Lotsen kritisieren Airlines und Flugsicherung

17.07.2018 - 10:49 0 Kommentare

Die deutschen Fluglotsen wollen nicht für die zahlreichen Verspätungen und Flugausfälle in diesem Sommer verantwortlich gemacht werden. Gründe seien vielmehr eine falsche Personalplanung bei der bundeseigenen Flugsicherung sowie die einseitige Lobby-Politik der Fluggesellschaften in den vergangenen Jahren, erklärte die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF).

Fluglotsen der Deutschen Flugsicherung (DFS) regeln im Tower des Flughafens Düsseldorf den Luftverkehr. - © © dpa - Oliver Berg

Fluglotsen der Deutschen Flugsicherung (DFS) regeln im Tower des Flughafens Düsseldorf den Luftverkehr. © dpa /Oliver Berg

Namentlich Ryanair-Chef Michael O'Leary habe gemeinsam mit anderen Airlines wie der Lufthansa Druck bei der EU für niedrigere Flugsicherungsgebühren gemacht, kritisierte GdF-Chef Matthias Maas. Die Flugsicherungen hätten die Vorgaben aus Brüssel nur mit großen Personaleinsparungen und dem Verschieben wichtiger technischer Erneuerungen leisten können.

Nun verlangten dieselben Lobbyisten auf einmal eine höhere Leistung, was nicht funktionieren könne: "Man kann nun mal nicht alles haben: Billiger fliegen, aber gleichzeitig einen besseren Service durch noch mehr Mitarbeiter und mehr Kapazität durch neue Flugsicherungssysteme erwarten."

GdF bemängelt DFS-Versäumnis

Der von den Airlines beklagte Fluglotsenmangel bestehe in Deutschland und europaweit, räumte Maas ein. Der bundeseigenen DFS (Deutsche Flugsicherung) hielt der Gewerkschafter vor, es in "fahrlässiger Weise" versäumt zu haben, die Ausbildungskapazitäten wieder zu steigern.

Die Geschäftsführung habe mit Blick auf die Geschäftszahlen stets argumentiert, dass man teure personelle Überkapazitäten vermeiden müsse. Dies habe bei der GdF und fast allen Mitarbeitern für ungläubiges Kopfschütteln gesorgt, da es von der Anwerbung bis zum eigenständigen Arbeiten eines Fluglotsen zwischen drei und fünf Jahren brauche.

Zielwerte von der EU-Kommission

Man sei nicht frei in der Personalplanung, erwiderte die DFS. Die EU-Kommission habe Zielwerte vorgegeben, die erfüllt werden mussten. In der Zeit von 2012 bis 2014 habe man zu viele Lotsen für den vorhandenen Verkehr gehabt, nun trete in der aktuellen Regulierungsperiode das Gegenteil ein.

© dpa, Oliver Berg Lesen Sie auch: DFS ordnet Verspätungsdebatte

Die gesamte Branche sei von dem unerwarteten Verkehrsanstieg seit 2017 überrascht worden, der auch im laufenden Jahr zu neuen Rekorden führen werde. Man bilde derzeit so viele Lotsen wie möglich aus.

Von: cs, dpa
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Matthias Maas: "Bei den Airlines fehlen Flieger und Personal." "Wir dürfen nicht wieder dieselben Fehler machen"

    Interview Der Chef der Flugsicherungsgewerkschaft GdF, Matthias Maas, verteidigt den Berufsstand im Gespräch mit airliners.de: Schuld an den Verspätungen und Ausfällen sind nicht nur die Lotsen. Die Probleme seien hausgemacht.

    Vom 20.07.2018
  • Robert Schickling: "Wir arbeiten mit Hochdruck an Verbesserungen." "Die Branche steht unter Druck"

    Interview DFS-Operations-Chef Schickling erläutert im Gespräch mit airliners.de Hintergründe zu den aktuellen Kapazitätsengpässen. Außerdem kontert er die Kritik von Ryanair-Chef O'Leary.

    Vom 17.07.2018
  • Ralph Beisel: "Im Rückblick hat das letzte Jahr die deutsche Luftfahrt gehörig durcheinandergewirbelt." "Air Berlin war stets ein zuverlässiger Partner"

    Interview ADV-Hauptgeschäftsführer Beisel spricht im Interview mit airliners.de über die Veränderungen an den deutschen Flughäfen im Jahr nach Air Berlin und welche Airlines er nun genau im Blick hat. Außerdem erklärt er, welche Airports noch mit Lücken kämpfen.

    Vom 17.08.2018

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus