Spohr erwartet Druck aus Brüssel beim Alitalia-Verkauf

06.03.2018 - 16:39 0 Kommentare

Der Verkauf von Alitalia ist nach den Parlamentswahlen in Italien schwieriger geworden. Trotzdem glaubt Lufthansa-Chef Spohr, dass eine künftige Regierung sich nicht mehr viel Zeit lassen kann.

Carsten Spohr, Chef der Lufthansa.  - © © dpa - Paul Zinken

Carsten Spohr, Chef der Lufthansa. © dpa /Paul Zinken

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hält beim Verkauf der insolventen Fluggesellschaft Alitalia offenbar keine längeren Verzögerungen mehr für möglich. "Ich bin sicher, Brüssel wird den Druck erhöhen und auf eine Lösung drängen", sagte Spohr am Dienstag laut einer Meldung der Nachrichtenagentur "Reuters". "Dann werden wir sehen, ob sich für uns Chancen eröffnen."

Erneut betonte Spohr, dass er an Alitalia in der jetzigen Form kein Interesse habe. Die Airline müsse zunächst restrukturiert werden - das erklärte der Konzernchef bereits im Januar.

© dpa, Arne Dedert Lesen Sie auch: Lufthansa geht auf Distanz zu insolventer Alitalia

Eine politische Entscheidung über die Zukunft der Airline dürfte nach den Wahlen in Italien nicht einfacher geworden sein, so Experten. Zum einen zeichnet sich bisher im neuen Parlament noch keine Mehrheit für eine Regierungsbildung ab. Zu anderen stehen die Wahlgewinner, die Fünf-Sterne-Bewegung und die rechtspopulistische Lega, einem Verkauf der Alitalia an ausländische Konzerne sehr kritisch gegenüber.

Wahlgewinner sehen Investoren aus dem Ausland kritisch

Wie das italienische Nachrichtenportal "Today" berichtet, warnte der Fünf-Sterne-Spitzenkandidat Luigi Di Maio im Dezember davor, die Airline Lufthansa zu überlassen. Vielmehr solle Alitalia so ausgerichtet werden, dass sie wieder mehr Besucher ins Land hole. Und Matteo Salvini, der Chef der rechtspopulistischen Lega, wolle den italienischen Charakter der Fluglinie erhalten und habe sich gegen einen "Ausverkauf" an ausländische Unternehmen gewandt.

Derzeit sind aber nur Kaufinteressenten aus dem Ausland bekannt: Neben Lufthansa wurden zuletzt Easyjet, Delta Air Lines, Wizz Air und der US-Investor Cerberus gehandelt. Auch Air France wurde in den italienischen Medien immer wieder als potenzielle Bieterin ins Spiel gebracht, dementierte aber airliners.de auf Anfrage ein Kaufinteresse.

© AirTeamImages.com, Ido Wachtel Lesen Sie auch: Alitalia-Bieterfeld vergrößert sich wohl wieder

Offiziell soll das Bieterverfahren für die italienische Fluggesellschaft bis Ende April abgeschlossen sein. Allerdings dürfte dem Unternehmen auch danach das Geld nicht ausgehen: Der staatliche Überbrückungskredit in Höhe von 900 Millionen Euro läuft noch bis Ende September. Im Januar hieß es zudem, das Geld sei noch nicht "substanziell angetastet".

Von: pra
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