Lufthansa Cargo schließt Partnerschaft mit Cathay Pacific

13.05.2016 - 10:23 0 Kommentare

Lufthansa Cargo und die Frachtsparte von Cathay Pacific werden künftig zusammenarbeiten. Bis die erste Sendung im Rahmen der Kooperation verschickt wird, dauert es aber noch ein bisschen.

Von links: Mark Sutch (General Manager Marketing & Sales Cathay Pacific), Simon Large (Direktor Cargo, Cathay Pacific), Peter Gerber (Vorstandsvorsitzender Lufthansa Cargo) und Bernhard Kindelbacher (Senior Vice President Strategy, Subsidiaries & Business Development Lufthansa Cargo) unterzeichnen den Kooperations-Vertrag. - © © Lufthansa Cargo -

Von links: Mark Sutch (General Manager Marketing & Sales Cathay Pacific), Simon Large (Direktor Cargo, Cathay Pacific), Peter Gerber (Vorstandsvorsitzender Lufthansa Cargo) und Bernhard Kindelbacher (Senior Vice President Strategy, Subsidiaries & Business Development Lufthansa Cargo) unterzeichnen den Kooperations-Vertrag. © Lufthansa Cargo

Lufthansa Cargo und Cathay Pacific Cargo, sie gehören zu den weltweit führenden der Luftfracht-Branche, haben eine enge kommerzielle Kooperation vereinbart. Für die Lufthansa Cargo ist dies das dritte Abkommen zwecks gemeinsamer Kapazitätsnutzung, welches die Kranichtochter in jüngster Vergangenheit geschlossen hat. Vorausgegangen waren Transportvereinbarungen zwischen der deutschen Frachtlinie und der japanischen ANA Cargo auf Routen zwischen Japan und Europa sowie der Cargodivision von United Airlines im Transatlantikverkehr.

Das Besondere an der jetzt paraphierten Liaison: Im Unterschied zu United und ANA, die beide Mitglieder der Star Allianz sind, gehört Cathay zum Konkurrenzverbund Oneworld, dem unter anderem American Airlines, die IAG-Tochter British Airways, Qatar Airways und auch Air Berlin angehören.

Dass jetzt die Frachtdivision eines Oneworld-Mitglieds mit der Frachttochter der Lufthansa, auf deren Initiative die Star Allianz gegründet wurde, gemeinsame Routenplanung, Kapazitätsvermarktung und Vertriebsinitiativen vereinbart hat, werten manche Marktbeobachter als Anzeichen für eine Absetzbewegung Cathays von der Oneworld-Gruppe. Anlässlich der Unterzeichnung des Paktes beider Frachtlinien spielte das Thema Luftfahrtallianzen allerdings keine Rolle.

Start im ersten Quartal 2017

Praktisch soll die Kooperation im ersten Quartal kommenden Jahres starten. Dies betrifft im ersten Schritt Sendungen, die von Hongkong entweder von Cathay oder Lufthansa zu Zielen in Europa geflogen werden. Welche Gesellschaft die Waren befördert, spielt keine Rolle, da die Zusammenarbeit auf Grundlage der Kapazitätsneutralität erfolgt, mit entsprechender anteiliger Aufteilung der Einnahmen. Transporte in gegenläufiger Richtung, also von Europa nach Hongkong und von dort gegebenenfalls weiter zu Endzielen in der Pazifikregion, sind für den weiteren Jahresverlauf vorgesehen.

Durch das Zusammengehen auf Relationen zwischen Fernost und Europa erweitern beide Gesellschaften ihr Streckenangebot an den Markt erheblich. "Im gemeinsamen Streckennetz bieten wir unseren Kunden wöchentlich über 140 Direktflüge zwischen Hongkong und 13 europäischen Zielen an", betonte Cathays Frachtchef Simon Large bei der Bekanntgabe der Vereinbarung.

Für Lufthansa Cargo bedeutet dies, dass die Gesellschaft örtlichen Kunden in Hongkong beispielsweise den Nonstop-Flug ihrer Güter vom Airport Chek Lap Kok im Perlflussdelta nach London-Heathrow an Bord der Cathay-Flugzeuge verkaufen kann. Umgekehrt hat Cathay die Möglichkeit, alle Lufthansa-Verbindungen nach Hongkong für die Mitnahme ihrer Frachtsendungen zu nutzen.

Drehscheiben spielen zentrale Rolle

Wichtiger Bestandteil der Kooperation ist auch die Einbeziehung der Zu- und Abbringerverkehre an den zentralen Drehscheiben Frankfurt und Hongkong beider Partner. Darauf wies Chef Peter Gerber von der Lufthansa Cargo hin. "Unsere Kunden werden von einem deutlichen Plus an Flexiblität aufgrund von mehr Flügen und der Kombination aus Zubringer- und Interkontinentalflügen profitieren", hob der Manager hervor. Dadurch würden Sendungen ihr Ziel künftig deutlich früher erreichen, fügte Gerber hinzu. "Zudem bieten wir in Zukunft mehr Transportmöglichkeiten für Sendungen an, die aufgrund ihrer Größe oder Anforderungen mit Frachter transportiert werden müssen", ergänzte er.

Frachtkunden erhalten Zugang zum gemeinsamen Netz über die Buchungssysteme beider Gesellschaften. Auch die Bodenabfertigung der Waren soll in Zusammenarbeit an den von den Partnern gemeinsam genutzten Stationen erfolgen. Branchenbeobachter sehen die Partnerschaftsvereinbarung zwischen Lufthansa Cargo und Cathay Cargo auch als strategischen Schritt gegen die aggressive Flottenpolitik der staatlich alimentierten Golf-Airlines, die den Markt durch rapide wachsende Transportkapazitäten überschwemmen und dadurch enormen Preisdruck erzeugen.

Durch den Cathay-Lufthansa-Pakt werden Direkttransporte für Spediteure aufgrund der Netzwerkdichte und der hohen Abflugfrequenzen auf den Relationen zwischen Europa und Fernost deutlich attraktiver im Vergleich zur Praxis von Etihad, Qatar oder Emirates, die Transitgüter zwischen Europa und Ostasien auf ihren nahöstlichen Drehscheiben jeweils umladen müssen.

Probleme in jüngster Vergangenheit

Die Frachttochter der Lufthansa hat in letzter Zeit mit Problemen zu kämpfen. So transportierte die Airline im vergangenen Jahr rund 1,6 Millionen Tonnen Fracht, was einem Minus von zwei Prozent entspricht. Außerdem ging der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) um fast 98 Prozent von 123 Millionen auf drei Millionen Euro zurück.

© AirTeamImages.com, Felix Gottwald Lesen Sie auch: Lufthansa Cargo verzeichnet Gewinneinbruch in Millionenhöhe

Um den Negativ-Trend bei Lufthansa Cargo zu stoppen, hat der Vorstand bereits im vergangenen Jahr das Sparprogramm "C40" gestartet. Das Ziel: Bis 2018 sollen pro Jahr 40 Millionen Euro eingespart werden. Das Programm sieht auch einen Stellenabbau vor.

Von: Heiner Siegmund für airliners.de, ch
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