Lufthansa verlegt fünf A380 von Frankfurt nach München

13.06.2017 - 16:30 0 Kommentare

Flottenverschiebung bei Lufthansa: Fünf Maschinen des Typs A380 kommen von Frankfurt nach München. Die Kranich-Airline bestreitet einen direkten Zusammenhang mit dem Gebührenstreit und Fraport.

Airbus A380 der Lufthansa.

Airbus A380 der Lufthansa.
© Lufthansa

Eine A380 der Lufthansa am Flughafen Frankfurt. Der Airport ist die Heimatbasis der Kranich-Airline.

Eine A380 der Lufthansa am Flughafen Frankfurt. Der Airport ist die Heimatbasis der Kranich-Airline.
© AirTeamImages.com - Felix Gottwald

Die Lufthansa verlegt fünf ihrer größten Flugzeuge von Frankfurt nach München. Die Maschinen vom Typ Airbus A380 sollen ab Ende März 2018 aus der bayerischen Landeshauptstadt nach Los Angeles, Hongkong und Peking starten, wie das Unternehmen nun mitteilte. Der Konzern setzt damit seine Ankündigung um, internationale Umsteigeverkehre von Frankfurt auf seine anderen Drehkreuze München, Wien und Zürich umzuleiten.

Der Gebührenstreit mit dem Frankfurter Flughafenbetreiber Frankfurt hat laut Airline-Angaben damit nichts zu tun. "Es gibt keinen direkten Zusammenhang", sagte ein Konzernsprecher, fügte aber hinzu:

Natürlich wird Wachstum da stattfinden, wo die Voraussetzungen am besten sind, und die Kosten sind ein Faktor.

Durch die Verlegung der A380-Maschinen sollen in München 500 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Aktuell beschäftigt die Lufthansa dort bereits 11.000 Mitarbeiter. Die übrigen neun A380 will Lufthansa weiterhin in Frankfurt betreiben. Ein Stellenabbau am hessischen Standort sei nicht geplant, hieß es.

Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister sagte zu den neuen Plänen: "In den vergangenen Jahren haben wir große Fortschritte in der Steuerung unserer Drehkreuze gemacht. Wir haben Prozesse harmonisiert und integriert. Das bedeutet, dass wir jetzt auch unsere Flugzeuge viel flexibler an unseren Standorten einsetzen können."

Tausch mit A340-600

"Die Kosten in Frankfurt lägen mitunter 20 Prozent über denen der anderen Konzern-Drehkreuze Wien, Zürich und München", hatte Hohmeister erst kürzlich erklärt. "Bei den aktuellen Ticketpreisen ist das relevant. Logischerweise müssen wir daher von teuren Hubs die Verkehre wegsteuern."

Die A380-Maschinen ersetzen kleinere Flugzeuge des Typs Airbus A340-600. Die Kapazität des in München angebotenen Fernverkehrs steige damit um 17 Prozent, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Die A340-Maschinen wiederum werden nach Frankfurt verlegt.

München freut sich, Fraport nicht

Münchens Flughafenchef Michael Kerkloh bezeichnete den Schritt als "zukunftsweichende Weichenstellung". Man ernte nun die Früchte einer erfolgreichen Partnerschaft, "die sich tagtäglich im gemeinsamen Betrieb des Terminals 2 und des neuen Satellitengebäudes bewährt", sagte er laut einer Mitteilung.

"Wir bedauern die Entscheidung der Lufthansa und halten sie für falsch", sagte ein Sprecher des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport. Die künftig eingesetzten A340 seien älter, kleiner und in Summe lauter als die A380. Es sei schon seit mehreren Jahren zu beobachten, dass Lufthansa Fernverbindungen auf ihre anderen Drehkreuze verlagere.

Verteilung der angebotenen Lufthansa-Sitzplatzkapazitäten an deutschen Flughäfen
Angaben in Prozent
Frankfurt 54
München 32
Berlin-Tegel 3
Hamburg 3
restliche Airports 8

Angebotene Sitzplatzkapazitäten der Lufthansa bei Flügen ab deutschen Airports. Angaben gerundet. Quelle: CH Aviation, Stand: 13. Juni 2017

Hier gehe es ausschließlich um Interkontinentalflüge, die mit den jüngsten Auseinandersetzungen um Gebührenrabatte für neue Anbieter nichts zu tun hätten. Die Entscheidung belege aber auch, dass sich Fraport für andere Anbieter öffnen müsse, so der Sprecher.

Lufthansa betreibt mit Frankfurt und München in Deutschland gleich zwei deutsche Drehkreuze. Bei der Stationierung der neuen Langstreckenmaschinen des Typs A350 entschied sich die Airline für den bayerischen Standort. Derzeit ist geplant, 15 Maschinen dieses Modells von München aus operieren zu lassen.

Übergangsweise kommen Crews aus Frankfurt

Lufthansa will möglichst schnell in München Flugbegleiter und Piloten stationieren, die auf der A380 als größtem Passagierflugzeug der Welt zugelassen sind. In einer Übergangszeit würden Crews aus Frankfurt eingesetzt, erklärte ein Sprecher. Bis auf weiteres müssten die A380 zudem am Main gewartet werden, weil in München dazu die Infrastruktur fehlt.

© Lufthansa Group, Lesen Sie auch: Die neuen Realitäten im deutschen Luftverkehr Apropos (16)

Wie Lufthansa weiter ankündigte, soll im kommenden Sommer die Strecke München-Singapur wieder angeboten werden. Außerdem soll es zusätzliche Frequenzen zwischen dem bayerischen Flughafen und Chicago geben. In Frankfurt steht ab dem kommenden Frühjahr das kalifornische San Diego neu im Lufthansa-Flugplan.

Im hessischen Landtag griff die oppositionelle SPD die schwarz-grüne Regierung an, die für den "massiven Arbeitsplatzabbau" in Frankfurt verantwortlich sei. Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir habe eine Gebührenordnung genehmigt, die Ryanair hohe Rabatte einräumt und von Lufthansa wegen der Wettbewerbsverzerrung nur als Provokation verstanden werden konnte.

Von: ch, AFP, dpa-AFX
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