Lufthansa-Arbeitnehmervertreter kritisieren Fraport-Strategie

08.11.2016 - 14:41 0 Kommentare

Der Frankfurter Flughafen will attraktiver für Billigflieger werden. Ein neuer Kunde ist Europas größter Low-Cost-Carrier Ryanair. Die Arbeitnehmervertretung der Lufthansa kritisiert die Pläne.

Maschinen von Ryanair und Lufthansa stehen am Frankfurter Flughafen. - © © dpa - Boris Roessler

Maschinen von Ryanair und Lufthansa stehen am Frankfurter Flughafen. © dpa /Boris Roessler

Der Frankfurter Flughafen öffnet sich für Billigflieger - so wird Ryanair am Standort eine Basis eröffnen. Das stößt bei der Arbeitnehmervertretung der Lufthansa auf Kritik, wie aus einem offenen Brief an Fraport-Chef Stefan Schulte hervorgeht. Frankfurt ist die Heimatbasis der Lufthansa.

Der Lufthansa-Vorstand greife seit Jahren mit Umbau- und Sparprogrammen immer wieder die Tariflöhne und Arbeitsplätze an, schreibt Ralf Müller, Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Lufthansa. Er glaubt: Ryanair werde "in seinem Sog" weitere Billigairlines nach Frankfurt ziehen, und dadurch werde der "Kampf um hochwertige Arbeitsplätze" bei Lufthansa noch größer.

Eurowings und Lufthansa als Konkurrenten

Müller sieht auch ein weiteres Szenario kritisch. Sollte die Lufthansa ihre Billigmarke Eurowings in Frankfurt operieren lassen - wie von Schulte angeregt - würde der Druck auf die Beschäftigten zunehmen und es "würden gut bezahlte Arbeitsplätze dem Lohndumping ausgesetzt", heißt es in dem Brief.

Müller betonte: Es sei ihm egal, wer welches Entgelt entrichte. Er könne es "generell nicht gutheißen, dass Low-Cost-Carrier in Frankfurt starten und landen". Er sei davon überzeugt, "dass Passagiere der Billig-Airlines das falsche Klientel sind, teure Artikel in den Shops am Frankfurter Flughafen zu konsumieren".

Kritik kommt auch von Gewerkschaften

Auch die Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL) und die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo) hatten sich kritisch geäußert. Sie befürchten den Abbau von Kapazitäten und Arbeitsplätzen bei benachteiligten Airlines am Platz. Als Grund nannten sie den möglichen Nachlass bei Flughafenentgelten für neue Anbieter in Frankfurt.

Über das letztgenannte Thema wird in der Branche derzeit gestritten. Die deutschen Fluggesellschaften hatten mit Unverständnis auf die Entgeltordnung - die noch vom hessischen Wirtschaftsministerium geprüft und freigegeben werden muss - reagiert.

© dpa, Arne Dedert Lesen Sie auch: Flughafen Frankfurt will für Billigflieger attraktiver werden

Fraport-Chef Schulte verteidigte das Gebührenmodell, genauso wie die Strategie, mehr auf Low-Cost-Carrier zu setzen. Die Öffnung des größten deutschen Drehkreuzes für Billiganbieter sei schon wegen der zunehmenden Konkurrenz umliegender Flughäfen notwendig, sagte er. Wenn die Kunden immer mehr Billigangebote buchen wollen, müsse sich der Airport darauf einrichten.

Um den Low-Cost-Carriern stärker gerecht zu werden, will Schulte die Abläufe am Standort verbessern. Seinen Angaben zufolge liegt der Anteil der Low-Cost-Passagiere in Frankfurt bisher bei vier Prozent.

Von: ch
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