Luftfracht-Kartell: Auch Cargo-Kunden der Bahn klagen gegen Airlines

17.03.2015 - 08:21 0 Kommentare

Einige Airlines müssen sich aufgrund von Preisabsprachen auf weitere Klagen einstellen. Die Deutsche Bahn hat bereits von 17 Fluggesellschaften - darunter auch die Lufthansa - eine Summe in Milliardenhöhe gefordert. Jetzt kommen weitere Kläger dazu.

Am Flughafen Frankfurt wird Fracht verladen. - © © Fraport -

Am Flughafen Frankfurt wird Fracht verladen. © Fraport

Der Betrag klingt ungeheuerlich: Auf bis zu fünf Milliarden Euro schätzt die Vereinigung European Shippers Council (ESC) die Schadenssumme, die sie gerichtlich von Airlines einzuklagen gedenkt. Das berichtet "Cargo Forwarder Global". Der Online-Dienst beruft sich auf Aussagen des für Luftfracht bei dem Verband zuständigen Managers Joost van Doesburg, der eine Klagewelle gegen Frachtfluglinien angekündigt hat.

Er bezieht sich dabei auf jahrelange, wettbewerbswidrige Preisabsprachen bei den Zuschlägen für Kerosin zwischen 1999 und 2006, wegen derer eine Vielzahl von Frachtfluglinien bereits rechtskräftig von Gerichten in den USA, Japan, Australien und in weiteren Ländern verurteilt worden ist. Aus dem gleichen Anlass hatte die EU-Kommission Bußgelder in Höhe von 800 Millionen Euro verhängt. Die Deutsche Lufthansa hatte die Verstöße gemeldet und wurde deswegen nicht belangt. All diese Strafgelder sind den jeweiligen Staatskassen zugeflossen, nicht aber den eigentlich finanziell Geschädigten - den Auftraggebern der Luftfrachttransporte, also den Versendern.

Geforderte Summe erhöht sich auf 6,5 Milliarden Euro

Laut Doesburg sind derzeit diverse Anwaltskanzleien in den USA und einigen europäischen Ländern mit der Materie befasst, um Klagen vorzubereiten. Mit diesen sei für den Erfolgsfall ein Honorar in Höhe von 27,5 Prozent der kalkulierten Schadenssumme abgesprochen worden. Dadurch erhöht sich die Gesamtforderung von Industrie und Anwälten an die Frachtfluggesellschaften auf über 6,5 Milliarden Euro, rechnet van Doesburg vor. Sollten die Klagen allerdings vor Gericht scheitern, hätten die Rechtsanwälte das Nachsehen, da sie bei einer endgültigen Gerichtsentscheidung zugunsten der Beklagten das alleinige finanzielle Risiko tragen.

Namen von Airlines, die im Visier des European Shippers Council und deren Kanzleien stehen, nannte der Manager nicht. Er deutete aber an, dass sich vor allem in Europa beheimatete Versender sowie einige US-Industriefirmen an der Klage beteiligen würden, etwa Pharmaunternehmen und Firmen aus der IT-Branche. Er ließ offen, ob deutsche ESC-Mitglieder wie etwa BASF, Siemens oder Continental zu den Klägern gehören.

© Deutsche Bahn AG, Volker Emersleben Lesen Sie auch: Bahn zieht in den USA Klagen gegen Airlines zurück

Zugleich kündigte van Doesburg an, dass seine Vereinigung in einem nächsten Schritt auch Spediteure belangen werde. Diesen seien als Ergebnis diverser Gerichtsprozesse erhebliche Kompensationszahlungen anerkannt worden. "Von diesem Geld haben wir bis heute nicht einen Cent gesehen, dabei sind wir als Auftraggeber der Transporte doch die eigentlich Geschädigten", merkte er an. Insofern verstehe er auch nicht die von der Bahn-Tochter Schenker angekündigten Klagen gegen Frachtfluglinien in den USA und Deutschland und die dabei von Schenker vorgerechneten hohen Kompensationsforderungen. "Die Preisabsprachen bei den Zuschlägen haben doch nicht die Spediteure geschädigt, sondern einzig und allein deren Auftraggeber, die versendende Industrie", so von Doesburg.

Von: Heiner Siegmund für airliners.de
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