Lufthansa will Air-Berlin-Tickets nicht akzeptieren

20.10.2017 - 15:53 0 Kommentare

Lufthansa kann sich aktuell vor Buchungen nicht retten. Air-Berlin-Tickets will der Konzern darum nicht akzeptieren. Dabei sind Lufthansa-Airlines nach dem Aus der ehemaligen Konkurrenz oft die einzig verbleibenden Anbieter. Die Schuld dafür sieht Lufthansa auch bei Ryanair.

Eine Lufthansa-A330 (links) am Airport München. - © © dpa - Peter Kneffel

Eine Lufthansa-A330 (links) am Airport München. © dpa /Peter Kneffel

Im Zuge des baldigen Endes von Air Berlin kann sich Lufthansa vor lauter Nachfrage kaum retten. Die Forderungen seitens der Politik und von Verbraucherschützern, auch Air-Berlin-Tickets zu akzeptieren, erteilte das Unternehmen eine klare Absage.

Lufthansa und Eurowings seien aktuell "so gut gebucht wie nie zuvor", sagte ein Unternehmenssprecher zu airliners.de. Es gäbe schlicht nicht die Kapazitäten für weitere Passagiere. Vor diesem Hintergrund könne es auch "nicht im Interesse des Verbraucherschutzes sein, wenn Lufthansa im Gegenzug die eigenen Passagiere stehen lassen müsste."

Rabatt auf Rückflugtickets für einige Air-Berlin-Kunden

Eurowings will nach dem Ende des Flugbetriebs von Air Berlin am 27. Oktober einigen gestrandeten Passagieren um 50% günstigere Rückflugtickets anbieten. Es gibt aber mehrere Voraussetzungen: Die Kunden müssen noch vor dem Insolvenzantrag am 15. August einen Hin- und Rückflug bei Air Berlin gebucht haben - und zwar ins Ausland. Innerdeutsche Verbindungen sind von der Aktion ausgeschlossen. Der Rückflug, den Air Berlin nun storniert, muss zwischen dem 28. Oktober und 15. November liegen.

Auf zahlreichen Verbindungen setzt die Airline-Gruppe nun Großraum-Flugzeuge im innerdeutschen und innereuropäischen Verkehr ein. So sollen an etlichen Tagen zwischen Berlin und Frankfurt, München, Zürich und Wien Langstreckenmaschinen der Typen A340-300 und -600 sowie Boeing 767 eingesetzt werden.

Bereits vorher war bekannt geworden, dass im November sogar Jumbojets zwischen Berlin und Frankfurt fliegen werden. Es gehe darum, mit einem "Bündel von Maßnahmen", den Flugverkehr von und nach Berlin zu stemmen, teilte die Lufthansa mit.

Airlines der Lufthansa Group vielfach einzig verbleibender Anbieter

Air Berlin wird zum Ende des Sommerflugplans am 27. Oktober den Flugbetrieb einstellen. Damit fallen auf vielen Routen die Air-Berlin-Kapazitäten kurzfristig ersatzlos weg. Die Tickets verfallen. Auf vielen Rotationen verbleiben die Angebote der Lufthansa Group als einzige Alternative.

Verbraucherschützer und Wettbewerber warnen vor diesem Hintergrund bereits vor einer Monopolstellung der Lufthansa und sagen steigende Ticketpreise voraus. Das bestreitet die Lufthansa vehement. "Ich wäre schon zufrieden, wenn die Preise nicht weiter sinken würden", sagte zuletzt Eurowings-Geschäftsführer Oliver Wagner. Angesichts starker Konkurrenz seien die Ticketpreise in der Branche in vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken.

© AirTeamImages.com, TT Lesen Sie auch: Auf diesen Air-Berlin-Strecken droht ein Lufthansa-Monopol Analyse

Der Eurowings-Chef trat auch Befürchtungen entgegen, Eurowings könnte nach dem Wegfall von Air Berlin eine zu starke Marktposition bekommen. Er gehe von stabilen Preisen aus, dies gelte auch für Inlandsverbindungen. Hier sei etwa die Konkurrenz der Bahn sehr hart.

In einem aktuellen Politikbrief zum Thema geht Lufthansa sogar noch weiter und macht Ryanair für die aktuelle Lage in Deutschland mit verantwortlich. An vielen deutschen Flughäfen seien Slots für Wettbewerber frei erhältlich. Ryanair hätte aber "davon abgesehen", sich mit einem Angebot für Air Berlin "verantwortungsvoll im deutschen Markt zu engagieren", schreibt die Lufthansa.

Von der nach Passagieren größten europäischen Airline, Ryanair, kommt derweil nichts als Polemik. Von der Möglichkeit, ein eigenes Angebot abzugeben, um sich verantwortungsvoll im deutschen Markt zu engagieren, haben die Iren abgesehen. Es geht offensichtlich nur um mediale Aufmerksamkeit, die von eigenen Problemen ablenken soll.

Lufthansa Politikbrief Spezial Oktober 2017

Ryanair-Chef Michael O'Leary hatte zuvor ein "offenes und transparentes Insolvenzverfahren" um Air Berlin gefordert und eine Beteiligung an einem seiner Meinung nach "abgekarteten Spiel" zwischen Lufthansa und der Bundesregierung abgelehnt. Den eigenen Winterflugplan musste Ryanair derweil zurückstutzen, weil ihr Piloten fehlen.

© AirTeamImages.com, Bill Blanchard Lesen Sie auch: Ryanair streicht Winter-Flugplanungen zusammen

Lufthansa will der insolventen Air Berlin lediglich die nicht insolventen Tochtergesellschaften Niki sowie LGW abkaufen. Die Flüge der auch schon bislang unter eigener Flugnummer operierenden Niki bleiben somit erhalten. Niki ist allerdings ausschließlich Ferienfluggeschäft tätig.

LGW-Verbindungen fallen vielfach weg

Die Verbindungen, die LGW bislang für Air Berlin geflogen ist, werden dagegen zum Großteil eingestellt, wie airliners.de jetzt erfuhr. Die Turboprop-Regionalflugzeuge sollen stattdessen übergangsweise auf den Eurowings-Routen eingesetzt werden, die bislang Air Berlin im Wetlease für den Lufthansa-Billigflieger geflogen ist.

Lufthansa-Eurowings-Vorstand Thorsten Dirks hatte den Übergang von Teilen der Air Berlin auf Eurowings vor diesem Hintergrund bereits als "sehr komplexen Prozess" bezeichnet. Der FVW sagte Dirks, der Winter werde "strubbelig". Kunden müssten sich auf die eine oder andere Änderung einstellen.

© dpa, Lesen Sie auch: Spohrs Pläne für Air Berlin

Mit dem Sondereinsatz der eigentlich dafür viel zu kleinen Dash-8-Flugzeuge reagiert die Lufthansa offenbar darauf, dass kurzfristig nicht genügend Piloten für die übernommenen A320-Flugzeuge zur Verfügung stehen. Mit den zwei Flugbetrieben LGW und Niki werden nur rund 1700 Mitarbeiter direkt von der Lufthansa übernommen. Weitere 1400 sollen sich dagegen selbst neu bewerben.

Deutliche Gehaltseinbußen für Air-Berlin-Piloten bei Eurowings

Den Air-Berlin-Piloten drohen bei einem Wechsel zur Lufthansa-Tochter Eurowings allerdings je nach Einstufung Gehaltseinbußen von mehr als 40 Prozent. Diese Zahl bestätigte Markus Wahl von der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit, der zugleich kritisierte, dass sich die Piloten zuvor erst auf ihren eigenen Job bewerben müssten. Zuvor hatte die Zeitung "Die Welt" über die niedrigeren Gehälter bei Eurowings berichtet.

Aus einer internen Studie von Vereinigung Cockpit ergebe sich, dass Eurowings unter den deutschen Ferienfliegern die niedrigsten Piloten-Gehälter zahle, berichtete die Zeitung. Die Gewerkschaft nahm demnach im September einen Gehaltsvergleich vor, in dem die Verdienste der Besatzungen von Air Berlin, Eurowings, Condor und Easyjet miteinander verglichen werden.

Von: dh mit AFP, dpa
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