Die Born-Ansage (41) ( Gastautor werden )

"Epochaler Umbruch"? Das wäre auch eine Nummer kleiner gegangen

15.09.2016 - 10:38 0 Kommentare

"Ich sehe die Luftfahrtbranche vor einem epochalen Bruch", sagt Eurowings-Chef Karl Ulrich Garnadt. Dieser markante Satz weckt bei Kolumnist Karl Born Erinnerungen - und zwar an Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Da hat Eurowings-Chef Karl Ulrich Garnadt auf dem diesjährigen fvw-Touristikkongress einen rausgehauen: "Ich sehe die Luftfahrtbranche vor einem epochalen Bruch." Ob auch eine Nummer kleiner möglich gewesen wäre? Schließlich hat er nicht grundsätzlich Neues für die Luftfahrt zu bieten gehabt, sondern nur eine "Intensität des Wettbewerbs" vorhergesagt, "wie wir ihn noch nicht gesehen haben".

Hoppla. Mehr Wettbewerb als epochaler Bruch. Das erinnert mich stark an unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel, als sie im Juni 2013 beim Besuch von Barack Obama den Klassiker sprach: "Das Internet ist für uns alle Neuland." Solche markanten Aussprüche werden immer wieder gerne genommen, wenn man der Zeit etwas hinterher hinkt.

© dpa, Oliver Berg Lesen Sie auch: Garnadt: Billigflieger werden Branche ein zweites Mal umkrempeln

Zum Glück hat Garnadt darauf verzichtet, noch andere Probleme unter "epochal" anzusprechen - zum Beispiel, dass man für jeden einzelnen Flug Piloten braucht. Diese allgemein bekannte Weisheit konnte er bislang noch nicht in eine Lösung umsetzen, und so musste zum Beispiel die Strecke Köln/Bonn-Boston vorzeitig aus dem Programm genommen werden. Kostensparen falsch gemacht.

Auch die erste Auslandsstation in einem Zielgebiet (Mallorca) ist nicht so epochal. Ryanair hat schon im Jahr 2010 Flugzeuge auf den Kanaren stationiert (dort macht es auch mehr Sinn, als auf Mallorca).

Visionen auf dem Podium - und der Aktienkurs fällt

Aber der Ruf des fvw-Kongresses, "möglichst grundsätzliches für die Zukunft zu verkünden", übt wohl eine gewisse Faszination aus. Ich erinnere mich, als der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff vor ein paar Jahren ein tolle Zukunftsvision auf dem Podium zeichnete, während draußen im realen Leben gerade der Aktienkurs von Arcandor um 20 Prozent sank.

Wobei man hier allerdings fairerweise dazu sagen muss, dass Garnadt und Middelhoff unterschiedlicher nicht sein können. Ich will nur darauf hinweisen, wie groß die die Versuchung ist, bei solchen Kongressen etwas zu hoch zu greifen.

Da fällt mir automatisch das hochtrabende Wort "Quantensprung" ein. Dieser Begriff wird immer wieder gerne verwendet, wenn man einer Managemententscheidung etwas Großes beimessen will.

Wobei meine Freude gleich doppelt ist. Denn mit diesem Begriff soll oft eine Kleinigkeit (mit leicht aufgeplusterter Gebärde) als besonders großer Sprung verkauft werden. Aber Quantensprung ist in der Physik "als kleinste anzunehmende Zustandsänderung" definiert.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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