Streik-Schwerpunkte Frankfurt und Hamburg

Lufthansa-Arbeitskampf beginnt ohne Auswirkungen auf Flugverkehr

28.07.2008 - 12:51 0 Kommentare

Bei der Lufthansa hat um Mitternacht der unbefristete Streik des Boden- und Kabinenpersonals begonnen. Der Arteitskampf hat bislang keine Auswirkungen auf den Flugverkehr, das könnte sich aber noch ändern: Ver.di hatte Lufthansa mit Stillstand gedroht.

Es ist Streik bei der Lufthansa - und die Flugzeuge fliegen weiter. Nach Angaben des Unternehmens mussten bis zum Mitag zunächst keine Flüge wegen des Ausstandes von Boden- und Kabinenpersonal gestrichen werden. Rund 150 Flüge seien weitgehend planmäßig gestartet, sagte Lufthansa-Kommunikationschef Klaus Walther dem Nachrichtensender n-tv.

Die ver.di-Arbeitskampfmaßnahmen hätten kompensiert werden können, hieß es bei Lufthansa. Wie das erreicht wurde, wollte das Unternehmen nicht mitteilen. Der Notfallplan des Unternehmens an bestreikten Standorten greife, betonte Lufthansa-Sprecher Walther. Man hoffe, das so möglichst lange durchhalten zu können.

«Wir haben eine Pünklichkeitsrate von fast 100 Prozent», sagte Lufthansa-Konzernsprecher Klaus Walther am Morgen. Die Passagiere sollten sich trotzdem auf der Lufthansa-Homepage im Internet erkundigen, wie es «um ihren Flug steht». Bezüglich der bisher ergebnislosen vier Verhandlungsrunden erklärte Walther, dass Lufthansa weiterhin «dialogbereit» ist. Die Kunden seien die Zukunft der Deutschen Lufthansa. Das sollten auch die Streikführer wissen und nicht am «Ast sägen, auf dem man sitzt».

Lufthansa setzt auf Notfallplan

Lufthansa hatte sich bereits seit mehreren Tagen auf weitere Streiks vorbereitet und einen umfangreichen Notfallplan entwickelt. Teil davon ist der Einsatz von Fremdfirmen etwa bei der Verpflegung. Vor allem die Langstrecken und Flüge zwischen den großen europäischen Metropolen sollen trotz des Arbeitskampfes aufrechterhalten werden. Passagieren werden bei streikbedingten Ausfällen wie schon bei den Pilotenstreiks Umbuchungen angeboten.

Der ver.di-Verhandlungsführer bekräftigte, Ziel des Streiks sei, nicht die Passagiere zu treffen, sondern die Lufthansa. Wenn die Airline den Flugverkehr mit dem Einsatz zusätzlicher Aushilfskräfte aufrechterhalte, koste sie das mehr Geld. Zuvor hatte die Gewerkschaft der Airline noch mit Stillstand gedroht.

© dpa
"I am not on strike" ("Ich streike nicht") steht auf einem T-Shirt, mit dem eine Lufthansa-Beschäftigte am Montag (28.07.2008) durch die Abflughalle auf dem Flughafen von Frankfurt am Main läuft. Mit den umfangreichsten Streikmaßnahmen seit 13 Jahren will die Gewerkschaft ver.di den Flugverkehr der Lufthansa an Deutschlands größtem Flughafen massiv beeinträchtigen. Hintergrund des Streiks sind Tarifforderungen der Gewerkschaft. In den ersten Stunden blieben die Auswirkungen des Arbeitskampfes eher gering.
Foto: Boris Roessler, dpa
Ver.di: Streikauswirkungen kommen noch

Bei ver.di zeigte man sich trotz der zunächst geringen Streikauswirkungen zufrieden. Das Ausmaß der Streikwelle sei «gewaltig», sagte Gerhard Straube von ver.di Hessen. Von den Lufthansa-Technik-Mitarbeitern arbeite niemand, «alles dicht» sei auch bei den Tochtergesellschaften von Lufthansa Technik sowie beim Caterer LSG und bei Lufthansa Cargo. Für den ersten Tag habe man keine großen Streikauswirkungen erwartet, sagte Straube weiter. «Aber die kommen noch», fügte er hinzu.

Ein Sprecher von Lufthansa Cargo schätzte am Mittag, dass sich eine dreistellige Zahl an Mitarbeitern an dem Streik beteiligt. Bisher gebe es keine Probleme in der Frachtabfertigung, dies könne sich aber stündlich ändern. Kritisch werde der Streik, wenn er am nächsten Wochenende noch nicht beendet sei. Wochenenden seien die betriebsintensivste Zeit bei Cargo.

Der Konzern spürt nach eigenen Angaben «hinter den Kulissen» die Auswirkungen des unbefristeten Streiks. Vor allem seien die Techniksparte in Hamburg und die Cateringsparte in Frankfurt in Mitleidenschaft gezogen. Wann sich die Streiks im Bereich Technik auf den Flugverkehr auswirkten, sei schwer prognostizierbar, hieß es. Es gebe ganz verschiedene Wartungsintervalle. Außerdem streike auch in dieser Sparte nicht die gesamte Belegschaft und es seien Gegenmaßnahmen seitens Lufthansa ergriffen worden.

Die Gewerkschaft hatte Boden- und Kabinenpersonal bei der Lufthansa von Mitternacht an zu einem unbefristeten Streik aufgerufen. Die allgemeine Sorge war, dass der Streik mitten in der Urlaubszeit zu Chaos an den Flughäfen führen könnte. Schwerpunkte des Ausstandes sind der Gewerkschaft zufolge die Flughäfen in Hamburg und Frankfurt.

In dem Tarifkonflikt bei ver.di geht es um höhere Gehälter für die rund 50 000 Beschäftigten am Boden und in der Kabine. Die Gewerkschaft fordert 9,8 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von einem Jahr. Lufthansa hatte zuletzt gestaffelt 6,7 Prozent mehr Geld bei 21 Monaten Laufzeit und eine Einmalzahlung geboten.

UFO: Streik bei Lufthansa findet nur am Boden statt

An dem Streik wird sich das Kabinenpersonal zudem auf alle Fälle nur zu einem geringen Teil beteiligen. Der von ver.di für Montag angekündigte unbefristete Streik werde «ausschließlich am Boden und im Ergebnis auch nur für die Bodenmitarbeiter ausgetragen werden», teilte die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) am Samstag in Mörfelden Walldorf mit. In der 1992 gegründeten Fachgewerkschaft für das Kabinenpersonal sind nach eigenen Angaben «weit mehr als 50 Prozent» des Lufthansa-Kabinenpersonals organisiert, der Rest der Flugbegleiter sei weitgehend unorganisiert.

Lufthansa habe daher bereits angekündigt, jeglichen Tarifabschluss mit ver.di für das Kabinenpersonal unter den Vorbehalt einer Zustimmung von UFO zu stellen. Allerdings liege die Forderung von UFO mit 15 Prozent deutlich über der ver.di-Forderung von 9,8 Prozent. Die ver.di-Forderung sei viel zu niedrig, als dass die UFO-Mitglieder dafür streiken würden, hieß es seitens der Konkurrenz-Gewerkschaft.

Darüber hinaus habe der Vergütungstarifvertrag von UFO noch eine Laufzeit bis Ende des Jahres. Für die Mitglieder von UFO gelte deshalb derzeit noch die Friedenspflicht, so dass sie dem Streikaufruf von ver.di auch gar nicht folgen dürften.

Von: AFP, dpa, ddp, airliners.de
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