Lufthansa Cargo und Hapag-Lloyd betonen gemeinsame Interessen

18.01.2016 - 09:55 0 Kommentare

Luft- und Seefracht werden in Deutschland politisch gebremst. Warum das so ist und was sich ändern müsste, erläuterten jetzt Topmanager von Lufthansa Cargo und Hapag-Lloyd in Hamburg.

Lufthansa-Cargo-Vorstandschef Peter Gerber und Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen (rechts). - © © Heiner Siegmund -

Lufthansa-Cargo-Vorstandschef Peter Gerber und Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen (rechts). © Heiner Siegmund

Ob fehlende Elbvertiefung oder Nachtflugverbote auf zentralen deutschen Flughäfen – die Weiterentwicklung von Lufthansa Cargo und Hapag-Lloyd wird durch mangelnde politische Unterstützung und sich über Jahrzehnte hinziehende infrastrukturelle Entscheidungen in Deutschland nachhaltig gebremst. Dies war Konsens zwischen den beiden Vorstandschef Peter Gerber von Lufthansa Cargo und Rolf Habben Jansen von Hapag-Lloyd während des Podiumsgesprächs "Luftfracht meets Seefracht" am vergangenen Donnerstag im Hauptquartier von Hapag-Lloyd am Hamburger Ballindamm, an dem rund achtzig geladene Gäste teilnahmen.

Diesbezüglich wies Manager Gerber darauf hin, dass die nächtliche Schließung des Frankfurter Flughafens bei seiner Gesellschaft zu jährlichen Einnahmenverlusten von gut 30 Millionen Euro führe. Frachtkontingente seien in Folge der Nachtsperre Rhein-Mains zu anderen Flughäfen in benachbarten EU-Ländern abgewandert, wo Verkehr rund um die Uhr möglich sei. Er führte diese Entwicklung, die sich zum Nachteil der deutschen Industrie und des hiesigen Wirtschaftsstandorts entwickele, unter anderem auf das noch immer eher problematische Image der Logistikindustrie in der Gesellschaft und die schwache Stellung der Branche gegenüber den politischen Handlungsträgern zurück.

Die Logistik ist ein eher abstrakter Begriff; sie emotionalisiere die Menschen in aller Regel nicht und sie bestehe aus einer Vielzahl unterschiedlicher Handlungsträger mit unterschiedlichen Partikularinteressen, lautete Gerbers Erklärung, warum sie zwar der drittgrößte Wirtschaftszweig in Deutschland ist, aber über nur sehr begrenzten Einfluss bei politischen Entscheidungsfindungen verfüge.

Immenser Wettbewerbsnachteil

Als Gegenbeispiel nannte er die Strategie der Machthaber in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Katar. Sie hätten die immense Bedeutung des Verkehrssektors und die dafür benötigte Infrastruktur erkannt und würden diesen nach Kräften fördern. Für die Lufthansa Cargo ergebe sich daraus ein immenser Wettbewerbsnachteil, da Abu Dhabi, Dubai oder Doha die dort ansässigen Carrier mit hohen staatlichen Zuschüssen alimentierten. "Es geht nicht um schwarze Zahlen, die Emirates, Etihad oder Qatar Airways schreiben müssen, sondern darum, Wettbewerber mit Dumpinglöhnen aus dem Feld zu schlagen", sagte der Manager. Deutschland müsse sich entscheiden, ob eine eigenständige Luftverkehrsindustrie erhalten bleiben soll oder nicht. Wenn ja, müsse die hiesige Politik für faire Wettbewerbsregeln sorgen, forderte der Manager mit Blick auf die Berliner Regierung.

Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen nannte die Vertiefung der Unterelbe als dringlichste Maßnahme, die endlich beschlossen und zügig umgesetzt werden müsse. Will der Hamburger Hafen international wettbewerbsfähig bleiben, müsse die Fahrrinnenanpassung sobald als möglich durchgeführt werden. Andernfalls drohten Hamburg Ladungsverluste und ein langsames Abgleiten in die zweite Liga der europäischen Seehäfen. "Angesichts des weltweit zunehmenden Warenaustausches braucht das Land aber drei wettbewerbsfähige Häfen: neben Hamburg auch Bremen und Wilhelmshaven", sagte der Reedereichef wörtlich.

Die Deutschen müssten lernen, mehr nach vorne zu blicken, empfahl der gebürtige Niederländer Habben Jansen. In Holland habe man vor Jahrzehnten die Maasvlakte beschlossen und dem Rotterdam Hafen damit auf lange Zeit das Anfahren durch Containerschiffe mit großem Tiefgang ermöglicht. In Deutschland hingegen gebe es immer noch kein grünes Licht für die seit Jahrzehnten diskutierte und von der Wirtschaft geforderte Elbvertiefung.

Eindeutiges Bekenntnis zu Frachtflugzeugen

Gefragt von airliners.de, ob Lufthansa Cargo auch in zehn Jahren noch Frachter betreiben würde und sich damit von Konkurrenten wie Air France-KLM-Martinair Cargo oder IAG Cargo unterscheide, die Cargo nur noch in den Unterflurkammern ihrer Passagierflotten beförderten, bekannte sich Gerber eindeutig zu Frachtflugzeugen. "Ich kann nur nicht sagen, ob wir dann zehn, zwanzig oder fünfundzwanzig Frachter in der Flotte haben, aber wir werden auf Frachter nicht verzichten", sagte er.

© AirTeamImages.com, Felix Gottwald Lesen Sie auch: Schwierige Zeiten für Lufthansa Cargo

Ob die neue Seidenstraße, also transeurasische Bahntransporte, sich zu einem Konkurrenten für See- und Luftfrachttransporte entwickele, verneinten beide Manager. "Zwischen Fernost und Europa werden wöchentlich etwa 300.000 Container befördert, da bereiten uns Züge, die mit etwa 45 Boxen bestückt sind, keine schlaflosen Nächte", so Habben Jansen. Gerber ergänzte, dass Ladungsverluste an einer durch Ladungsgewinne an anderer Stelle oftmals ausgeglichen würden. Diesbezüglich verwies er auf den Boom von E-Commerce, der Lufthansa Cargo zu größerem Umsatz verhelfe.

Von: Heiner Siegmund für airliners.de
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