Lufthansa Cargo blickt optimistisch auf 2019

19.03.2019 - 12:10 0 Kommentare

Lufthansa Cargo erzielt das zweitbeste Jahresergebnis ihrer Geschichte. Die nächsten Monate aber sehen wenig rosig aus, Brexit und Handelskonflikte bremsen das Wachstum. Neue Flugzeuge gibt es trotzdem.


© Lufthansa

Eine umlackierte Frachtmaschine von Lufthansa Cargo wird beladen.

Eine umlackierte Frachtmaschine von Lufthansa Cargo wird beladen.
© Lufthansa Cargo

Für die positiven Botschaften, die auf der Frankfurter Jahresbilanz-Konferenz der Lufthansa-Frachttochter verkündet wurden, war Finanzchef Martin Schmitt zuständig: 2018 habe LH Cargo einen operativen Gewinn von 263 Millionen Euro erwirtschaftet, ein Plus von fünf Millionen Euro zum bereits sehr erfolgreichen Vorjahr, verkündete Schmitt. Der Umsatz sei im Jahresvergleich gar um sieben Prozent auf 2,713 Millionen Euro gestiegen. Und – besonders wichtig – der Erlös pro beförderter Tonne Luftfracht (Yield) habe um satte sieben Prozent zugelegt.

Dagegen stieg laut Finanzchef Schmitt die geflogene Frachtmenge 2018 lediglich um einen Prozentpunkt. Und der Ladefaktor sank sogar um 3,2 Prozentpunkte auf insgesamt 65,9 Prozent. Dies deshalb, weil die angebotene Transportkapazität nicht voll am Markt abgesetzt werden konnte. "Unsere Strategie ist nicht die Maximierung der Tonnage, sondern das Erzielen eines möglichst hohen Yields", betonte Finanzchef Schmitt auf der gestrigen Jahresbilanzkonferenz in Frankfurt.

Gründe für das insgesamt jedoch herausragende Ergebnis waren seinen Worten zufolge die bereits 2016 eingeleiteten Sparmaßnahmen namens "C40", die – trotz offizieller Beendigung – weiterhin zu jährlichen Minderausgaben von 80 Millionen Euro führen. Hinzu komme, betonte er, dass die Tochterunternehmen, wie Time Matters, Jettainer, der in Shanghai beheimatete Bodenabfertiger PACTL sowie die Leipziger Aero Logic, an der Lufthansa Cargo und DHL Express jeweils 50 Prozent der Anteile halten, zum Geschäftsergebnis der Fracht-Airline 37 Millionen Euro beigesteuert hätten.

Mitarbeiter geben Tipps zur Effizienzsteigerung

Zuletzt seien im vergangenen Jahr 170 Vorschläge von den eigenen Mitarbeitern zur Effizienzsteigerung des Unternehmens gekommen. Auch "diese haben zur Gewinnsteigerung beigetragen", betonte der Finanzchef. Abschließend sagte Schmitt, dass die Lufthansa Cargo ihr eigenes Produktportfolio durch "E-Commerce" erweitern werde. "Es geht dabei nur noch um Wochen bis zu dessen Markteinführung, nicht um Monate", kündigte er an.

Was die Geschäfte im aktuellen Jahr betrifft, steht Lufthansa Cargo wie die gesamte Luftfrachtbranche vor erheblichen Herausforderungen. "Der Big Boom 2017 und 2018 ist Geschichte; seit dem vergangenen Dezember gehen die Transportmengen weltweit zurück, was auch wir deutlich spüren", so CEO Peter Gerber. Er sprach von einer Marktdelle, die vor allem durch politische Unsicherheiten geprägt sei. Stichwort Handelskonflikt USA-China, das anhaltende Brexit-Drama, mögliche neue Strafzollaktionen der USA, et cetera. All dies beeinflusse das globale Investitionsverhalten von Firmen eher negativ, schüre die Unsicherheit und trübe das Konsumklima ein, so Gerber.

Doch diese Delle werde nicht anhalten, sondern sei kurzfristiger Natur, prognostizierte der Manager. Als gegenläufige Megatrends nannte er das anhaltende weltweite Bevölkerungswachstum, was die Güternachfrage stimuliere, steigende Einkommen in vielen Regionen der Welt sowie die Entwicklung neuer Produkte. Diese und weitere Entwicklungen würden der Luftfracht in den kommenden fünf Jahren neuen Auftrieb geben.

© Cargo Logic Air, Lesen Sie auch: Lufthansa Cargo warnt vor russischem Einfluss durch Cargologic

Auch wegen dieser eher optimistischen Erwartungen setzt die Airline auf Flotten- und Kapazitätswachstum. So wird die aus fünf Boeing 777F und 12 MD-11F bestehende Flotte um zwei fabrikneue "Triple Seven" Frachter aufgestockt, von denen ein Flieger bereits in Betrieb ist. Zudem wächst die Flotte von Aero Logic ebenfalls um zwei Boeing 777F, die von der Lufthansa Cargo geleast und in Frankfurt stationiert werden und die ausschließlich im Netz der LH Cargo fliegen. Im Gegenzug sollen Ende des Jahres zwei der zwölf MD-11F ausgemustert werden. "Die Flieger sind bereits verkauft", verkündete Gerber.

Gerber kündigt Vielzahl von Modernisierungsvorhaben an

Seine Marktprognose lässt sich so zusammenfassen: die momentane Lage ist eher mau, längerfristig aber steht es gut um diesen Zweig der Luftfahrt. Auch aufgrund dieser optimistischen Erwartung, so Gerber, setze seine Gesellschaft auf Flottenerneuerung und Kapazitätswachstum.

Im Einzelnen kündigte er eine Vielzahl von Maßnahmen für 2019 und die Folgejahre an. So werde das Lufthansa Cargo Center auf dem Frankfurter Flughafen im Baukastensystem ab kommendem Jahr bis Ende 2024 komplett umgebaut und modernisiert. Kostenpunkt für das "LCCevo (evolution)": 400 Millionen Euro. Die Umstellung von Papierdokumentation auf elektronische Datenübermittlung für Sendungen (e-AWB) werde weiter vorangetrieben. Die Rate liegt heute bereits bei 79 Prozent. "Damit sind wir weltweit die Nummer Zwei nach Cathay Pacific Cargo", verkündete der Vorstandschef der Cargo-Gesellschaft. Als weitere Baustelle nannte er die Expansion des Netzwerks und das Vordringen in neue Märkte. Dies erfolge sowohl über eigenes Flottenwachstum als auch durch Beiladungsabkommen mit Partner-Airlines wie der japanischen ANA Cargo, United Cargo oder Cathay Pacific.

Auch die kürzlich erfolgte Integration des Frachtgeschäfts von Brussels Airlines Cargo in die Lufthansa Cargo "hat uns ganz neue Märkte in Afrika erschlossen", sagte Gerber. Zudem soll die Kooperation mit Gruppenmitglied Swiss World Cargo intensiviert werden. "Sie behalten ihren Firmennamen und ihre eigene Luftfrachtbrief-Nummer, aber die Verkaufsprozesse werden mit denen von Lufthansa Cargo innerhalb der kommenden fünf Jahre harmonisiert", kündigte Gerber an.

Als weiteres Ziel nannte er den Ausbau der eigenen IT-Infrastruktur, die Einführung eines "Pre-Check"-Verfahrens für Luftfrachtsendungen sowie den Vertrieb von Rest-Kapazität über Spot-Price-Plattformen wie etwa den Berliner Anbieter Cargo One.

Lufthansa Cargo zeigt soziales Engagement

Wichtiger Bestandteil der Agenda für 2019 und darüber hinaus sei die Förderung sozialer Projekte, betonte der Manager. Praktisch wahrgenommen etwa durch die Hilfsorganisation Cargo Human Care. Diese bietet zusammen mit Partnerorganisationen Waisenkindern in Kenia ein neues Zuhause, sorgt für deren medizinische Betreuung und Schulausbildung.

Abschließend angesprochen auf das Nachtflugverbot in Frankfurt betonte er, dass die temporäre Schließung des Rhein-Main-Airports eine anhaltende Wachstumsbremse und ein Kostentreiber für seine Gesellschaft sei. Jährlich schlage der Nachtflug-Bann mit 40 Mio. Euro zu Buche, weil der Lufthansa Cargo dadurch wichtiges Geschäft entginge.

Von: Heiner Siegmund
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