Lufthansa-Direktverkehre: Ab jetzt übernimmt die neue Germanwings

01.07.2013 - 10:12 0 Kommentare

Die "neue Germanwings" ist jetzt offiziell gestartet. Sie übernimmt nach und nach einen großen Teil des Lufthansa-Europaverkehrs. Die Umstellung läuft bereits seit Monaten und dauert noch bis Ende 2014.

Germanwings-Chef Thomas Winkelmann (rechts), das Lufthansa-Vorstandsmitglied Carsten Spohr (links) sowie der Berliner Flughafenchef Hartmut Mehdorn

Germanwings-Chef Thomas Winkelmann (rechts), das Lufthansa-Vorstandsmitglied Carsten Spohr (links) sowie der Berliner Flughafenchef Hartmut Mehdorn
dpa - Maurizio Gambarini

Journalisten stehen auf dem Flughafen Berlin-Tegel kurz vor dem Premierenflug der "neuen Germanwings" an einem Airbus der Fluggesellschaft

Journalisten stehen auf dem Flughafen Berlin-Tegel kurz vor dem Premierenflug der "neuen Germanwings" an einem Airbus der Fluggesellschaft
dpa - Maurizio Gambarini

Flugbegleiter der "neuen Germanwings"

Flugbegleiter der "neuen Germanwings"
dpa - Maurizio Gambarini

Flugbegleiterinnen der "neuen Germanwings"

Flugbegleiterinnen der "neuen Germanwings"
dpa - Maurizio Gambarini

Germanwings-Chef Thomas Winkelmann

Germanwings-Chef Thomas Winkelmann
dpa - Maurizio Gambarini

Eine Flugbegleiterin der "neuen Germanwings"

Eine Flugbegleiterin der "neuen Germanwings"
dpa - Maurizio Gambarini

Germanwings-Chef Thomas Winkelmann

Germanwings-Chef Thomas Winkelmann
dpa - Maurizio Gambarini

Germanwingsmaschinen auf dem Vorfeld des Hamburger Flughafens.

Germanwingsmaschinen auf dem Vorfeld des Hamburger Flughafens.
© Flughafen Hamburg - M. Penner

Werbematerial der neuen Germanwings.

Werbematerial der neuen Germanwings.
airliners.de - David Haße

Die Lufthansa erfindet sich neu: Von Berlin nach Stuttgart mit der Lufthansa? Das ist schon seit dem vergangenen Jahr nicht mehr möglich. Nur die innerdeutschen und innereuropäischen Strecken zu den Drehkreuzen München und Frankfurt am Main bleiben langfristig in Lufthansa-Hand und dienen als Zubringer für das Langstreckengeschäft. Alle anderen, dezentralen Lufthansa-Strecken werden von Germanwings übernommen. Lufthansa überlässt daher bereits seit Ende des vergangenen Jahres nach und nach immer mehr Direktverbindungen ihrem Tochterunternehmen.

Nach Monaten der Vorbereitungen startet nun die "neue Germanwings". Nicht viel weniger als die Rettung des Lufthansa-Konzerns steht dabei im Pflichtenheft des Germanwings-Chefs Thomas Winkelmann. Rund 200 Millionen Euro Ergebnisverbesserung im Jahr soll der Manager bringen, wenn der Direktverkehr der Lufthansa komplett auf die Tochter in Köln verlagert worden ist. Das Projekt ist der dickste Batzen im konzernübergreifenden Programm "Score", mit dem Lufthansa ihren operativen Jahresgewinn um 1,5 Milliarden Euro steigern will.

Germanwings soll Direktverkehre profitabel machen

Der Kostendruck ist enorm. Gut zahlende Geschäftskunden sind auf den kurzen Lufthansa-Strecken abseits der Drehkreuze zuletzt sehr rar geworden, zumal viele nichts mehr dabei finden, sogar mit ausgesprochenen Billig-Carriern ihre Flugziele zu erreichen. Die Folge für Lufthansa mit hohen Stückkosten waren regelmäßige Verluste im Deutschland- und Europa-Verkehr im dreistelligen Millionenbereich. Darauf reagiert die Lufthansa mit einer Neustrukturierung des Konzerns im Kontinentalverkehr. Die neue Germanwings ist die Antwort des Lufthansa-Chefs Christoph Franz und seines Passagechefs Carsten Spohr auf die Herausforderung von Ryanair, easyJet, Air Berlin und Co.

Lufthansa rüstet den 1997 gegründeten Billigflieger Germanwings mächtig auf, um künftig alle Verbindungen in Deutschland und Europa zu fliegen, die nicht über die Lufthansa-Drehkreuze München oder Frankfurt gehen. Die bisherige Flotte von 38 Airbus A319 hat Germanwings bereits auf das neue Erscheinungsbild mit den Hausfarben Gelb und Brombeer umlackieren lassen. Sie werden schrittweise ergänzt mit etwa 30 weiteren Airbus-Maschinen aus dem Bestand der Lufthansa sowie 23 kleineren Bombardier-Jets der weiterhin bestehen bleibenden Lufthansa-Tochter Eurowings.

Die Standorte Köln und Stuttgart sind bereits umgestellt, gerade ist Hamburg dran und Berlin folgt im Winterflugplan bis März nächsten Jahres. Angeblich steigen bereits die Buchungszahlen und die Durchschnittserlöse. Komplett abgeschlossen sein soll die Operation Ende 2014, wenn auch in Düsseldorf nur noch die Langstrecke von der Lufthansa bedient wird. Im airliners.de-Videointerview erklärt Germanwings-Chef Winkelmann den aktuellen Stand der Umstellung:

Das neue Konstrukt droht am Personal zu scheitern

Das Ausflaggen auf die Lowcost-Tochter soll sich für Lufthansa rechnen, weil Germanwings pro Passagier etwa 30 bis 50 Prozent günstiger produzieren kann. Dafür sorgen geringere Ausgaben im Vertrieb und Einsparungen bei den Flughafengebühren. Nicht zuletzt das schlechter bezahlte Personal trage aber dazu bei, sagt der Chef der Kabinengewerkschaft UFO, Nicoley Baublies. Dabei kämen gerade in der Kabine mit dem neuen Produkt zusätzliche Belastungen auf die Flugbegleiter zu, etwa in der aufwändigen Betreuung der Premiumkunden an Bord der neuen Germanwings.

Die Gewerkschaft verlangt Ausgleich und Zulagen, während Lufthansa erst einmal die schwarzen Zahlen erreichen will. Nur wenige Tage nach Start der neuen Germanwings könnte daher bereits der erste Streik ins Haus stehen: UFO hat bereits die Urabstimmung eingeleitet, die Anfang Juli ausgezählt wird. Germanwings verweist hingegen auf noch ausstehende Verhandlungstermine, bei denen es sicherlich zu einer Einigung kommen werde. Doch auch mit der ebenfalls streikmächtigen Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) liegen Lufthansa/Germanwings im Tarifclinch.

Was passiert also, wenn die Lufthansa ihre Einsparziele im Direktverkehr nicht durchsetzen kann? Spekulationen zufolge erwägt die Lufthansa als weitere Szenarien, das dezentrale Geschäft entweder auf neue Töchter im Ausland zu übertragen oder aber auf Flüge abseits der Drehkreuze einfach ganz zu verzichten. Analog zu British Airways würde sich Lufthansa dann auf Fernstrecken und Zubringerdienste beschränken.

Von billigst bis Business: Die drei Tarife der neuen Germanwings

Früher mussten alle Passagiere der Germanwings für jedes Brötchen extra zahlen. Von heute (1. Juli 2013) muss die Lowcost-Tochter der Lufthansa ein vielfach differenziertes Angebot mit drei unterschiedlichen Tarifen umsetzen, das den Billigtouristen ebenso zufriedenstellt wie den anspruchsvollsten Businesskunden im Senator-Status.

Das Angebot reicht vom reinen Sitzplatz ohne Freigepäck und Verpflegung ("Basic", ab 33 Euro pro Strecke, nur online buchbar) bis zum Komforttarif "Best". Das Premium-Segment ist dabei im Grunde mit einer Business-Klasse zu vergleichen, auch wenn alle Tarife der Germanwings eigentlich Economy-Tarife sind.

Die "Best"-Plätze befinden sich in den drei vorderen Reihen an Bord. Der Mittelsitz bleibt frei. "Best"-Passagiere dürfen am Flughafen in den Lufthansa-Lounges nutzen. Außerdem können sie den schnelleren Priority-Check-in und die schnellere Fastlane bei der Sicherheitskontrolle in Anspruch nehmen. Sie bekommen mehr Meilen gutgeschrieben, dürfen 46 Kilogramm Freigepäck mitnehmen und kostenlos umbuchen. Die Preise beginnen bei 199 Euro pro Strecke.

"Smart" ist der neue Germanwings-Standardtarif. An Bord gibt es einen Snack und ein Getränk. Die Passagiere können Freigepäck bis 23 Kilogramm mitnehmen und zahlen für ein Ticket 53 Euro pro Strecke aufwärts. Der Sitzabstand ist in sieben speziellen "Smart"-Reihen mit 32 Inch (81 cm) so groß wie im "Best"-Segment. "Basic"-Passagiere müssen sich hingegen mit drei Inch weniger (74 cm) begnügen.

Nach Protesten ihrer Kunden hat Lufthansa übrigens ein Detail nachträglich geändert: Ein Germanwings-Kunde mit Frequent-Traveller-Status darf nun anders als zunächst geplant doch die Lufthansa-Lounges nutzen, selbst wenn er den «Smart»-Tarif gebucht hat. Senators und HON-Circle-Members stehen die Lounges zudem in allen drei Germanwings-Tarifen offen.

Von: dpa, airliners.de
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