Lufthansa will Entschädigung für Sicherheitspannen

10.08.2018 - 16:31 0 Kommentare

Nach den Terminal-Räumungen in München und Frankfurt sieht sich die Lufthansa als Hauptgeschädigte. Doch die Aussichten auf einen Schadenersatz sind wohl für alle Beteiligten gering.

Wartende Passagiere in Terminal 1. - © © Fraport -

Wartende Passagiere in Terminal 1. © Fraport

Die Lufthansa könnte aus der Sicherheitspanne am Flughafen München juristische Konsequenzen ziehen. Die Airline werde Schadenersatzansprüche prüfen, erklärte ein Sprecher gegenüber airliners.de.

"Lufthansa ist durch den Sicherheitsvorfall am 28. Juli ein erheblicher finanzieller Schaden entstanden", so der Sprecher. Die genaue Schadenshöhe stehe aber noch nicht fest. Auch sei noch nicht entschieden, ob wegen des Vorfalls am Frankfurter Flughafen ebenfalls Entschädigungsansprüche geprüft werden sollen.

Lufthansa war meistbetroffene Airline

In Frankfurt mussten wegen einer Sicherheitspanne am Dienstag das Terminal A teilweise geräumt werden. Nach Angaben des Flughafenbetreibers fielen an diesem Tag 105 von 1500 Flügen aus, der größte Teil davon seien Lufthansa-Verbindungen gewesen.

In München fielen nach Flughafenangaben am 28. und 29. Juli wegen der Räumung des Terminal 2 rund 330 Flüge aus, über 30.000 Passagiere seien betroffen gewesen. Das Terminal wird überwiegend von Lufthansa genutzt.

In beiden Fällen rechnen Branchenkenner mit einem Schaden im siebenstelligen Bereich. Lufthansa und andere Airlines mussten unter anderem Unterstützungskosten für die Passagiere tragen, also für Verpflegung, eventuelle Taxifahrten oder Hotelübernachtungen sowie für Umbuchungen. Zudem wurden einige Flüge ohne Passagiere durchgeführt, um die Umläufe zu sichern.

Keine Ausgleichszahlung für Passagiere

Eine Entschädigung der Passagiere lehnt Lufthansa jedoch ausdrücklich ab. Die EU Fluggastrechte-Verordnung greift in diesem klaren Fall eines außergewöhnlichen Umstands nicht für Ausgleichszahlungen", so der Sprecher.

Der Reiserechtsexperte Ernst Führich ist derselben Ansicht: Lufthansa sei in diesem Fall nicht zu Ausgleichszahlungen verpflichtet, weil die Sicherheitskontrolle Staatsaufgabe sei und nicht in den organisatorischen Bereich der Airline falle, sagte er der dpa. Folglich gehöre sie auch nicht zum Betriebsrisiko einer Fluggesellschaft.

Flughafen München fordert keinen Schadenersatz

Leidtragende der Terminalräumungen sind neben den Airlines auch die Flughäfen selbst. Der Schaden bestehe in entgangenen Landeentgelten und Umsätze bei Gastronomie und Shopping, erklärte ein Sprecher des Flughafens München.

Flughafenchef Michael Kerkloh bezifferte die Kosten zunächst auf einen einstelligen Millionenbetrag. Der Airport erwägt aber anders als Lufthansa bislang keine Schadenersatzansprüche, heißt es auf Anfrage.

Nach der Sicherheitspanne 2016 gab es keine Entschädigung

Branchenkenner bezweifeln ohnehin, dass eine Schadenersatzforderung Aussicht auf Erfolg hat. "Die Räumung des Terminals wurde von der Polizei verfügt", betont ein Experte. Die Sicherheitskontrollen in Frankfurt liegen in der Verantwortung der Bundespolizei, in München bei der Regierung von Oberbayern.

Gegen solche staatlichen Entscheidungen seien Schadenersatzansprüche nicht ohne weiteres möglich. Ähnlich lag der Fall bei einer Sicherheitspanne am Frankfurter Flughafen 2016: Auch damals sei keine Entschädigung gezahlt worden. Einen Präzedenzfall, der juristisch ausgefochten wurde, gebe es nicht.

Sicherheitsassistenten wurden suspendiert

Unklar ist jedoch, ob die Sicherheitsfirmen, die im Auftrag der Behörden die Kontrollen übernehmen, haftbar gemacht werden können. Denn in beiden Fällen waren es ja Versäumnisse von Luftsicherheitsassistenten, die den Sicherheitsalarm verursacht haben. Die betreffenden Mitarbeiter sind in München und Frankfurt mittlerweile vom Dienst an den Kontrollen suspendiert worden.

Der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) will sich zu einer möglichen Haftung der Dienstleister im Detail nicht äußern. "Haftungsfragen sind wie bei jedem Dienstleistungsauftrag zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer vertraglich geregelt", sagt Verbandspräsident Udo Hansen lediglich. Sprich: Es kommt auf den einzelnen Vertrag an.

© dpa, Caroline Seidel Lesen Sie auch: Drei Wege für effizientere Kontrollen

An den beiden größten deutschen Flughäfen liegt der Fall ohnehin besonders: In München werden die Sicherheitskontrollen von der Gesellschaft SGM durchgeführt, die zu 100 Prozent dem Freistaat Bayern gehört. In Frankfurt sind drei Unternehmen damit betraut: der Flughafenbetreiber Fraport selbst, seine Tochtergesellschaft Frasec und der private Dienstleister I-Sec. Im aktuellen Fall unterlief der Fehler einer Fraport-Mitarbeiterin.

Von: pra
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