Lufthansa-Chef Spohr: "Flugsicherheit keine Selbstverständlichkeit"

25.03.2015 - 17:00 0 Kommentare

Video-Botschaft von Carsten Spohr: Der Lufthansa-Chef will sich weiter für mehr Sicherheit im Luftverkehr einsetzen. Der Absturz einer Germanwings-Maschine macht Spohrs Job noch schwieriger.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine versprochen, sich weiter für mehr Sicherheit im Flugverkehr einzusetzen. "Flugsicherheit ist keine Selbstverständlichkeit. Sie muss jeden Tag, jede Nacht hart erarbeitet werden", sagte Spohr in einer Videobotschaft.

Dies habe ihm sein Besuch an der Unfallstelle in Frankreich noch einmal brutal vor Augen geführt. "Wir scheuen keine Kosten und keinen Aufwand, wenn es um die Erhöhung von Flugsicherheit geht." Gerade deswegen treffe der Unfall die Lufthansa umso mehr. Am Dienstag war ein Airbus A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings auf der Strecke von Barcelona nach Düsseldorf mit 150 Menschen an Bord in den französischen Alpen abgestürzt.

Spohr gilt als verbindlich, aber knallhart

Neben dem schlimmsten Flugunfall der Geschichte des Konzerns hat Spohr mit weiteren Problemen zu kämpfen: Heftiger Konkurrenzdruck, ein tiefgreifender Konzernumbau und der Dauerstreik der Piloten. Anmerken lässt sich der 48-jährige lebenslustige Westfale nichts. Stets verbindlich im Ton, gewinnend im Auftreten, aber knallhart in der Sache, so haben die rund 120.000 Mitarbeiter des Lufthansa-Konzerns seit dem Mai 2014 als Chef kennengelernt.

© dpa, Marius Becker Lesen Sie auch: Absturz der Germanwings-Maschine trifft Lufthansa-Konzern ins Mark

Der Wirtschaftsingenieur mit Einser-Examen hält seine bei der Lufthansa erworbene Verkehrspilotenlizenz schon lange nur noch über Simulatortrainings aufrecht. Doch der Pilotenschein für das A320-Muster hat ihm immer auch Glaubwürdigkeit in den eigenen Reihen eingebracht.

Den Konzern will Spohr in den Spagat zwischen dem Premium-Angebot Lufthansa und der Billigschiene Eurowings zwingen. Bei seinen ehemaligen Piloten-Kollegen hat Spohr in der heftigsten Tarifauseinandersetzung der Firmengeschichte mit bislang zwölf Streikwellen viel Vertrauen verloren. Er habe immer seine Karriere im Blick gehabt und sei mental nie Pilot gewesen, lautet ein böses Urteil.

Der Lufthansa-Chef glaubt: Alte Priviliegen müssen fallen

Aus Spohrs Sicht sind aber die überkommenen Privilegien der Konzernpiloten ein Grund für die immer stärker zu spürenden Wettbewerbsnachteile seines Unternehmens im Kampf gegen Billigflieger und die Airlines aus den Arabischen Emiraten. Für neue Perspektiven müssten die alten Privilegien fallen, lautet seine Überzeugung.

© dpa, Daniel Reinhardt Lesen Sie auch: Lufthansa-Chef Spohr sieht Piloten an Wendepunkt

Der Familienvater mit zwei Töchtern hat im Konzern eine stetige Karriere hinter sich. Nach einem Zwischenspiel bei der Deutschen Aerospace AG arbeitete er sich erst als Assistent des ehemaligen Chefs Jürgen Weber und dann weiter über verschiedene Funktionen etwa zur Koordination der Regionaltöchter und beim Airline-Bündnis Star Alliance in die Spitze der Kerngesellschaft Lufthansa Passage empor.

Als nächster Karriereschritt folgte 2007 der Vorstandsvorsitz bei der Frachttochter Lufthansa Cargo, die er im wirtschaftlichen Aufschwung schnell auf Profit trimmte. Mit seinem Vorgänger Christoph Franz gemeinsam zog Spohr 2011 in den Konzernvorstand ein und wurde verantwortlich für das Kerngeschäft der Passagierflugzeuge, der mit den Töchtern Swiss und Austrian Airlines rund drei Viertel des Lufthansa-Umsatzes bestimmt, aber aktuell am wenigsten zum Gewinn beiträgt.

Etwas holprig geriet 2014 Spohrs Berufung an die Konzernspitze, weil viele im Unternehmen ihn zwar wollten, aber nach außen auch eine ernsthafte Suche nach Alternativlösungen präsentieren mussten. Letztlich geriet die Suche so länglich, dass Spohrs Image erste Kratzer erhielt, bevor er überhaupt angetreten war.

Alle Meldungen zum Germanwings-Unglücksflug 4U9525.

Von: dpa, airliners.de
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