Luftfrachtbranche warnt vor hausgemachtem Innovationsstau

16.03.2016 - 17:00 0 Kommentare

Der Aircargo Club Deutschland schlägt Alarm: Von Einzelinteressen getriebene Akteure behindern nach Ansicht des Verbandes die Wettbewerbsfähigkeit der klassischen Luftfrachtbranche. Jetzt soll ein Dialogforum retten, was zu retten ist.

Luftfracht wird in eine Boeing 747 verladen. - © © AirTeamImages.com -

Luftfracht wird in eine Boeing 747 verladen. © AirTeamImages.com

Der Aircargo Club Deutschland (ACD) ist sich sicher: Die Luftfrachtbranche in Deutschland muss sich grundlegend verändern, wenn sie im harten Wettbewerb bestehen will. "Deutschland verliert zusehends den internationalen Anschluss im Luftfrachtgeschäft", erklärte ACD-Präsident Winfried Hartmann jetzt am Rande des Iata World Cargo Symposiums in Berlin.

Als Grundproblem hat der ACD die stark von Einzelinteressen geprägten Abläufe entlang der Luftfracht-Lieferkette ausgemacht. Die Digitalisierung der Prozesse mache die Supply Chain in Industrie und Handel schneller, aber auch um einiges komplexer, mahnt der ACD nun seine Mitglieder.

"Der Prozess vom Absender bis zum Empfänger ist hierzulande extrem fragmentiert und nicht nur aus Kundensicht chaotisch", sagte Hartmann vor Journalisten. Ein Beispiel von vielen sei auch die zögerliche Haltung der Branche beim Thema papierlose Lieferkette ("e-Freight"). Komplexe vertragliche Beziehungen und ein Misstrauen der Akteure untereinander seien ebenfalls ein Problem.

© ACD

Transparenz und Digitalisierung sind die Schlüssel für die Kunden, um auch zukünftig auf klassische Luftfracht zu setzen.

ACD-Präsident Winfried Hartmann

Zwar optimiere jeder Akteur seine eigenen Prozesse, denke dabei aber nicht an die gesamte Lieferkette. Logistiker müssten ihre Geschäftsmodelle und Services schnell aufeinander abstimmen und sich den Kundenbedürfnissen anpassen, um nicht entgültig abgehängt zu werden.

Die durchschnittliche Laufzeit von Luftfrachtsendungen aus Deutschland liege derzeit bei rund sechs Tagen. Das sei genauso langsam wie schon vor 40 Jahren, statuierte Hartmann und fasste das Szenario aus Kundensicht zusammen: "90 Prozent der Zeit wartet die Fracht in irgendwelchen Hallen und wird dabei von einem Dienstleister zum anderen geschoben."

Als direkte Folge würden Integratoren wie DHL, UPS und Fedex - die die gesamte Lieferkette in Eigenregie optimieren - mit "Next Day Delivery"-Angeboten auch in Deutschland immer stärker, ist sich Hartmann sicher. Traditionelle Luftfracht würde derweil verstärkt über das benachbarte Ausland abgewickelt, wo die Prozesse schon vielfach besser vernetzt seien.

Neues Dialogforum initiiert

Ein vom Verband initiiertes bundesweites Dialogforum mit dem Namen "The Future of Aircargo Supply Chains" soll nun sämtliche Akteure entlang der gesamten Lieferkette an einen Tisch bringen. Vom Versender über Spediteure, Frachtabfertiger, Fluggesellschaften und Airports bis hin zur Zollbehörde müssten zusammenarbeiten um die internationale Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen.

Dass gemeinsame Ansätze in einer fragmentierten Branche nicht einfach sind, weiß der ACD allerdings aus Erfahrung. So gibt es seit rund vier Jahren in Frankfurt ein gemeinsames digitales Informationssystem. Wirklich etabliert hat es sich aber bislang nicht: Nur knapp 20 Prozent des Air-Cargo-Volumens am größten deutschen Luftfrachtstandort werden über das System gehandhabt.

Von: dh
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