Wachstum findet anderswo statt

Luft für Europas Airlines wird dünner

27.10.2011 - 17:08 0 Kommentare

Der Luftverkehr weltweit boomt. Den europäischen Fluggesellschaften fällt es aber zunehmend schwerer, am Wachstum teilzuhaben. Sie kämpfen mit der Politik und handfesten Kostennachteilen.

Boeing 737-800 landet bei stürmischem Wetter - © © AirTeamImages.com -

Boeing 737-800 landet bei stürmischem Wetter © AirTeamImages.com

Das Wachstum findet anderswo statt. Regelmäßig schreibt die Weltluftfahrtorganisation IATA den europäischen Fluggesellschaften diese bittere Wahrheit ins Stammbuch. Gerade mal 300 Millionen US-Dollar Gewinn erwartet die Branche im kommenden Jahr auf dem alten Kontinent, weltweit sind es immerhin noch 4,9 Milliarden Dollar. Die Lufthansa hat sich am Donnerstag erneut als Marktführer in Europa präsentiert und will das nach den Worten ihres Chefs Christoph Franz auch vor den Dauerkonkurrenten Air France-KLM und British Airways/Iberia bleiben. Auf seinem Kurs hat der Kranich aber viele Probleme zu meistern.

Da ist zunächst einmal der Ballast vergangener Wachstumspläne, wie die erst im Jahr 2009 erworbene Fluglinie «British Midland» (BMI). Die Briten haben in den ersten neun Monaten 154 Millionen Euro Verlust angehäuft. Sie seien «strategisch und operativ nur begrenzt kompatibel» mit dem Lufthansa-Konzern, befindet Finanzchef Stephan Gemkow kühl. Die Gespräche mit möglichen Käufern sind bereits so weit fortgeschritten, dass der Abschluss sich möglicherweise noch auf dieses Geschäftsjahr auswirkt. Auch die österreichische AUA entwickelt sich nicht so gut wie einst erwartet, so dass die Deutschen weiterhin die Finger von ehemaligen Staatsfliegern wie der skandinavischen SAS oder der polnischen LOT lassen.

In Europa und weltweit kämpfen die Fluggesellschaften mit harten Bandagen. In Deutschland reißen sich neben der Lufthansa, Air Berlin, Tuifly und Condor auch Billigflieger wie Ryanair und Easyjet um die Passagiere. Die Kosten der aggressiven Konkurrenten sind teils um die Hälfte niedriger als bei klassischen Linienfluggesellschaften.

Lufthansa lebt vom Langstreckengeschäft

Während die irische Ryanair trotz Ticketpreisen von teils nur wenigen Euro seit Jahren fette Gewinne schreibt, kann die Lufthansa die Verluste in der Heimat nur dank ihres lukrativen Langstreckengeschäfts ausgleichen. «Die dezentrale Kurzstrecke ist nach wie vor unprofitabel», sagt Lufthansa-Chef Franz. Der größte deutsche Konkurrent Air Berlin, der vor allem innerhalb Europas unterwegs ist, schreibt seit Jahren nur noch rote Zahlen.

Auf den Langstreckenflügen nach Amerika oder Asien buchen hingegen vor allem Geschäftsreisende gerne Tickets in der komfortablen Business Class - und bezahlen dort ein Vielfaches des Economy-Preises. Trotzdem will Franz den Europaverkehr in die schwarzen Zahlen bringen - spätestens 2013 sollen die Flüge hier einen operativen Gewinn abwerfen. Ein schwieriges Unterfangen: «Der Kostenanstieg bei Treibstoff, Steuern und Gebühren (...) frisst alles, was wir sparen, wieder auf», sagt Franz.

Konkurrenz vom Golf

Die Gesellschaften vom arabischen Golf wie Emirates oder Etihad setzen die Europäer mit offenbar unbeschränktem Wachstum zusätzlich unter Druck. Schon heute verfügen die Emirates über eine größere Langstreckenflotte als die Lufthansa. Im Emirat Dubai entsteht der größte Flughafen der Welt, der auch im Frachtgeschäft mächtig mitmischen soll. Das kurzfristig verhängte Nachtflugverbot am Drehkreuz Frankfurt empfinden die Lufthanseaten als zusätzlichen «Nackenschlag».

Kampf gegen Emissionshandel und Ticketsteuer

Auf EU-Ebene kämpfen die Airlines für einen einheitlich kontrollierten Luftraum und vor allem gegen einen Alleingang beim Handel mit Emissionsrechten im Luftverkehr von, in und nach Europa. Die Erwartung, dass sich die USA, Indien, Russland oder China einem von der Europäischen Kommission erdachten System freiwillig anschließen, hat sich als naiv erwiesen. Franz fordert eine Aussetzung der entsprechenden Verordnung für den Fall einer Nicht-Einigung. Sonst kämen auf die Lufthansa Sonderbelastungen von mindestens 130 Millionen Euro im Jahr zu. «Wir Airlines dürfen nicht das Opfer eines von uns nicht veranlassten Handelskriegs werden.»

Auch die schwarz-gelbe Koalition hat sich bislang nicht gerade als Freund des Luftverkehrs hervorgetan. Seit Jahresbeginn wird bei Abflügen aus Deutschland eine neuartige Ticketsteuer erhoben, die mit bis zu 45 Euro pro Flug an den dünnen Margen der Flieger knabbert. In den Grenzgebieten vor allem im Westen der Republik fliegen die Bürger lieber von den Nachbarflughäfen mit der Konkurrenz vor allem aus den Niederlanden. «KLM und Co sagen Danke für deutsche Passagiere», giftet die Lufthansa.

Von: Christian Ebner, dpa, Steffen Weyer, dpa-AFX
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