Luftfahrt fordert mehr Unterstützung von der Politik

29.01.2015 - 16:05 0 Kommentare

Weniger Regulierung, mehr Unterstützung: Auf den 9. Deutschen Luftfahrttagen in Berlin haben Vertreter der Luftfahrt über die Situation in Deutschland diskutiert - und Forderungen an die Politik gestellt.

Der Vorstandsvorsitzende der Fraport AG, Stefan Schulte.

Der Vorstandsvorsitzende der Fraport AG, Stefan Schulte.
© dpa - Fredrik von Erichsen

Die Koordinatorin der Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt Brigitte Zypries (SPD).

Die Koordinatorin der Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt Brigitte Zypries (SPD).
© BMWi - Susanne Eriksson

Ralph Beisel, ADV-Hauptgeschäftsführer

Ralph Beisel, ADV-Hauptgeschäftsführer
© ADV

Die Luftverkehrspolitik der Bundesregierung bremst die Luftfahrt. Dieser Vorwurf kommt immer wieder aus der Branche. Auf den 9. Deutschen Luftfahrttagen (DLT) in Berlin wurde jetzt über die Chancen und Risiken von Regulierungen im Luftverkehr diskutiert.

"Wir müssen überlegen, wo wir in Deutschland hinwollen", sagte Fraport-Chef Stefan Schulte. Wenn Länder im Nahen Osten Regulierungen vornehmen würden, beabsichtige man damit das Wachstum der Branche und der Wirtschaft. "Bei uns dagegen ist es zum Beispiel wegen der bürokratischen Auflagen sehr schwierig, einen Flughafen einfach nur auszubauen."

Welche Schwierigkeiten aufkommen, merkt der Frankfurter Flughafen derzeit beim geplanten Terminal 3, auch wenn Schulte dieses Projekt bei seinem Vortrag nicht ansprach. Mit dem neuen Terminal will der Flughafen international mithalten. "Unsere Wirtschaft lebt vom Export", sagte der Fraport-Chef. "Darum erwarte ich im internationalen Wettbewerb von der Politik mehr Unterstützung." Er forderte erneut: Die Luftverkehrssteuer soll abgeschafft werden.

Zypries setzt sich für drei Piloten auf Langstrecken ein

Das Bundesverfassungsgericht habe die Steuer für rechtens erklärt, sagte die parlamentarische Staatssekretärin des Wirtschaftsministeriums, Brigitte Zypries (SPD). Sie wisse, wie wichtig die Flugbranche in Deutschland sei, so die Bundestagsabgeordnete. Eine politische Regulierung sei jedoch notwendig, vor allem im Bereich der Sicherheit. "In diesem Punkt ist kein ökonomischer Preis zu hoch", so die SPD-Politikerin.

Der Geschäftsführer des deutschen Flughafenverbandes ADV, Ralph Beisel, würde lieber bei der Sicherheit am Boden ansetzen. "In den Bereich, wo die meisten Beschwerden von Passagieren kommen, können wir nicht eingreifen", so Beisel. Er bezog sich dabei auf die Passagier- und Gepäckkontrollen. Beides ist in Deutschland Aufgabe des Staates, die Bundespolizei beauftragt private Sicherheitsdienstleister damit. "Aber die Flughäfen bekommen Schelte, wenn die Kontrolleure streiken", so Beisel. Derzeit wird in vier Bundesländern über neue Tarifverträge für die Sicherheitsbranche verhandelt - bisher erfolglos. Darum kommt es immer wieder zu Arbeitsniederlegungen an Flughäfen, wie zum Beispiel in Düsseldorf und Köln/Bonn.

Als Einheit an die Bundesregierung herantreten

Der ADV-Chef appellierte jedoch auch an die gesamte Flugbranche, mit einheitlicher Stimme an die Bundesregierung zu treten. Nur so könnten Änderungen bewirkt werden, sagte Beisel. "Das wäre allerdings leichter, wenn sich zum Beispiel die Lufthansa und Air Berlin nicht bekriegen würden."

© dpa, Wolfgang Krumm Lesen Sie auch: BDL-Präsident Siegloch: Luftverkehr wird politisch gebremst

Beim Thema Fluglärm waren sich Politik und Luftverkehrsbranche am ersten Tag der Deutschen Luftfahrttage weitgehend einig. Die Lärm-Diskussion sei ein deutsches Thema, das in anderen Ländern oft kaum oder gar keine Rolle spiele, sagte Fraport-Chef Schulte. Da die Flugzeughersteller jedoch international liefern, sei es besonders wichtig, dass Deutschland Akzente setze - zum Beispiel durch eine noch größere Spanne bei den Fluglärmentgelten.

Lärmentgelte sollen Fluggesellschaften dazu animieren, modernere und leisere Maschinen einzusetzen. Am Frankfurter Flughafen zum Beispiel macht das einen Unterschied von bis zu 20.000 Euro aus. Die Bundestagsabgeordnete Zypries kündigte an, dass im Rahmen eines Forschungsprogramms die Entwicklung von leiseren Triebwerken untersucht werden soll. Außerdem soll analysiert werden, wie durch den Veränderung des Anflugwinkels der Fluglärm verringert werden kann.

Von: airliners.de
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