Lufthansa-Betriebsrat: Condor wieder komplett zur Lufthansa nehmen

03.09.2006 - 10:00 0 Kommentare

Frankfurt/Main (dpa) - Der Ferienflieger Condor sollte nach Ansicht des Konzernbetriebsrats-Vorsitzenden der Lufthansa, Manfred Calsow, wieder komplett in den Lufthansa-Konzern integriert werden. «Wir wollen die Condor zurück im Lufthansa-Konzern haben», sagte Calsow am Sonntag in einem dpa-Gespräch. Die Veranstalter der Thomas Cook wie Neckermann Reisen könnten dagegen an KarstadtQuelle gehen.

Europas zweitgrößter Tourismuskonzern Thomas Cook mit seiner Flugtochter Condor gehört derzeit zu je 50 Prozent Lufthansa und KarstadtQuelle. Nach Medienberichten will KarstadtQuelle die Lufthansa-Anteile für rund 800 Millionen Euro übernehmen.

«Die Condor gehört schließlich in das Sortiment der Lufthansa», sagte Calsow. Deren Verkauf sei nicht mit der Strategie der Lufthansa vereinbar, ein breites Sortiment zu bieten. Dazu gehörten sowohl Billigflieger wie Germanwings wie auch das weltweite Netz, Geschäftsflüge im Privatjet oder eben auch das Touristikgeschäft. «Bei einem Verkauf würde ein Stein aus der Lufthansa-Strategie herausbrechen», sagte Calsow. Ein Verkauf könne nur als falsches Mittel zu Kapitalbeschaffung gewertet werden, um die Erneuerung der Flotte zu finanzieren.

Bei den Gesprächen über die Zukunft von Thomas Cook bestehe zudem die Gefahr, dass ein externer Investor zum Zuge komme. «Wir haben Angst, dass sich ein Dritter an den Tisch setzt.» Dann könnten möglicherweise die Condor, Reste der LTU und die TUI-Flugtöchter Hapag-Lloyd Express (HLX) und Hapagfly von einem Investor verschmolzen werden. In diesem Fall drohe aber der Abbau von hunderten von Arbeitsplätzen. «Es ist ja bekannt, was bei solchen Fusionen passiert.»

Verärgert zeigte sich der Betriebsrat, dass der Verkauf aus seiner Sicht auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen werde. Die Beschäftigten der Condor hätten in den vergangenen Jahren mit Gehaltsverzicht und Stellenabbau die Sanierung unterstützt. Jetzt halte sich der Vorstand aber nicht mehr an die Zusage, dass die Condor bei schwarzen Zahlen bei Lufthansa bleibe. «Die Braut ist geschmückt worden, jetzt wird auf dem Kapitalmarkt ein Bräutigam gesucht», sagte Calsow.

Die Lufthansa hatte Gespräche über die Zukunft von Thomas Cook bestätigt. Zuletzt hatte Personalvorstand Stefan Lauer aber deutlich gemacht, dass die Gespräche noch ein gutes Stück von einer Einigung entfernt seien. Thomas Cook war im Kern durch die Fusion von Condor und Neckermann Reisen entstanden und erzielte zuletzt mit weltweit rund 23 000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 7,7 Milliarden Euro.

Von: dpa
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