Lufthansa geht auf Distanz zu insolventer Alitalia

Bislang gilt Lufthansa als Favorit für eine Übernahme der insolventen Alitalia. Doch jetzt äußert sich Konzernchef Spohr skeptisch. Postwendend bekunden andere Airlines Interesse.

Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG. - © © dpa - Arne Dedert

Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG. © dpa /Arne Dedert

In das Bieterrennen um Teile von Alitalia kommt neue Bewegung: Während in den vergangenen Wochen Lufthansa als Favorit in dem Verkaufsprozess gehandelt wurde, treten jetzt offenbar auch wieder andere Kaufinteressenten in die Verhandlungen ein.

Wie die italienische Wirtschaftszeitung "Sole 24 Ore" berichtet, hat nun Delta Air Lines ein Angebot abgegeben. Die US-Airline habe ein Treffen mit der Alitalia-Verwaltung an ihrem Unternehmenssitz in Atlanta bestätigt.

Easyjet mit neuem Partner

Außerdem soll Air France/KLM eine gemeinsame Kaufofferte mit Easyjet vorbereiten. Laut des Berichts würde der britische Billigflieger sich auf die inneritalienischen Verbindungen beschränken, während Air France den Europaverkehr von Alitalia übernehmen soll.

Easyjet gehörte nach offiziellen Angaben bislang zu den letzten verbliebenen Alitalia-Interessenten neben der Lufthansa Group und dem US-Investor Cerberus. Air France/KLM dagegen hatte sich im Mai aus dem Alitalia-Poker zurückgezogen.

Doch nun werden die Karten wieder neu gemischt. Die Lufthansa Group hat deutlich gemacht, dass sie an einem kurzfristigen Deal mit Alitalia doch nicht interessiert sei. Vorstandschef Carsten Spohr äußerte sich in einem Brief an den italienischen Industrieminister Carlo Calenda skeptisch, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag berichtete.

Lufthansa-Chef Spohr will Vorleistungen

Die insolvente Airline müsste vor einem Kauf durch die Lufthansa zunächst gründlich restrukturiert werden, wird Spohr zitiert. Erforderlich sei eine Reduzierung von Flotte und Personal. "Es bleibt noch eine Menge zu tun, bevor Lufthansa in der Lage wäre, umfassend in die nächste Phase des Prozesses einzutreten", schrieb Spohr laut Reuters.

Lufthansa sei zwar bereit, die derzeitige Verwaltung der Airline bei der Gestaltung von Umstrukturierungsmaßnahmen zu unterstützen, könne aber keine führende Rolle dabei spielen, wird Spohr weiter zitiert. Alitalia wird seit der Insolvenz im Mai vergangenen Jahres von staatlichen Kommissaren geleitet.

© dpa, Lesen Sie auch: Alitalia: Lufthansa fordert Verzicht auf Privilegien

Die Gespräche mit den Kaufinteressenten werden sich nun wohl noch länger hinziehen als geplant. Am Montag hatte Minister Calenda angekündigt, spätestens in der kommenden Woche sollten exklusive Verhandlungen mit einem Bieter aufgenommen werden. Diese Frist könnte jetzt laut "Sole 24 Ore" verlängert werden.

Von: pra

Datum: 12.01.2018 - 17:04

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