Lufthansa Cargo stoppt Blumenflüge aus Südamerika

13.01.2016 - 09:31 0 Kommentare

Lufthansa Cargo wird bald keine Blumen mehr im Liniendienst aus Südamerika nach Frankfurt transportieren. Das Geschäft sei wirtschaftlich nicht mehr attraktiv. Vorausgegangen war ein mehrjähriger Rechtsstreit.

Luftfrachtverladung in einer MD-11F der Lufthansa Cargo - © © Fraport -

Luftfrachtverladung in einer MD-11F der Lufthansa Cargo © Fraport

Die Frachtfluggesellschaft wird ihre Blumentransporte von Ekuador und Kolumbien nach Frankfurt in der ersten März-Hälfte aufgeben. "Das durch den Valentinstag bedingte Geschäft nehmen wir noch mit, danach aber ist Schluss mit Linienflügen", sagte Unternehmenssprecher Michael Göntgens.

Die über Brasilien und die beiden Andenländer geführten Umläufe seien wegen der mehrfachen Crewwechsel auf der Route sehr komplex zu managen und wirtschaftlich nicht mehr attraktiv, begründete er den bevorstehenden Rückzug seiner Frachtlinie aus diesem Markt. Bedingt sei die Entscheidung auch durch die Verringerung der MD-11-Flotte von Lufthansa Cargo um zwei Einheiten auf insgesamt elf Flugzeuge, wobei eine der zwei aussortierten MD-11F als Reserve für Bedarfseinsätze vorgehalten wird.

Neben den verbliebenen MD-11-Frachtern verfügt die Fluglinie noch über fünf Boeing 777F. Göntgens wörtlich: "Die Kapazitätsreduzierung ist ein weiterer Grund, warum wir die regelmäßigen Blumenflüge von Südamerika nach Deutschland aufgeben und unsere Flotte auf wirtschaftlich interessanten Strecken einsetzen werden." Zugleich wies er darauf hin, dass sich Lufthansa Cargo nicht völlig aus der lateinamerikanischen Westküste zurückziehe, da es im Rahmen von Sonderprojekten weiterhin Charterflüge in die Andenstaaten geben werde.

KLM konnte sich mit Widerspruch durchsetzen

Die Blumenflüge von Quito und Bogota wurden 2011 begonnen, wobei diese mit Zwischenlandung in Puerto Rico direkt nach Amsterdam geführt wurden. In der Nachbargemeinde Aalsmeer befindet sich die weltgrößte Blumenmesse, was Amsterdam-Schiphol hoch attraktiv macht als Zielflughafen für diese sensible Produktsparte. Gegen die Lufthansa-Flüge legte KLM jedoch Widerspruch mit der Begründung ein, dass die deutsche Frachtlinie nicht die Beförderungsrechte für Güter auf Strecken zwischen Lateinamerika und den Niederlanden besäße. Nach einer Bußgeldzahlung von 40.000 Euro verlegte Lufthansa Cargo 2012 die Flüge nach Frankfurt, von wo die südamerikanischen Blumen seitdem per Lastwagen nach Aalsmeer gefahren werden.

Gegen den behördlich verfügten Stopp der Amsterdam-Flüge legte Lufthansa Rechtsmittel ein. Dabei hatte sich die Airline auf die Open-Skies-Regelung zwischen den USA und der EU berufen, wonach Flüge zwischen beiden Vertragsgebieten ohne jede Einschränkung erlaubt sind. Die Lufthansa-Frachttochter machte geltend, dass ihre von der südamerikanischen Westküste kommenden Frachter eine Zwischenlandung in Puerto Rico einlegen würden. Für die Karibikinsel, die zum Hoheitsgebiet der USA gehört und damit deren Luftaufsicht unterstellt ist, hat Lufthansa Cargo sämtliche Verkehrsrechte nach Europa. Dies verdeutliche auch die eigenständige LH-Flugnummer für die Verkehre zwischen Puerto Rico und Amsterdam, die sich von der auf den Andenflügen nach Puerto Rico genutzten Nummer klar unterscheide.

Dagegen wertete die von KLM bemühte niederländische Luftfahrtbehörde Dutch Civil Aviation Authority (DCAA) die Zwischenlandungen der LH-Frachter in Puerto Rico jedoch als bloßen Tank- und Wartungsstopp, womit sie nicht unter das Open-Skies-Abkommen beider Vertragsseiten fielen, schlussfolgerte das Aufsichtsamt.

Klagen blieben erfolglos

Klagen der Lufthansa Cargo gegen diese Interpretation blieben vor niederländischen Gerichten bislang erfolglos, die sich in zwei Urteilen der Rechtsauffassung der DCAA anschlossen. Gegen die von Lufthansa als protektionistische Maßnahmen empfundenen Flugverbote legte die Linie schließlich Einspruch vor dem Raad van State, dem höchsten niederländischen Verwaltungsgericht in Den Haag ein. Diesen zog die deutsche Gesellschaft jetzt zurück, da sie die Blumenflüge ex Südamerika einstellen wird, womit Landungen in Amsterdam hinfällig werden.

© AirTeamImages.com, Simon Willson Lesen Sie auch: Lufthansa Cargo geht in Revision gegen Verbot von Amsterdam-Flügen

"Unsere Entscheidung, die juristische Auseinandersetzung mit der niederländischen Seite zu beenden, beruht rein auf wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Von unserem Rechtstandpunkt, dass die Flüge durch das Open-Skies-Abkommen zwischen Brüssel und Washington voll gedeckt sind, weichen wir keinen Zentimeter ab", betonte Göntgens gegenüber airliners.de. Das Appellationsverfahren vor dem höchsten holländischen Gericht verfolge sein Unternehmen nur deshalb nicht weiter, weil dieser Rechtsstreit bis zu einer Entscheidung weiterhin sehr viel Geld gekostet hätte, ohne dass die Lufthansa Cargo bei einer positiven Entscheidung daraus wirtschaftliche Vorteile hätte ziehen können, so das Fazit des Unternehmenssprechers.

Von: Heiner Siegmund für airliners.de

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