Analyse

Das steht in der Lufthansa-Bilanz

15.03.2018 - 16:58 0 Kommentare

Lufthansa hat im vergangenen Jahr ein Drittel mehr verdient. Doch bei dem neuen Geschäftsbericht lohnt sich ein Blick "vor den Strich", denn eine aussagekräftige Prognose für kommende Bilanzen lässt sich nur ohne Sondereffekte machen.

Mitarbeiter vor einer neu lackierten Lufthansa-Maschine. - © © dpa - Axel Heimken

Mitarbeiter vor einer neu lackierten Lufthansa-Maschine. © dpa /Axel Heimken

Es war das "erfolgreichste Jahr in der Geschichte der Lufthansa Group", heißt es in der Bilanz. Und die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: ein Umsatzplus von 12,4 Prozent auf rund 35,6 Milliarden Euro, und auch unterm Strich bleibt mit 33,1 Prozent und knapp 2,4 Milliarden Euro mehr übrig als noch 2016.

Nachdem Lufthansa große Teile der Air Berlin übernehmen konnte und eine Einigung über die kostspieligen Betriebsrenten der Piloten erzielte, ist aber das um die dadurch entstandenen Sondereffekte bereinigte Ebit deutlich aussagekräftiger. Das adjusted Ebit stieg sogar um 69,7 Prozent auf rund 3,0 Milliarden Euro.

Das Eigenkapital erhöhte sich um gut ein Drittel auf 9,6 Milliarden Euro, was wiederum einen Anstieg der Eigenkapitalquote um fast sechs Punkte auf 26,5 Prozent bedeutet. Damit liegt der Gradmesser der finanziellen Unabhängigkeit über dem intern anvisierten Zielwert von 25 Prozent.

Eigenkapitalquote
Angaben in Prozent
2013 21.0
2014 13.2
2015 18.0
2016 20.6
2017 26.5

Quelle: Lufthansa

Daneben weist der Kranich-Konzern auch die absolute Wertschaffung über den Gewinn nach Kapitalkosten (den sogenannten EACC, Earnings After Cost of Capital) aus. Dieser lag 2017 bei deutlich verbesserten 1,6 Milliarden Euro - plus 48,9 Prozent. Ein positives EACC bedeutet, dass das Unternehmen in einem Geschäftsjahr Wert geschaffen hat.

EACC
Angaben in Millionen Euro
2013 -338
2014 -223
2015 323
2016 817
2017 1758

Quelle: Lufthansa

Doch die Zahlen überraschen nicht. Schon bei den Neunmonatszahlen zeichnete sich ab, dass der Kranich-Konzern auf Rekordkurs steuert. Der Gewinn nach drei Quartalen hatte den Gesamtgewinn des Vorjahres bereits überholt. Auch der um ein Drittel erhöhte Nettogewinn von rund 2,4 Milliarden Euro verwundert angesichts eines Sondereffekts von 582 Millionen Euro aufgrund der Tarifeinigung mit den Piloten kaum.

Durch die im vergangenen Dezember endgültig besiegelte Vereinbarung sollen mehr als 700 Nachwuchspiloten eingestellt und mindestens 600 Kapitänsstellen besetzt werdem. Bereits in der aktuellen Bilanz reduzieren sich die Pensionsrückstellungen dadurch um fast 39 Prozent auf rund 5,1 Milliarden Euro.

Die komplette 232-seitige Bilanz inklusive des Jahresabschlusses und der Vorstandspräsentation finden Sie hier.

Die Pleite der Air Berlin im Sommer 2017 und der Umstand, dass Lufthansa nach Einstellung des selbstvermarkteten Flugbetriebs der Konkurrentin im Spätherbst faktisch der einzige nennenswerte Anbieter von innerdeutschen Flügen war, trieb die Zahlen des vierten Quartals noch einmal an: So sind letztlich die währungsbereinigten Stück-Erlöse der Passagier-Airlines im Schlussquartal stärker gestiegen als die um Währungseffekte und Treibstoffkosten bereinigten Stückkosten.

Der Cashflow lag aufgrund der Tatsache, dass man bereits im September für rund 1,5 Milliarden Euro mehrere von Air Berlin bereederte Maschinen gekauft hatte, unter dem Vorjahreswert.

Ursprünglich wollte sich Lufthansa über 60 Maschinen der insolventen Konkurrentin einverleiben. Nach jüngsten Aussagen von Eurowings waren es letztlich 33 Airbus-Flugzeuge plus die Dash-Flugzeuge der LGW. Die Maschinen, die Niki zuletzt betrieben hatte, muss Lufthansa aufgrund einer EU-Auflage an den neuen Käufer Niki Lauda abgeben.

Eurowings

Bei einem selbstgesteckten Ziel, der Profitabilität der Billigtochter Eurowings, kam die Lufthansa-Group deutlich voran. So wird die “Eurowings-Gruppe” (inklusive Brussels und Eurowings) im Sommer zwar noch nicht die anvisierten 210 Maschinen betreiben, sondern lediglich 190. Doch die Lufthansa-Billigtochter ist bereits jetzt in den schwarzen Zahlen.

Eurowings
Adjusted Ebit in Millionen Euro
2015 38
2016 -91
2017 94

Angabe 2017 für Eurowings, Brussels und Sun Express zusammen. Quelle: Lufthansa

Lufthansa Cargo

Nach einem verlustreichen Jahr 2016 ist die Logistiktochter Lufthansa Cargo 2017 wieder in die Gewinnzone gerutscht. Das adjusted Ebit der Sparte stieg aus dem negativen Bereich auf 242 Millionen Euro. Das Geschäftsfeld profitierte dabei von verbesserten Vertriebsstrukturen und einer "effizienteren Gestaltung wichtiger Prozesse".

Lufthansa Cargo
Adjusted Ebit in Millionen Euro
2013 88
2014 12
2015 74
2016 -50
2017 242

Quelle: Lufthansa

Das Restrukturierungsprogramm "C40" ist zudem schon in diesem Jahr abgeschlossen. Dabei wurden 800 von rund 4600 Stellen bei Lufthansa Cargo gestrichen, die Kosten sollten um 80 Millionen Euro gedrückt werden.

© Lufthansa Cargo, Lesen Sie auch: Lufthansa Cargo will 500 Stellen in Deutschland abbauen

Stückkosten

Trotz der glänzenden Bilanz kann man nicht leugnen, dass der Lufthansa-Konzern eines seiner Ziele nicht erreicht hat: Die "Stückkosten" (CASK) - inklusive Treibstoffkosten - sind zwar um 0,4 Prozent gesunken. Allerdings verfehlt Lufthansa damit das selbstgesteckte Ziel von "1 bis 2 Prozent jährlich".

Stückerlöse versus -kosten
Stückerlöse: RASK in Cent Stückkosten: CASK in Cent
2013 8.3 6.6
2014 8.1 6.3
2015 8.3 6.5
2016 8.6 8.0
2017 8.7 7.9

Angaben sind währungsbereinigt. Quelle: Lufthansa

Der eigentliche Wert liege jedoch bei -1,8 Prozent, heißt es von Group-Finanzchef Ulrik Svensson: 0,6 Punkte gingen durch Rückstellungen für höhere variable Vergütung aufgrund des starken Finanzergebnisses zurück, 0,5 Punkte wegen passagierbezogener Kosten durch einen höheren Sitzladefaktor und noch einmal 0,3 Punkte gehen auf das Konto des Ausfalls der Air-Berlin-Wet-Leases.

So hat der Kauf von 15 Maschinen, die dann an Air Berlin vermietet wurden, und letztlich seit Jahresbeginn für Eurowings beziehungsweise Austrian Airlines flogen, die Kosten gesenkt. In Branchen-Kreisen hält sich hartnäckig das Gerücht, dass das Mietmodell vor allem eine finanzielle Belastung für die ohnehin schon taumelnde Air Berlin gewesen ist.

Verhaltener Ausblick

Bei einer Prognose für das laufende Geschäftsjahr ist das Lufthansa-Management zurückhaltend. Konkrete Zahlen sind in der Bilanz nicht zu finden. Aufgrund von mehr als 700 Millionen Euro Treibstoffkosten erwartet die Konzern-Spitze ein adjusted Ebit "leicht unter Vorjahr".

Auch Analyst Stefan Schöppner von der Commerzbank ist vorsichtig: "Wir wissen nicht, wie die Ölpreise sich entwickeln und es wird eine ständige Aufgabe bleiben, die Kosten immer im Blick zu behalten." Denn als klassische Airline habe man schon qua Definition eine "ungünstigere" Kostenstruktur als neue Low-Cost-Anbieter.

Auch die Erneuerung der Flotte treibt der Konzern weiter voran. So wird sie in diesem Jahr allein bis zu 30 neue Flugzeuge aufnehmen. Auch sollen im Zuge der Air-Berlin-Übernahme weitere zwölf Flugzeuge übernommen werden. Aktuell sind rund 500 Maschinen in der Konzernflotte, 183 sind bestellt.

Grafik: Lufthansa

Von: Carlo Sporkmann
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