IATA fordert Rücknahme der geplanten Luftverkehrssteuer

Luftfahrtbranche gegen neue Abgabe

08.06.2010 - 15:27 0 Kommentare

Die Pläne der Bundesregierung zur Einführung einer Ökosteuer für die Luftfahrt werden von der Branche scharf kritisiert. Es sei die falsche Maßnahme zur falschen Zeit, sagte IATA-Chef Bisignani in Berlin.

IATA-Generaldirektor Giovanni Bisignani - © © IATA -

IATA-Generaldirektor Giovanni Bisignani © IATA

Die von der Bundesregierung geplante Öko-Abgabe auf Flugtickets löst bei Verbrauchern und in der Wirtschaft weiter Abwehrreaktionen aus. Verbraucherschützer fordern, die Mehrkosten nicht auf die Fluggäste umzulegen. Der Weltluftfahrtverband IATA kritisiert die Abgabe als "kurzsichtige und unverantwortliche Politik übelster Art".

Mit der Luftverkehrsabgabe will die Bundesregierung ab 2011 pro Jahr eine Milliarde Euro einnehmen, die dem Schuldenabbau dienen sollen. Der deutsche Flughafenverband ADV schätzt, dass bei Abflügen in Deutschland für jedes Ticket eine Abgabe von etwa 14 Euro fällig wird. Nach Ansicht von Verbraucherschützern dürfen diese Kosten nicht an die Kunden weitergereicht werden. Die Bundesregierung habe die Abgabe in ihrem Gesamtpaket den Belastungen der Wirtschaft zugeordnet. "Sie kann nicht am Ende auf Verbraucher und Fluggäste verlagert werden, ansonsten wäre es keine Belastung der Wirtschaft", sagte ein Sprecher des Verbraucherzentrale-Bundesverbands in Berlin.

Luftfahrtexperten können sich allerdings kaum vorstellen, dass die Fluggesellschaften die Abgabe aus eigener Tasche bezahlen. "Angesichts der angespannten Ertragslage müssen die Fluggesellschaften die Kosten weitergeben - mindestens einen Teil, wenn nicht sogar komplett", sagte die Branchenanalystin der Nord/LB, Martina Noß.

Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber sieht durch die angekündigte Steuer die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Fluggesellschaften gefährdet. Eine Milliarde Euro an Steueraufkommen entspreche den gesamten Einnahmen der Branche in Deutschland in einem Jahr. «Wir brauchen kein Konjunkturprogramm, aber vor allem keine zusätzlichen Belastungen», betonte Mayrhuber.

IATA fordert Rücknahme der geplanten Luftverkehrssteuer

IATA-Chef Giovanni Bisignani forderte die Regierung auf, die Abgabe nicht einzuführen. "Es ist die falsche Maßnahme zur falschen Zeit." Die Fluggesellschaften seien wichtig für das Wirtschaftswachstum. Zudem dürften Europas Fluggesellschaften in diesem Jahr bereits ohne die Abgabe einen Verlust von 2,8 Milliarden US-Dollar einfliegen. Einen Nutzen für den Klimaschutz wird es nach Darstellung Bisignanis bei einer regional begrenzten Abgabe nicht geben. Vielmehr solle sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Vorfeld des Klimatreffens in Cancun für eine weltweit einheitliche Lösung einsetzen. Bisignani verwies zudem auf negative Erfahrungen in den Niederlanden. Dort habe die Regierung mit einer ähnlichen Abgabe versucht, 300 Millionen Euro einzunehmen. Später sei die Steuer wieder zurückgenommen worden, da sie der Wirtschaft des Landes Einnahmeausfälle in Höhe von 1,2 Milliarden Euro einbrachte, sagte der IATA-Chef.

Von: airliners.de mit dpa-AFX, ddp
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • Iata-Chef Alexandre de Juniac. Iata kritisiert EU-Fluggastrechte

    Die Iata rügt die EU für Entschädigungsregelungen bei Flugverspätungen: Niemand solle die Fehler der EU kopieren. Gleichzeitig korrigiert der Verband die Prognosen für 2017.

    Vom 05.12.2017
  • Schild des Bundeskartellamts in Bonn: Kommt eine zweite Prüfung für die Lufthansa? Bundeskartellamt nimmt Lufthansa ins Visier

    Während die Lufthansa noch auf die Genehmigung der EU-Kommission zur Übernahme der Air-Berlin-Töchter LGW und Niki wartet, schlägt ihr in Deutschland Unmut über die gestiegenen Flugpreise entgegen. Ihr Chef gelobt Besserung. In der Rhetorik des Bundeskartellamt ist nun aber eine neue Schärfe zu erkennen.

    Vom 24.11.2017
  • Lufthansa-Vorstand Carsten Spohr Lufthansa rechtfertigt sich für hohe Preise

    Lufthansa-Chef Carsten Spohr rechtfertigt sich für hohe Preise im innerdeutschen Luftverkehr und will nach der Genehmigung der Air-Berlin-Teilübernahme täglich 30 neue Flüge aufsetzen. Wirkliche Entlastung kommt wohl erst mit Easyjet.

    Vom 13.11.2017

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus