Lufthansa und Air Berlin sind wie Microsoft und Nokia

20.12.2016 - 11:30 0 Kommentare

Die Personalie Thomas Winkelmann als zukünftiger Air-Berlin-CEO bewegt die Branche. Was wird der Lufthansa-Top-Manager auf dem Chefsessel der Konkurrenz tun? Der ganze Vorgang ist in der Tat außergewöhnlich, aber es gibt eine Vorlage. Und die endete mit einer Übernahme.

Flugzeuge von Air Berlin und Lufthansa in Düsseldorf. - © © AirTeamImages.com - TT

Flugzeuge von Air Berlin und Lufthansa in Düsseldorf. © AirTeamImages.com /TT

Es ist ein hochinteressanter Vorgang, der sich aktuell rund um Lufthansa und Air Berlin abspielt: Mit Thomas Winkelmann wird ein Top-Manager der größten deutschen Airline zum Chef der Konkurrenz – wohlgemerkt ohne vorheriger wirtschaftlicher Übernahme. Ein Novum in der Wirtschaftswelt? Nicht ganz.

In der Tech-Branche sorgte vor einigen Jahren ein ganz ähnlicher Vorgang für Furore: Der Microsoft-Manager Stephen Elop wechselte 2010 zu Nokia. Was folgte ist Wirtschafts-Geschichte: Kaum drei Jahre später übernahm Microsoft den finnischen Mobiltelefonhersteller. Zuvor hatte der Microsoft-Mann noch dafür gesorgt, dass Nokia für alle neuen Smartphone-Serien exklusiv auf das Microsoft-Betriebssystem "Windows Phone" setzte, mit katastrophalen Folgen für den Absatz.

Neben heftigen Diskussionen über die Sinnhaftigkeit der komplett auf Microsoft fokussierten Nokia-Strategie unter Elop sorgte vor allem der Abgang des Managers für Aufregung: Sein Nokia-Engagement endete nämlich mit dem günstigen Verkauf an Microsoft, einen satten Bonus inklusive. Für den Manager folgte anschließend ein hochdotierter Posten als Vizepräsident der Devices-Sparte bei Microsoft. Das technologische Nokia-Erbe entwickelt sich seitdem unter der Marke "Microsoft Mobile" weiter.

Eine Übernahme in mehreren Akten?

Auch wenn diese "freundliche Übernahme" nicht hundertprozentig mit der aktuellen Situation bei Lufthansa und Air Berlin übereinstimmt, so zeigt sich doch eines: Die Mutmaßungen, dass es sich bei der Personalie Winkelmann als neuem Air-Berlin-Chef nur um den ersten Akt in einem Übernahme-Szenario handelt, sind nicht von der Hand zu weisen.

Winkelmann gilt als enger Vertrauter von Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Nach zehn Jahren an der Spitze des Lufthansa-Billigfliegers Germanwings ging es für den Manager nach der strategischen Neuausrichtung der Lufthansa-Billigsparte auf Eurowings zunächst nach München, wo er aktuell das Lufthansa-Drehkreuz koordiniert. Angeblich war Winkelmann zuvor allerdings bereits als Chef der Lufthansa-Tochter Austrian im Gespräch. Nun wird es der Chefsessel einer anderen, vielleicht zukünftigen Airline-Tochter des Konzerns.

Bis es aber so weit kommt, gibt es noch viele offene Punkte. Das fängt mit kartellrechtlichen Bedenken an, geht über die Frage der Aufteilung des immensen Air-Berlin-Schuldenbergs weiter und gipfelt in den zahlreichen politischen und strategischen Auswirkungen, die eine weitere Annäherung der Lufthansa an den arabischen Air-berlin-Großaktionär Etihad Airways haben könnte.

Von: dh
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