Flughafenchef Garvens im Interview

"Wer wachsen will, kann auf Low-Cost nicht verzichten"

13.01.2017 - 09:06 0 Kommentare

Am Airport Köln/Bonn ist man sich sicher: Billigflieger sind die Zukunft. Im Interview prognostiziert Flughafenchef Michael Garvens einen generellen Wandel im Verkehrsmix und spricht über die Herausforderungen der Zukunft.

Michael Garvens, Vorsitzender der Geschäftsführung am Flughafen Köln/Bonn. - © © Köln Bonn Airport -

Michael Garvens, Vorsitzender der Geschäftsführung am Flughafen Köln/Bonn. © Köln Bonn Airport

airliners.de: Der Luftverkehr in Deutschland wandelt sich gerade rapide in Richtung Low-Cost. Überrascht Sie das?
Michael Garvens: Nein, überhaupt nicht. Wir haben bereits vor 15 Jahren unsere Strategie konsequent auf das Low-Cost-Geschäft ausgerichtet. Damals lag der Marktanteil der Billigflieger noch bei bescheidenen zwei Prozent. Nach einem beispiellosen Siegeszug im vergangenen Jahrzehnt sind es heute rund 40 Prozent. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis innerhalb Europas flächendeckend das Gros der Flüge von den klassischen Billigfliegern oder den Billigtöchtern der Traditionsairlines durchgeführt wird. Wer als Flughafen wachsen will, kann es sich deshalb nicht mehr leisten, auf Low-Cost zu verzichten. Das haben auch die großen Drehkreuze erkannt, die sich nun immer stärker für diese Airlines öffnen.

Sie setzen also auf Billigflieger und bislang hat das gut geklappt. Was sagt Ihnen, dass das auch zukünftig die richtige Strategie ist?
Garvens: Der Wettbewerbsdruck durch die Low-Cost-Anbieter wird künftig eher noch größer, da reicht schon ein Blick auf die Flugzeugbestellungen. Da liegen die Low-Coster vorn. Gerade erst ist in Köln/Bonn mit Eurowings das Low-Cost-Konzept auf die Langstrecke übertragen worden. Da stehen wir zwar erst am Anfang, aber ich gehe fest davon aus, dass das eine große Erfolgsstory sein wird. Auch andere Airlines, etwa aus Asien, drängen verstärkt mit Low-Cost-Angeboten nach Europa. Neue, effizientere Flugzeugtypen wie die A350 beschleunigen diese Entwicklung. Und auch Kooperationen und Umsteigerelationen zwischen Low-Cost-Airlines sind denkbar. Wir sind für diese Marktentwicklungen hervorragend aufgestellt.

Sieht der Verkehrsmix in Zukunft also an allen deutschen Flughäfen so aus wie in Köln/Bonn?
Garvens: Abgesehen von den Hubs Frankfurt und München denke ich das schon. Gut zwei Drittel unseres Verkehrs in Köln/Bonn ist heute Low-Cost. Künftig werden wir uns stärker von einem Flughafen mit Schwerpunkt Point-to-Point-Verkehre zu einem europäischen Drehkreuz für Low-Cost-Airlines entwickeln. Schon heute ist in etwa jeder fünfte Passagier, der mit Eurowings auf die Langstrecke geht, ein Umsteiger. Und wenn man mal nach England schaut, wo mit Ausnahme des Großflughafens London-Heathrow praktisch nur noch Low-Cost-Carrier unterwegs sind, dann sieht man schon, wo die Reise hingeht.

In welchen Bereichen müssen Sie als Flughafenchef zukünftig noch neue Antworten finden?
Garvens: Wir müssen die Bodenprozesse beschleunigen, damit wir auf Kurz- und Mittelstrecken nicht einen großen Teil des Zeitgewinns in der Luft am Boden wieder verlieren. Wir werden Flughafen neu denken müssen, das Stichwort hier heißt 'Airport 4.0'. Der Supertrend heißt Digitalisierung. Das Fliegen und sämtliche damit zusammenhängende Abläufe verändern sich rasant. Angefangen bei digitalen Non-Aviation-Angeboten über selbstfahrende Autos in den Parkhäusern bis hin zu Self-Check-In-Systemen. Und wir müssen uns enger mit Kunden und Airlines vernetzen, den Point-of-Sale verändern, damit Fluggäste beispielsweise ihren Parkplatz beim Ticketkauf gleich mitbuchen und im Idealfall direkt bezahlen können.

Aktuell wird ja schon die neue Easy Security der Bundespolizei in Köln getestet. Gibt es schon einen Zwischenstand?
Garvens: Easy Security ist ein großer Wurf. Es öffnet ein Nadelöhr in den Bodenprozessen, weil an jeder Stelle des Kontrollvorgangs das Überholen möglich ist. Der routinierte Vielflieger muss nicht länger hinter dem unerfahrenen Urlauber Schlange stehen. Easy Security ist innovativ und macht das Reisen einfacher. Wir sind noch in der Pilotphase. Aber die ersten Erfahrungen sind äußerst positiv. Passagiere und Mitarbeiter nehmen die neue Technologie hervorragend an und ich gehe davon aus, dass sie den zukünftigen Standard darstellt.

© dpa, Oliver Berg Lesen Sie auch: Neues Sicherheitskontroll-System wird am Flughafen Köln/Bonn getestet

Von: dh
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