Lufthansa will Condor als Ganzes übernehmen

07.05.2019 - 11:12 0 Kommentare

Lufthansa reagiert auf das Ultimatum von Thomas Cook und gibt ein Angebot für eine Komplettübernahme von Condor ab. Auf der Jahreshauptversammlung stößt die Ankauf-Strategie nicht nur auf Zustimmung.

Leitwerke von Lufthansa und Condor - © ©dpa - Oliver Berg

Leitwerke von Lufthansa und Condor ©dpa /Oliver Berg

Kurz vor Beginn der Jahreshauptversammlung in Bonn bestätigte der Vorstandvorsitzende Carsten Spohr, was in der Branche ein offenes Geheimnis war: Lufthansa schmiedet konkrete Pläne zur Übernahme Condors, zehn Jahre, nachdem man den Ferienflieger verkauft hat. Spohr sagte, man habe ein nicht bindendes Angebot für Condor abgegeben, das sowohl für die Lang- als auch die Kurzstrecken gelte.

Lufthansa sei gegenwärtig der einzige Akteur der - auch im Interesse der Condor-Mitarbeiter - die Airline als ganzes übernehmen wolle, hieß es. Lufthansa habe ein nicht bindendes Angebot für Condor abgegeben - mit der Möglichkeit, es auf alle anderen Airlines der Condor-Mutter Thomas Cook zu erweitern.

Der angeschlagene Reiseveranstalter Thomas Cook hatte vor wenigen Monaten alle seine Fluggesellschaften zum Verkauf angeboten, um mit den Erlösen die eigene Liquidität zu verbessern und in sein Hotel-Geschäft zu investieren. In der vergangenen Woche hatte Thomas Cook das Tempo im Verkaufsprozess angezogen, mit einem Ultimatum zur Abgabe erster Angebote bis zum heutigen Dienstag.

Gebot für Condor-Kurzstrecke überrascht

Das Lufthansa-Angebot fällt dabei größer aus als erwartet: Allgemein war in der Branche angenommen worden, dass Lufthansa nur versuchen würde, Condors Langstreckengeschäft zu übernehmen, um damit die Eurowings-Position im Bereich der touristischen Langstrecke zu stärken. Laut Auskunft Spohrs sind die Details des Angebots jedoch weitgehend offen, zuerst wolle Lufthansa eine genaue Buchprüfung bei Condor vornehmen.

Die Marktmacht der Lufthansa Group am europäischen Himmel würde mit einer Condor-Übernahme und deren Urlaubs-Strecken noch einmal wachsen, weshalb allenthalben damit gerechnet wird, dass die Kartellbehörden eine Komplettübernahme mit Auflagen versehen oder gar unterbinden werden. Im Zuge der Air-Berlin-Übernahme durfte Lufthansa aufgrund von Wettbewerbsbedenken der Behörden den österreichischen Ferienflieger für Kurz- und Mittelstrecken Niki nicht in den Konzern integrieren. Zudem wurde Easyjet mit Berlin ein nicht unerheblicher Anteil zugesprochen.

"Deren Flotte ist 18 Jahre alt, Herr Spohr!"

Unter den Aktionären auf der Hauptversammlung in Bonn stieß die Ankündigung nicht nur auf Begeisterung, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) schreibt. Michael Gierse, Portfoliomanager der Fondsgesellschaft Union Investment, wird mit der Klage zitiert, dass das "Empire-Building" der Vergangenheit den Lufthansa-Konzern ohnehin sehr komplex gemacht habe, während klassische Billigflieger mit schlankeren Strukturen arbeiten.

© Lufthansa, Lesen Sie auch: Schwache Quartalszahlen: Lufthansa sagt weiteres Eurowings-Wachstum ab

Zudem empfahl Gierse, Kapital besser für den Ersatz älterer Flugzeug durch neue treibstoffsparende und somit emissionsärmere Flugzeuge auszugeben. "Es nützt uns nichts, ein Sammelsurium von Airlines zu haben", sagte er laut Handelsblatt und sprach dabei den Vorstandschef direkt an. Lufthansa dürfe nicht an ihrer eigenen Komplexität zugrunde gehen. Auch die geplante Übernahme von Condor lehnte er ab. "Deren Flotte ist 18 Jahre alt, Herr Spohr."

Vor allem die Eurowings entpuppte sich in der Tat zuletzt als Sorgenkind der Aktionäre und ist einer der Gründe, weshalb die Lufthansa-Aktie im Verlauf des vergangenen Jahres beinahe ein Drittel an Wert eingebüßt hat. Die 257 Millionen Euro operativer Verlust, die Eurowings im ersten Quartal erwirtschaftet hat, lassen laut Handelsblatt viele Aktionäre an der grundsätzlichen Sinnhaftigkeit von Lufthansas Engagement im Billig-Segment zweifeln. Spohr gab sich durchaus selbstkritisch, verteidigte die Entscheidung zum starken Eurowings-Wachstum im Zuge der Air-Berlin-Übernahme jedoch als strategische Entscheidung und "einmalige Chance".

Von: dk, dpa
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