Bundesverkehrsminister will strengere Drohnen-Vorschriften

08.08.2016 - 11:40 0 Kommentare

Schrecksekunde in 1700 Metern Höhe: Beim Landeanflug eines Lufthansa-Airbus auf den Münchner Flughafen hat ein Pilot eine Drohne in Flugzeugnähe erspäht. Verkehrsminister Dobrindt will Drohnen künftig kennzeichnen lassen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). - © © dpa - Paul Zinken

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). © dpa /Paul Zinken

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will strengere Regeln für Drohnenflüge. "Private Drohnen nehmen ständig zu", sagte er jetzt der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Daraus entstehen neue Gefährdungspotenziale, zum Beispiel durch Kollisionen und Abstürze." Sein Ministerium arbeite an strengeren Vorschriften für die kleinen Flieger. So sollen Drohnen künftig gekennzeichnet sein, damit klar ist, wem sie gehören.

In der vergangenen Woche wäre eine Drohne in 1700 Metern Höhe beinahe mit einem Lufthansa-Airbus kollidiert, der im Landeanflug auf den Münchner Flughafen war. Die mit vier Rotoren ausgestattete Drohne sei nur etwa zehn Meter neben der rechten Flügelspitze des Airbus unterwegs gewesen, teilte das Polizeipräsidium Oberbayern Nord mit.

Nach Angaben des Piloten habe die Drohne einen Durchmesser von etwa 50 Zentimetern gehabt. Der Airbus A321 kam nach Angaben eines Lufthansa-Sprechers aus Frankfurt am Main, an Bord waren 108 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder.

"Drohnen sind gefährlicher als Vögel"

Nach dem Vorfall hatten Luftfahrt-Experten erneut Konsequenzen gefordert. "Man stelle sich vor, die Drohne wäre ins Triebwerk geraten oder ins Cockpit eingeschlagen - da wären im schlimmsten Fall Menschenleben in Gefahr gewesen", sagte Markus Wahl von der Piloten-Gewerkschaft Cockpit.

Im Falle einer Kollision wäre die Sicherheit der Passagiere erheblich gefährdet gewesen, betonte die Polizei unter Berufung auf die Airbus-Crew. Eine Annäherung an Luftfahrzeuge aller Art sei "nicht nur überaus gefährlich, sondern auch verboten".

Drohnen können nach Expertenmeinung ein Triebwerk im schlimmsten Fall in Brand setzen. "Drohnen sind gefährlicher als Vögel", sagte Axel Raab, der die Pressestelle der Deutschen Flugsicherung leitet. Eine Drohne sei aus Kunststoff und Metall und könne daher unter Umständen einen größeren Schaden im Triebwerk anrichten. Er betonte allerdings auch, dass die Maschine auch mit einem Triebwerk hätte weiterfliegen können.

© dpa, Fotomontage: airliners.de Luftrechts-Kolumne (39) Zivile unbemannte Luftfahrt in Europa?

Auch der Hamburger Luftfahrtexperte Cord Schellenberg schätzt die Gefahr für Flugzeuge durch zu hoch fliegende Drohnen als groß ein. "Drohnen gehören nicht in solche Höhen, die Drohnenbesitzer gefährden Menschenleben", sagte er.

Gewisse Teile von Drohnen seien hart genug, um Triebwerke, Cockpit, Tragflächen und andere Teile von Flugzeugen zu beschädigen. Auch könnten herabfallende Teile bei Start und Landung Menschen auf dem Boden verletzen.

Bayerische Polizei ermittelt

Wer für den Flug der Drohne verantwortlich ist, war laut Polizei zunächst unklar. Es gebe aber inzwischen mehrere Hinweise aus der Bevölkerung, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Auf den Unbekannten warten Ermittlungen wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr.

Auch in Deutschland benutzen immer mehr Menschen die kleinen, ständig billiger werdenden Drohnen. Allerdings muss ein Drohnenpilot sein Fluggerät jederzeit ohne Hilfsmittel sehen können - also ohne Fernglas oder Nachtsichtgerät. Die maximale Flughöhe darf 100 Meter nicht übersteigen. Bemannten Luftfahrzeugen muss ein Drohnenpilot stets ausweichen.

DFS fordert Registrierung von Drohnen

Erst Ende Juni hatte die Deutsche Flugsicherung eine Registrierung von Drohnen angemahnt. Dies sollte in der geplanten Neufassung der Luftverkehrsordnung festgeschrieben werden, sagte der Vorsitzende der DFS-Geschäftsführung, Klaus-Dieter Scheurle. Für die DFS gehe es darum, auch bei einer wachsenden Zahl von Drohnen die Sicherheit im deutschen Luftraum zu gewährleisten.

Scheurle schlug auch vor, eine Chipkarte für Drohnenbesitzer einzuführen. Ähnlich wie bei der SIM-Karte fürs Mobiltelefon müsste jeder Drohnenpilot die Karte in seinem Fluggerät aktivieren, bevor ein Start möglich ist. Dadurch lasse sich etwa bei einem Unfall oder bei Missbrauch nachvollziehen, wer die Drohne gesteuert habe.

© dpa, Christoph Schmidt Lesen Sie auch: DFS-Chef Scheurle schlägt Chipkarte für Drohnenbesitzer vor

Mitte Juni hatte eine Drohne sogar zur Schließung des Flughafens in Dubai geführt. "Unberechtigte Drohnen-Aktivität" sei für 69 Minuten der Grund für die Schließung des Luftraums über dem Drehkreuz für den internationalen Flugverkehr gewesen, teilten Behörden in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit.

Von: ch, dpa
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