«Memminger Lösung für Flughafen Lübeck»

Lübecker Unternehmen wollen Flughafen kaufen

24.09.2012 - 09:43 0 Kommentare

Wer kauft den Lübecker Flughafen? Winfried Stöcker, Chef des Medizintechnikunternehmens Euroimmun, hat da eine Idee: Firmen aus der Region sollen zusammenlegen und den angeschlagenen Airport retten.

Winfried Stöcker - © © dpa - Markus Scholz

Winfried Stöcker © dpa /Markus Scholz

Winfried Stöcker ist den jahrelangen Streit um den Lübecker Flughafen leid. Der Mediziner und Unternehmer aus dem Süden Lübecks hält den Regionalflughafen in seiner unmittelbaren Nachbarschaft für eine wichtige Infrastruktureinrichtung, die erhalten werden muss. Dafür will Stöcker selbst in die Tasche greifen. Gemeinsam mit anderen Unternehmen aus der Region will er den Flughafen übernehmen. «Was beim Allgäu Airport in Memmingen funktioniert, muss doch auch im Norden klappen. Wir haben uns auf die Ausschreibung der Hansestadt beworben», sagte Stöcker der Nachrichtenagentur dpa. Die Allgäu Airport GmbH wird von rund 70 Unternehmen getragen.

Wie viele weitere Firmen aus dem Raum Lübeck Stöcker bereits mit ins Boot geholt hat, wollte er noch nicht sagen. «Es zeichnet sich ab, dass ein ausreichend hoher Kapitalstock zusammenkommt, um den Flughafen für einen symbolischen Preis zu übernehmen», versicherte er. «Für zehn Millionen Euro verkaufen wir auch den Namen des Flughafens», stellte er in Aussicht.

Stöckers eigenes Unternehmen, die Euroimmun AG, will nach seinen Worten zunächst ein bis zwei Millionen bereitstellen, Voraussetzung: Die Stadt muss den Flughafen zu 100 Prozent verkaufen. «Der gegenwärtige Aufsichtsrat muss weg, in dem Gremium sitzen fast nur Flughafengegner», forderte Stöcker. Der Airport werde ständig schlecht geredet und blockiert, nicht zuletzt von Lübecker Kommunalpolitikern, kritisiert er.

Stöcker sieht gute Chancen für Lübeck-Blankensee. «Wenn die Hansestadt Lübeck die Altschulden des Flughafens übernimmt und für einen begrenzten Zeitraum einen Konsolidierungszuschuss bereitstellt und wenn gleichzeitig seine Verluste durch Einsparungen reduziert werden, wie es ja bereits praktiziert wird, bin ich zuversichtlich, dass Blankensee innerhalb weniger Jahre schwarze Zahlen schreiben wird», sagte er.

Sein 1987 gegründetes Unternehmen, die Euroimmun AG, stellt Reagenzien für die medizinische Labordiagnostik her und hat Niederlassungen unter anderem in China, Großbritannien, Italien, Südafrika, Kanada und den USA. «Einem Urlaubsreisenden mag es nicht viel ausmachen, erst nach Hamburg fahren zu müssen, um dort ins Flugzeug zu steigen. Für Unternehmen mit Kunden und Geschäftspartnern im In- und Ausland ist ein Flughafen mit Anschluss an das internationale Streckennetz immens wichtig», betonte er.

Geplant ist laut Stöcker auch die Gründung einer Fluglinie, die Lübeck mit internationalen Drehkreuzen wie Frankfurt und München verbindet. «Wir brauchen Verbindungen mit großen Flughäfen, an denen man Anschluss an die Welt hat, nicht mit Provinzflughäfen irgendwo in der Pampa», sagte er in Anspielung auf die Routen des irischen Billigfliegers Ryanair.

Es gebe bereits konkrete Verhandlungen mit einer etablierten Airline über eine Verbindung Lübeck-London - vier Mal pro Woche mit einer Maschine mit 30 Sitzen. Weitere Ziele - zum Beispiel Venedig und das Baltikum - sollten folgen. «Wir haben natürlich zunächst die Bedürfnisse von Geschäftsreisenden im Blick. Doch auch der Tourismus und nicht zuletzt die Bürger in der Region werden vom Flughafen profitieren», sagte Stöcker.

Von: Eva-Maria Mester, dpa
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