Luftfahrt wird laut aktueller Statistiken immer sicherer

04.01.2016 - 16:23 0 Kommentare

Trotz des tragischen Germanwings-Absturzes im März ziehen Unfallforscher und der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft auch für das Vorjahr ein klares Fazit: die Fliegerei wird immer sicherer.

Anzahl der Todesfälle in der kommerziellen Zivilluftfahrt und Entwicklung des weltweiten Passagieraufkommens. - © © BDL -

Anzahl der Todesfälle in der kommerziellen Zivilluftfahrt und Entwicklung des weltweiten Passagieraufkommens. © BDL

Für die zivile Weltluftfahrt war das zurückliegende Jahr eines der sichersten der vergangenen Jahrzehnte. Zu diesem Fazit kommt sowohl das Hamburger Flugunfallbüro JACDEC (Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre) wie auch das in den Niederlanden ansässige Aviation Safety Network (ASN).

Während die JACDEC in ihrer Unfallstatistik fürs Vorjahr 521 Opfer - für 2014 hatte JACDEC 970 Tote angegeben - zählte, kommt ASN aufgrund einer anderen Zählweise auf 560 Luftfahrt-Tote. Den vorsätzlich in die Alpen gesteuerten Germanwings-Airbus - ein weiteres großes Unglück im vergangenen Jahr war die Explosion eines Ferienfliegers über dem Sinai mit 224 Toten - stellen beide Büros als ungewöhnlich heraus. dieser Fall stellte das Vertrauen in einen ganzen Berufsstand auf den Prüfstand wie kein anderes Unglück.

"Doch so erschütternd dieses Unglück ist, die Statistik zeigt: Während die Zahl der Passagiere immer weiter ansteigt, sinkt die geringe Zahl der Verunglückten kontinuierlich weiter", sagt Matthias von Randow vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Er betont: "Fliegen wird immer sicherer." Die ohnehin sehr niedrige Wahrscheinlichkeit, durch einen Flugzeugabsturz ums Leben zu kommen, hat sich nach BDL-Angaben in den vergangenen Jahren deutlich verringert: Statistisch gesehen war diese in den 70er Jahren im Durchschnitt etwa 27 Mal so hoch wie im Jahr 2015.

Iata verweist auf hohe Passagierzahlen

Die internationale Zivilluftfahrtorganisation Iata bestätigt den Trend und weist vor allem auf die hohen Passagierzahlen des Vorjahres hin. Die Zahlen sind in der Tat beeindruckend: 3,5 Milliarden Passagiere bescherten 2015 den Airlines rund um den Globus einen Umsatz von 710 Milliarden Dollar. Und die Weltluftfahrt boomt weiter. Begünstigt durch niedrige Treibstoffpreise fahren viele Airlines wieder satte Profite ein und lassen auch Flughafenbetreiber aufatmen.

Bis 2034 geht die Iata von einem jährlichen Wachstum der Weltluftfahrt von im Schnitt 3,8 Prozent aus. Sieben Milliarden Menschen dürften dann als Flugpassagiere unterwegs sein, so die Prognose - doppelt soviele wie 2015. Zum Vergleich: Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung errechnete gerade, dass zum Jahreswechsel 7,4 Milliarden Menschen auf der Welt lebten.

Neue Maschinen verdrängen zudem altgediente Oldtimer der Lüfte - etwa Boeings ältere Jumbos. Die Modernisierung der weltweiten Luftflotten schreitet voran, auch wenn Beobachter befürchten, dass die niedrigen Kerosinpreise manche Airline verleiten könnten, vorerst mit spritfressenderen, älteren Jets weiterzufliegen.

Große Datenmengen stellen Herausforderung dar

Eine Herausforderung, die neben dem Einsatz neuer Materialien und neuer Fertigungsprozesse im Flugzeugbau auf die Weltluftfahrt zukommen wird, ist in dem Zusammenhang allerdings die Verwendung der großen Datenmengen, die ein modernes Verkehrsflugzeug heute generiert. Sie könnten zwar letztlich auch herkömmliche Black Boxes überflüssig machen und jederzeit exakte Daten zu Flugabläufen und Positionen liefern, aber auch Missbrauch Tür und Tor öffnen.

Die nach dem weiterhin mysteriösen Verschwinden von Malaysia Airlines Flug 370 aufgekommene Forderung nach einer satellitengestützten permanenten Überwachung des Zivilluftverkehrs steht ebenfalls an. Das Flugzeug blieb bisher verschwunden - die Suche soll nun voraussichtlich im Juni eingestellt werden.

Das zunehmende Vordringen von Drohnen aller Art in den unteren Luftraum wird 2016 in den Sicherheitsdebatten der Branche ebenfalls den Ruf nach neuen Regeln befeuern. Die US-Luftfahrtbehörde FAA etwa hat kurz vor Weihnachten 2015 die Registrierpflicht für zivile Drohnen angeordnet.

Meldungen zu Unfällen finden Sie bei airliners.de in der Rubrik "Zwischenfälle". Alle Meldungen zum Germanwings-Unglücksflug 4U9525.

Von: gk, dpa
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