Lufthansa Group droht ihren Drehkreuzen

09.06.2017 - 10:02 0 Kommentare

Die Lufthansa streitet mit Fraport über ein Gebührenmodell, das Billigkonkurrenten wie Ryanair begünstigt. Kranich-Vorstand Harry Hohmeister legt noch einmal nach. Die Warnung geht aber nicht nur an Frankfurt.

Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister. - © © dpa - Arne Dedert

Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister. © dpa /Arne Dedert

Der Lufthansa-Konzern setzt seine wichtigen Drehkreuz-Flughäfen unter zusätzlichen Kostendruck. Man werde Umsteigepassagiere künftig über diejenigen Flughäfen lenken, an denen man die höchsten Deckungsbeiträge erzielen könne, kündigte Vorstandsmitglied Harry Hohmeister in einem Interview mit dem Fachmagazin "fvw" an.

Künftig wird die Umsteigegebühr der Flughäfen zum entscheidenden Faktor bei der Passagiersteuerung werden.

Harry Hohmeister, Lufthansa-Vorstand

Die neue Flugplan-Logik der Gesellschaften Lufthansa, Austrian und Swiss könnte vor allem den Frankfurter Flughafen treffen, an dem Lufthansa als größtem Standort mehr als 70 Langstreckenflieger stationiert hat. Am Flughafen Frankfurt ist die Lufthansa Group mit rund 65 Prozent der angebotenen Kapazitäten der mit Abstand größte Kunde.

Die Kosten in Frankfurt lägen mitunter 20 Prozent über denen der anderen Konzern-Drehkreuze Wien, Zürich und München, so Hohmeister. "Bei den aktuellen Ticketpreisen ist das relevant. Logischerweise müssen wir daher von teuren Hubs die Verkehre wegsteuern", erläuterte der Lufthansa-Vorstand. Fluggästen werden künftig auch günstigere Tickets angeboten, bei denen der Umsteige-Flughafen erst kurz vor Abflug festgelegt wird.

© Lufthansa Group, Lesen Sie auch: Die neuen Realitäten im deutschen Luftverkehr Apropos (16)

Lufthansa streitet mit dem Frankfurter Betreiber Fraport seit Monaten über ein Gebührenrabatt-Programm, mit dem unter anderem der Billigflieger Ryanair an den größten deutschen Flughafen gelockt wurde. Die Iren wollen zahlreiche Strecken bedienen, die bislang von anderen Gesellschaften geflogen werden.

Ryanair will in Frankfurt ausbauen

Ende März hatte Ryanair in Frankfurt zwei Maschinen stationiert und fliegt nun auch Ziele vom Lufthansa-Hub aus an. Bislang sind dies jedoch nur sehr wenige. Im Winter sollen es deutlich mehr werden. Laut eines Medienberichts wird die Zahl der stationierten Flugzeuge im kommenden Jahr auf zwölf steigen. Ob, wann und wie Lufthansa mit ihrem Billigflieger Eurowings in Frankfurt starten will, ist derzeit noch offen.

Von: cs, dpa-AFX
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