Air Berlin hebt schon bald für Eurowings ab

29.09.2016 - 17:36 0 Kommentare

Air Berlin hat mit Lufthansa eine Absichtserklärung über eine umfassende Wet-Lease-Kooperation unterzeichnet. Während die Eurowings damit wächst, stehen bei Air Berlin die Zeichen auf Kürzung und Umstrukturierung.

Flugzeuge von Air Berlin und Eurowings auf dem Flughafen Düsseldorf. - © © AirTeamImages.com - Rudi Boigelot/Alun Morris Jones, Kollage: a.de

Flugzeuge von Air Berlin und Eurowings auf dem Flughafen Düsseldorf. © AirTeamImages.com /Rudi Boigelot/Alun Morris Jones, Kollage: a.de

Die Lufthansa Group hat eine Absichtserklärung zur Übernahme von insgesamt bis zu 40 Flugzeugen der Air-Berlin-Gruppe unterzeichnet. Das teilten beide Fluggesellschaften jetzt mit. Die Vereinbarung soll sechs Jahre laufen und mit dem Sommerflugplan Ende März 2017 beginnen.

Im Detail mietet Lufthansa von Air Berlin 29 Airbus-Maschinen vom Typ A320 sowie elf A319. Die Flugzeuge sollen ihre Heimatbasis an verschiedenen deutschen Flughäfen sowie in Wien und Palma de Mallorca haben. Für Eurowings sollen 35 Maschinen fliegen. Die restlichen fünf Flugzeuge sollen bei Austrian Airlines eingesetzt werden.

Die ACMIO-Leasing-Vereinbarung umfasst den Angaben nach Cockpit- und Kabinenpersonal, technische Wartung, Versicherung und die Overheadkosten. Kosten wie Treibstoff, Flughafengebühren oder Abfertigungsentgelte trägt dabei die Lufthansa, die auch das Streckennetz bestimmt und die Tickets verkauft.

Unklar bleibt, welche kartellrechtlichen Auswirkungen eine Zusammenarbeit haben wird. Die Vorvereinbarung mit Air Berlin ist vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen geschlossen und wird in den kommenden Wochen im Detail verhandelt und dann finalisiert.

Air Berlin streicht 1200 Stellen

Zeitgleich mit der Lufthansa-Kooperation kündigte Air Berlin auch ein Umstrukturierungsprogramm an. "Durch den stetig zunehmenden Marktdruck sehen wir uns gezwungen, unser bestehendes komplexes Geschäftsmodell zu ändern", sagte Air-Berlin-Chef Stefan Pichler. Es gehe darum, "Air Berlin eine Zukunft zu eröffnen".

Man wolle sich als "fokussierter Netzwerk-Carrier mit einem klaren Profil" zukünftig auf das Kerngeschäft aus den Langstrecken-Drehkreuzen Berlin und Düsseldorf konzentrieren. Die Verwaltung soll in Berlin gebündelt werden. Gleichzeitig müssten bis Februar bis zu 1200 Stellen gestrichen werden, so Air Berlin.

Deutschlands bislang noch zweitgrößte Airline schreibt seit Jahren rote Zahlen. Seit dem Börsengang 2006 hatte Air Berlin nur ein einziges Mal Gewinne eingeflogen und allein in den vergangenen drei Jahren Verluste von insgesamt knapp 1,2 Milliarden Euro angehäuft. Mehrere Sanierungsrunden konnten die Verluste nicht eindämmen.

Die Flotte der Air-Berlin-Group besteht derzeit noch aus 134 Jets. Zukünftig sollen in dem von Pichler "neue Air Berlin" genannten Geschäftsreisesegment nur noch 75 Flugzeuge unterwegs sein. Den Angaben nach verbleiben neben 40 Maschinen der A320-Familie auch 18 Q400-Regionalflugzeuge sowie 17 Airbus-A330-Langstreckenjets in der Teilflotte.

© dpa, Maja Hitij Lesen Sie auch: So will Air Berlin aus den roten Zahlen fliegen

35 weitere Flugzeuge werden dagegen zusammen mit dem touristischen Geschäft in einer separaten Geschäftseinheit zusammengefasst. Man verfolge damit das Ziel, "strategische Optionen zu prüfen". Das betrifft unter anderem alle 14 Boeing 737, die Air Berlin im Rahmen eines angeblich unvorteilhaften Leasingvertrags von der Tuifly langfristig angemietet hat.

Eurowings soll drittgrößter Low-Cost-Player in Europa werden

Bei der Übernahme der Air-Berlin-Kapazitäten sind für Lufthansa wohl vor allem die Slots wichtig. Auch wenn die Lufthansa das dementiert: Mit der schnellen Konsolidierung auf die Eurowings hat Lufthansa gute Chance, möglichst viele Zeitfenster für Starts und Landungen an den größeren Air-Berlin-Standorten für sich zu reservieren. Die in Stoßzeiten knappen Slots gehen so nicht an stark expandierende Konkurrenten wie Ryanair, Easyjet oder Transavia.

© dpa, Oliver Berg Lesen Sie auch: So will Eurowings jetzt weiter wachsen

Lufthansa will Eurowings schnell zur Nummer drei der Billigflieger in Europa hinter Ryanair und Easyjet ausbauen. Dabei setzt das Unternehmen auf Eurowings als Marketing-Plattform, an der andere Fluggesellschaften auf verschiedene Weise andocken können. Wet-Lease-Konstruktionen sind dabei genauso angedacht wie Zukäufe.

Von: dh, mit Material von dpa/AFP
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