Lufthansa fordert von Flugbegleitern fast eine Million Euro

Exklusiv 07.12.2018 - 07:49 0 Kommentare

Streit zwischen Lufthansa und der Flugbegleitergewerkschaft Ufo: Der Konzern macht über 800.000 Euro geltend - die Arbeitnehmervertreter weisen die Forderung als "absurd" zurück. Im Fokus des Zwists stehen Freistellungstage für Gewerkschafter.

A321 von Lufthansa. - © © AirTeamImages.com - Yochai

A321 von Lufthansa. © AirTeamImages.com /Yochai

Der Lufthansa-Konzern fordert über 800.000 Euro von der Flugbegleitergewerkschaft Ufo und einzelnen Mitgliedern. Dies geht aus mehreren Schreiben des Kranich-Konzerns an die Arbeitnehmervertreter hervor, die airliners.de vorliegen.

Im Rahmen der Arbeiten zum Jahresabschluss 2018 sei aufgefallen, dass "Freistellungstage für Gewerkschaftsarbeiten nicht vollumfänglich abgerechnet und beglichen worden sind". Für die Freistellung von Ufo-Chef Nicoley Baublies und dem Leiter der Tarifabteilung, Daniel Flohr, für die Zeit von Januar 2015 bis November dieses Jahres seien demnach rund 525.600 Euro angefallen.

Lufthansa teilt mit, dass festgestellt wurde, "dass einzelne Mitarbeiter Gehälter bezogen haben, obwohl keine Flugstunden geleistet wurden". Der Konzern habe daher die Freistellungen für die betreffenden Mitarbeiter für den Zeitraum von 2015 bis 2018 in Rechnung gestellt und eine interne Untersuchung eingeleitet.

Forderungen gegenüber einzelnen Mitgliedern

In einem gesonderten Schreiben an Baublies fordert Lufthansa von diesem persönlich noch einmal gut 206.000 Euro. Denn der langjährige Gewerkschafter bekomme "seit mehreren Jahren eine monatliche Vergütung, ohne dafür Ihrer arbeitsvertraglichen Arbeitspflicht (...) nachgekommen oder von Ihrer Arbeitspflicht freigestellt zu sein". Zu zahlen sei der Betrag innerhalb von fünf Werktagen.

Flohr hat bis Donnerstagnachmittag noch kein gesondertes Schreiben von Lufthansa erhalten. Zu airliners.de sagte er, dass der Konzern ihm eine "Rückforderung des Gehalts" angekündigt hätte. "Die Höhe des Betrages überschlage ich aufgrund der gegenüber Herrn Baublies vorgetragenen Logik für mich auf circa 40.000 bis 50.000 Euro."

Dazu fordert der Lufthansa-Konzern noch einmal knapp 86.700 Euro von Ufo für bezahlte Gehälter an Vorstand und Ex-Chef Alexander Behrens. So sei im September 2016 vereinbart worden, dass die Lohnzahlungen inklusive des Freistellungsausgleichs "Ihnen in Rechnung gestellt und somit von Ihnen wieder beglichen werden" sollen.

Ufo dementiert auf Anfrage, Kenntnis von einer solchen Vereinbarung zu haben. Behrens lässt über seinen Anwalt mitteilen, dass man prüfe, ob und in welcher Ausgestaltung Absprachen bestanden.

So reagierte Ufo auf die Zahlungsaufforderungen

Ufo bezeichnet die Forderungen in einem Brief an den Konzern als "unbegründet". Zum einen seien Ufo-Funktionäre gemäß des Manteltarifvertrags und des Tarifvertrags Sozialpartnerschaft für Verhandlungen auf Lufthansa-Kosten freizustellen. Zum anderen sei für Baublies und später auch für Flohr mit dem Konzern das Modell der "leeren Dienstpläne" vereinbart worden.

Freistellungen

Verhandlungstätigkeiten von Ufo werden bei Lufthansa auf zwei Arten abgerechnet:

  1. Betreffen Freistellungstage von Ufo konkret Verhandlungen mit Lufthansa, werden diese gemäß Paragraf 15 des Manteltarifvertrags auch vom Konzern getragen.
  2. Betreffen Freistellungstage hingegen andere Ufo-Themen (inklusive Vorstandssitzungen und Tarifverhandlungen beispielsweise bei Ryanair und Eurowings), wird der Dienstausfall der Gewerkschaft in Rechnung gestellt.

Dieses besagt laut Gewerkschaft, dass Lufthansa für die beiden Gewerkschafter angesichts von einer Vielzahl an Verhandlungsterminen mit Ufo nicht fortlaufend neue Dienstpläne ausarbeiten muss. Da sich der Großteil der Tarifverhandlungen auf den Kranich-Konzern beziehe, sollten keine einzelnen Freistellungen mehr eingeplant werden.

"Dies ist auch der Grund, warum es keine schriftlichen Kostenübernahmevereinbarungen für die Herren Baublies und Flohr gibt", heißt es im Schreiben der Gewerkschaft an Lufthansa. Die Anzahl der nötigen Freistellungen auf Lufthansa-Kosten habe häufig die "zulässige Anzahl von Dienstsymbolen überschritten".

Einschränkung der Sozialpartnerschaft

Ferner würden Gewerkschaft und Airline-Konzern jährlich alle Freistellungstage abrechnen, "was die Absurdität Ihrer Forderung zu diesem Zeitpunkt und vor allem in dieser Höhe unterstreicht". So habe Lufthansa in den vergangenen Jahren nicht darauf hingewiesen, dass es noch offene Beträge gebe.

Hinzu komme, dass Ufo durch die jetzigen Forderungen die Sozialpartnerschaft mit dem Lufthansa-Konzern massiv beschädigt sieht, heißt es. Aus einer E-Mail des Arbeitgeberverbands Luftverkehr (AGVL) geht zudem hervor, dass Lufthansa Gespräche mit Ufo wegen der "Auseinandersetzung zu den aktuell Lufthansa seitig geltend gemachten Ansprüche" ablehnt.

Von: cs
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