Lufthansa fordert von Fraport gemeinsames Geschäftsmodell

23.06.2017 - 11:00 0 Kommentare

"Neue Impulse", "klares Bekenntnis", "echte Systempartnerschaft": Die Lufthansa Group fordert von Fraport eine gemeinsame Strategie für den Flughafen Frankfurt. Beide Seiten streiten sich in letzter Zeit.

Eine Boeing 747 der Lufthansa am Flughafen Frankfurt. Der Airport ist die Heimatbasis der Kranich-Airline. - © © AirTeamImages.com - Roman Becker

Eine Boeing 747 der Lufthansa am Flughafen Frankfurt. Der Airport ist die Heimatbasis der Kranich-Airline. © AirTeamImages.com /Roman Becker

Angespannt - so lässt sich das Verhältnis zwischen dem Flughafen Frankfurt und seiner Hauptkundin Lufthansa derzeit beschreiben. Grund ist ein Streit. Denn der Airport öffnet sich mehr und mehr für Billigflieger wie Ryanair oder Wizz Air, um weiter wachsen zu können. Außerdem gibt es ein neues Gebührenmodell, das neuen Airlines Rabatte einräumt. Der Lufthansa Group passt diese Strategie nicht. Das geht auch aus dem jetzt veröffentlichten Politikbrief hervor.

Der Frankfurter Flughafen wachse seit Jahren unterdurchschnittlich, heißt es darin. Das liege nicht nur an den Rahmenbedingungen, sondern auch daran, dass es an einer gemeinsamen Strategie zwischen der Lufthansa Group als Hauptkunde und dem Flughafenbetreiber Fraport fehle. Die Airline-Gruppe fordert: "Die Partnerschaft muss mit neuen Impulsen und einem klaren Bekenntnis neu belebt werden."

Als Beispiel für eine positive Partnerschaft zieht die Lufthansa Group den Flughafen München heran. Der Airport zeige, wie eine "echte Systempartnerschaft" funktioniere. Neben Frankfurt betreibt der Konzern auch in München ein Drehkreuz und zusammen mit der Airport-Gesellschaft den neuen Satelliten.

Diese Grafiken zeigen die Entwicklung der Fluggastzahlen an den Airports Frankfurt und München. Frankfurt hat zuletzt mehr als 60 Millionen Reisende gezählt, München mehr als 40 Millionen.

Anhand der Farbe der jeweiligen Balken lässt sich ablesen, wie sich das Passagieraufkommen in den einzelnen Jahren entwickelt hat (verglichen mit dem Vorjahr).
Farb-Legende: rot = in diesem Jahr wurde ein Minus zwischen 0,1 und 5,4 Prozent verbucht; blau = das Plus liegt zwischen 0,1 und 5,9 Prozent / grün = das Plus liegt zwischen 6,0 und 10,4 Prozent

Die Lufthansa Group gibt in ihrem Politikbrief an, mit Fraport ein gemeinsames Geschäftsmodell entwickeln zu wollen. Beim Thema "Vermietung und Verpachtung" wolle man sein Wissen einbringen, so der Konzern. Man wolle in Frankfurt weiterwachsen. Das gehe aber nur, wenn die "Umsteigequalität durch Dumping-Angebote an Konkurrenten" nicht gefährdet werde.

Die Lufthansa Group hat derzeit einen Marktanteil von etwa 65 Prozent am Flughafen Frankfurt, gemessen an den angebotenen Sitzplatzkapazitäten im laufenden Sommerflugplan. Der Konzern ist außerdem mit 8,44 Prozent an der Fraport AG beteiligt.

Fraport will sich Trend nicht verschließen

Erst vor wenigen Wochen hatte sich Fraport-Chef Stefan Schulte zum Streit mit Lufthansa geäußert. "Es sind gute Gespräche, und da werden wir sukzessive mit der einen oder anderen Antwort kommen", so der Manager. Beide Seiten reden demnach über verbesserte Abläufe im Terminal und die Gepäckabwicklung sowie über die Ausrichtung der Flughafen-Infrastruktur auf klassische Airlines und Billigflieger.

© airliners.de, Karl Born, Lesen Sie auch: Besser als jedes TV-Drama Die Born-Ansage (62)

Die Lücke zwischen den unterschiedlichen Vorstellungen werde sich aber "auch nicht innerhalb von drei Monaten schließen", sagte Schulte. Er betonte allerdings, dass Fraport sich dem europaweiten Trend zu immer mehr Billigflug-Angeboten nicht verschließen könne. Wenn Billigflieger in Europa 40 Prozent des Geschäfts ausmachten, müsse sich auch Fraport darauf einstellen, um nicht dauerhaft Passagiere an andere relativ nahe Flughäfen wie Köln/Bonn zu verlieren.

Wer sich für den gesamten Politikbrief der Lufthansa Group interessiert: Das Papier kann als PDF heruntergeladen werden. Es hat zehn Seiten.

Von: ch
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