Luftfahrtexpertin: Hälfte der Regionalflughäfen könnte verschwinden

20.02.2014 - 11:13 0 Kommentare

So mancher Regionalflughäfen kämpft mit rückläufigen Fracht- und Passagierzahlen, viele Airports sind angewiesen auf staatliche Beihilfen. Die will Brüssel nun kappen. Eine Luftfahrtexpertin aus Frankfurt sieht die Zukunft der kleinen Flughäfen düster.

Luftfahrtexpertin Yvonne Ziegler - © © privat/dpa  -

Luftfahrtexpertin Yvonne Ziegler © privat/dpa

Angesichts der neuen Flughafen-Leitlinien der EU rechnet die Luftfahrtexpertin Yvonne Ziegler mit dem Aus für etliche deutsche Regionalflughäfen. Die Hälfte könnte verschwinden, sagte sie in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. Zuletzt seien Regionalflughäfen wie Pilze aus dem Boden geschossen, sagte Ziegler, Professorin für Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Frankfurt und spezialisiert auf Luftverkehrsmanagement.

Wie geht es den Regionalflughäfen, was kommt da auf sie zu?
Ziegler: Es wird im Hinblick auf die neuen EU-Richtlinien schwierig. Entscheidend ist, welches Catchment regionale Airports haben, also eine Einwohnerbasis, aus der sie eine ausreichende Zahl an Fluggästen und Flügen generieren können. Da ist ein Flughafen Weeze, der sehr nah am Ruhrgebiet ist, besser positioniert als der Flughafen Hahn, der weitab im Hunsrück liegt.

Wovon wird es abhängen, wer am Ende erfolgreich ist?
Ziegler: Entscheidend ist auch die Strategie und der dazugehörige Businessplan. Können sie sich erfolgreich auf ein Marktsegment spezialisieren? Einige haben das schon gemacht, indem sie sich auf Low-Cost-Carrier spezialisiert haben - zum Beispiel Weeze und Hahn. Die Voraussetzung ist allerdings, dass zukünftige Vertragsbedingungen auskömmlicher sein müssen. In der Vergangenheit war immer im Bewusstsein, dass die öffentliche Hand Verluste schon ausgleichen wird. Das wird mittelfristig so nicht mehr möglich sein.

Wie viele regionale Airports hängen am Tropf des Staates?
Ziegler: Es gibt 30 Flughäfen in Deutschland mit weniger als fünf Millionen Passagieren im Jahr. Davon ist es geschätzt weit über die Hälfte. Es gibt aber auch große Flughäfen, die Verluste machen - Berlin zum Beispiel. Es sind nicht nur die kleinen regionalen Flughäfen, für die die EU-Richtlinien eine Herausforderung werden.

Kommt es nun zum großen Flughafen-Sterben?
Ziegler: Ich könnte mir vorstellen, dass die Hälfte der Regionalflughäfen in Deutschland wieder verschwinden wird.

Ist das ein speziell deutsches Problem?
Ziegler: Nein. In ganz Europa wurden neue Flughäfen aus dem Boden gestampft. Ein Beispiel ist Valencia, wo Wahnsinnsinvestitionen in einen Flughafen gingen - und der auch in keinster Weise ausgelastet ist. Europaweit werden Flughäfen wieder verschwinden. Man muss auch beachten, dass sich die Zahl der kommerziell genutzten Flughäfen in Europa in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt hat. Gerade durch das Thema Low Cost sind kleine kommerzielle Flughäfen, die vorher zum Teil militärisch genutzt worden waren, wie Pilze aus dem Boden geschossen. Es ist an der Zeit, dass eine Konsolidierung eintritt.

Zur Person:
Yvonne Ziegler ist seit 2006 an der Fachhochschule Frankfurt Professorin für Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Internationales Luftverkehrsmanagement. Dort war sie zudem von 2010 bis 2013 Dekanin des Großfachbereichs Wirtschaft und Recht. Zuvor arbeitete sie 15 Jahre für den Lufthansa-Konzern in verschiedenen Führungspositionen im In- und Ausland.

Von: dpa
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