminal schnell realisieren

Auf der Hauptversammlung des Flughafenbetreibers verteidigte Fraport-Chef Stefan Schulte erneut die Öffnung des größten deutschen Flughafens für Billigflieger. Ein Flughafen wie Frankfurt könne nicht dauerhaft ignorieren, wenn das Billigsegment inzwischen über 40 Prozent des europäischen Flugverkehrs ausmache. Mit dem Hauptkunden Lufthansa wolle man "gemeinsame Wachstumspotenziale und damit neue Erlösquellen" erschließen, so Schulte.

© dpa, Fraport AG Hintergrund: Fraport-Aufsichtsrat beschäftigt sich offenbar mit Terminal für Billigflieger

Auch bekräftigte Schulte noch einmal die Planungen für einen schnelleren Ausbau des dritten Terminals. Dort könne zeitnah Platz für zusätzliche Fluggäste der Billigflieger entstehen. Der noch nicht beschlossene Flugsteig G könnte in Leichtbauweise bereits deutlich vor der bislang für 2023 geplanten Inbetriebnahme des Abfertigungsgebäudes separat zur Verfügung stehen. Eine Umsetzung sei "sehr wahrscheinlich".

"Wachstum zu anderen Drehkreuzen umsteuern"

Die Lufthansa hatte sich bereits mehrfach gegen die Rabatte des Flughafens für neue Kunden aus dem Billigfliegerbereich ausgesprochen. Spohr sagte nun, er sehe sogar die Drehkreuzfunktion und die Pünktlichkeitsquote von Frankfurt mit dem "Hineinquetschen" von Billig-Airlines gefährdet. Der Manager drohte damit, Wachstum zu anderen Drehkreuzen umzusteuern. "Dabei werden wir natürlich trotzdem hier keine Slots aufgeben", so Spohr.

Zudem habe Lufthansa auch noch nicht entschieden, ob der eigene Low-Cost-Ableger Eurowings tatsächlich, wie bisher für das nächste Jahr erwartet, nach Frankfurt komme. "Denn auch eine Eurowings könnte genauso wie Ryanair dafür sorgen, dass eine Zubringerstrecke für die Lufthansa Passage nicht mehr profitabel ist."

Von dem eigenen Low-Cost-Konzept ist Spohr überzeugt: "Wenn man sich anschaut, wie weit wir mit Eurowings in unter drei Jahren gekommen sind, dann sind meine Erwartungen übertroffen." In Europa habe Eurowings in dem Segment bereits Rang 3 erreicht, "und wir werden mit Eurowings ab 2018 schwarze Zahlen schreiben". Eurowings werde perspektivisch die zweitgrößte Airline im Konzern sein. Nach Umsatz sei Eurowings schon größer als Austrian und betreibe mehr Flugzeuge als Swiss.

© dpa, Daniel Bockwoldt Lesen Sie auch: Lufthansa-Chef bezeichnet Fraport als "größte Enttäuschung des Jahres"

Für das Premiumprodukt Lufthansa zahlten sich die hohen Investitionen in einer deutlichen Besserung bei der Kundenzufriedenheit und Auslastung aus. Auch die Tarifeinigungen mit allen drei Berufsgruppen im Konzern würden helfen. "Deswegen bin ich viel optimistischer als noch vor einigen Jahren, dass wir auch in unserem Kerngeschäft wieder wachsen können", so Spohr.

Von: cs, dpa-AFX
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