Beruf & Karriere

Luftfahrt-Quereinstieg bietet Technikern gute Chancen

27.06.2017 - 08:01 0 Kommentare

Ein Einstieg in die Luftfahrt kann für technische Fachkräfte aus anderen Branchen ein interessantes neues Themenfeld sein. Auch für ausscheidende Soldaten ergeben sich zivile Möglichkeiten.

Zwei Airbus-Mitarbeiter bringen den Schriftzug

Zwei Airbus-Mitarbeiter bringen den Schriftzug "A350" an einem Airbus 350 XWB an. © dpa /Artem Tchaikovski

Wer von technischen Luftfahrtberufen spricht, meint meistens die klassischen Erstausbildungsberufe oder Studiengänge wie etwa den Fluggerätmechaniker oder den Luft- und Raumfahrtingenieur. Dabei wird leicht übersehen, dass in der Luftfahrtindustrie viele Stellen mit technischen Fachkräften besetzt werden, die keine luftfahrtspezifischen Hintergründe durch Ausbildung und Studium besitzen.

So arbeiten bei Luftfahrt-Herstellern, Zulieferern und Diestleistern mehr Ingenieure aus klassischen Ingenieursrichtungen wie Maschinenbau oder Elektrotechnik als wirklich von Hause aus auf die Branche spezialisierte Luftfahrtingenieure.

Umschulung kann ein Weg seinƒmarkt

Schaut man sich aktuelle technische Jobangebote beispielsweise im airliners.de-Luftfahrt-Stellenmarkt an, so findet man neben zahlreichen Ingenieurs-Ausschreibungen auch etliche Jobangebote etwa für Mess- und Regeltechniker, Automatisierungstechniker, Elektrotechniker oder Fachinformatiker. Alles klassische Berufe, die über eine Erstausbildung erlernt werden können.

Manchmal kommt für einen Quereinstieg in die Branche auch eine Umschulung beziehungsweise eine Fortbildung in Frage, wenn etwa ein KFZ-Mechaniker aus der Autowerkstatt in den Wartungshangar am Flughafen wechseln will. Allerdings sind die Kosten für die Ausbildung an einer privaten Bildungseinrichtung für eine später von der europäischen Luftsicherheitsbehörde Easa zugelassene Tätigkeit zum Teil hoch.

©dpa Patrick Pleul Lesen Sie auch: Beruf & Karriere: Für wen eine Luftfahrt-Umschulung geeignet ist

Quereinstieg kann finanziert werden

Ein Weg der Finanzierung für AZAV-Maßnahmen (Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung) kann dabei ein Bildungsgutschein sein, der bei der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter oder im Rahmen von Optionsmodellen bei einem kommunalen Träger beantragt wird. Die Antragsteller müssen vorher in der Regel entweder eine Berufsausbildung abgeschlossen oder drei Jahre eine berufliche Tätigkeit ausgeübt haben.

Voraussetzung für die Übernahme der Kosten durch das Amt ist, dass eine drohende Arbeitslosigkeit abgewendet werden kann oder eine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt realistisch erscheint. Auch eine Übergangsfinanzierung der Agentur für Arbeit ist denkbar.

Wichtig für die Lizenz ist die Praxisarbeit

Beispiele für AZAV-Qualifizierungen in der Luftfahrttechnik sind beispielsweise die Fortbildung zum Struktur- oder Instandhaltungsmechaniker Luftfahrzeugtechnik oder die Umschulung zum Fluggerätmechaniker (in den Fachrichtungen Instandhaltung, Fertigung oder Triebwerkstechnik) oder Fluggerätelektroniker.

Interessenten, die in die Luftfahrttechnik einsteigen möchten, sollten darauf achten, ob die Qualifizierung die Zugangsvoraussetzung für eine sogenannte CAT-Lizenz bietet. Diese ist wichtig, um später als freigabeberechtigtes Personal in der Luftfahrttechnik zu arbeiten. "Für den Erhalt der Grundlagenlizenz CAT A ist eine Praxiszeit von wenigstens zwölf Monaten durch die EASA vorgeschrieben", sagt Antje Suslow, Teamleiterin und Vertriebschefin bei Trainico, einem Bildungsanbieter für die Luftfahrt.

"Abgesehen von der Fortbildung zum Strukturmechaniker haben alle technischen Qualifizierungen bei Trainico diesen Praxisanteil für den Erhalt der Grundlagenlizenz CAT A beziehungsweise CAT A1. Damit sind die Absolventen nicht nur sofort selbständig in der Luftfahrtechnik einsetzbar, sie haben auch ideale Voraussetzungen um sich - im Verlauf ihrer beruflichen Praxis - für die nächst höhere Lizenzstufe CAT B1 oder B2 zu qualifizieren", fasst Suslow die Entwicklungs- und Aufstiegschancen für die Berufsbilder zusammen.

Qualifizierte Kräfte händeringend gesucht

Sehr gute Chancen auf einen Job in der zivilen Luftfahrt haben übrigens ausscheidende Zeitsoldaten. Ihnen verbessert der Bundesförderungsdienst der Bundeswehr die Eingliederung in den Zivilbereich sogar noch durch die Förderung einer Aus-, Fort-, oder Weiterbildung auf Basis der bestehenden militärischen Qualifikation. Auch ohne zivile Praxis bietet beispielsweise eine luftfahrtspezifische Weiterbildung im Bereich Technik oder Maschinenbau an einer Fachhochschule etliche neue Möglichkeiten für zivile Tätigkeiten in administrativen Bereichen.

Da händeringend qualifizierte Luftfahrtmechaniker gesucht würden, "haben wir eine Vermittlungsquote von 100 Prozent", so Suslow. Alle, die die Weiterbildungen erfolgreich abschließen, bekämen auch einen Job. Die Chancen für technische Fachkräfte, in der Luftfahrt Fuß zu fassen, stehen also generell recht gut.

Von: airliners.de
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