LOT baut Deutschland-Geschäft deutlich aus

07.05.2018 - 07:29 0 Kommentare

Mit neuen Routen und mehr Frequenzen erweitert LOT Polish Airlines das Deutschland-Angebot massiv. Dabei gewinnt der Umsteigeverkehr über Warschau an Bedeutung - immer mehr auch Richtung Asien. Denn die Airline stellt sich neu auf.

Eine Maschine der LOT Polish Airlines landet in Berlin-Tegel. - © © LOT Polish Airlines -

Eine Maschine der LOT Polish Airlines landet in Berlin-Tegel. © LOT Polish Airlines

Zwei neue Deutschland-Verbindungen nimmt LOT Polish Airlines in diesen Wochen auf: An diesem Montag startet die Fluggesellschaft erstmals von Nürnberg nach Warschau. Zwölf Umläufe pro Woche gibt es auf der Strecke.

Am 4. Juni kehrt dann Hannover zurück ins Streckennetz. Der Flughafen, der bereits im Winter 2012/2013 kurzzeitig angeflogen wurde, bekommt ebenfalls zwölf wöchentliche Verbindungen nach Warschau. Auch die Strecke ab Berlin-Tegel, im Dezember 2017 wiederaufgenommen, ist ein Wachstumsfaktor für den Deutschland-Verkehr der LOT: Sie wird zum 1. Juli um einen dritten täglichen Flug aufgestockt.

Beschleunigte Expansion seit 2016

Die Airline beschleunigt damit nach dem Aus von Air Berlin den eingeschlagenen Expansionskurs der vergangenen Jahre noch. "2016 haben wir 18 Prozent bei der Kapazität im deutschen Markt zugelegt, 2017 waren es 27 Prozent, in diesem Jahr wird das Wachstum bei 42 Prozent liegen", berichtet Regional Director Amit Ray im Gespräch mit airliners.de. Er leitet das Geschäft der Airline in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

"Deutschland ist vom Umsatz her der drittwichtigste Markt für LOT", sagt Ray. Mehr Geschäft bringen neben dem polnischen Heimatmarkt nur die USA.

Auf den ersten Blick hat die LOT so etwas wie ein Comeback hingelegt: Vor fünf Jahren strich die Airline ihr Angebot massiv zusammen, nachdem nur staatliche Finanzspritzen eine Pleite verhindert hatten. In Deutschland schrumpfte die Präsenz auf drei Abflughäfen: Hamburg, Frankfurt und München.

Amit Ray ist bei LOT Polish Airlines Regional Director für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Foto: © airliners.de

Nach gelungener Sanierung kam eine Strecke nach der anderen zurück ins Streckennetz: 2016 Düsseldorf und Zürich, 2017 Stuttgart und Berlin. Mit den aktuellen Neuzugängen hat die LOT nun wieder acht Stationen in Deutschland, von denen ab Juli 137 wöchentliche Flüge nach Warschau gehen.

Nach ihrem "Comeback" ist die LOT aber eine ganz andere Airline, als sie es noch vor fünf Jahren war. Die nach wie vor staatliche, aber mittlerweile profitable Gesellschaft hat ihr Geschäftsmodell geändert und konzentriert sich auf das Drehkreuz Warschau. "Wir verfolgen eine ganz klare Hub-and-Spoke-Philosophie", betont Ray.

Direktflüge aus Deutschland zu anderen polnischen Städten stehen für ihn daher nicht mehr auf der Agenda. 2010 sah das noch anders aus: Damals machten Regionalverbindungen nach Danzig, Krakau, Breslau, Kattowitz und Posen einen großen Teil des LOT-Programms an den deutschen Flughäfen aus, das damals 164 wöchentliche Flüge umfasste.

Hälfte der Deutschland-Passagiere sind Umsteiger

Nun steht das Drehkreuz Warschau im Fokus: Mittlerweile steigen dort über 50 Prozent der deutschen Passagiere zu einem anderen Ziel um, berichtet Ray. Vor vier Jahren waren es nur 35 Prozent.


Deutschland-Kapazität der LOT
Sitzplätze pro Woche
Düsseldorf 3034
Frankfurt 2998
München 2416
Hamburg 1672
Berlin-Tegel 1560
Stuttgart 1462
Hannover 906
Nürnberg 864

Die Grafik zeigt die wöchentliche Zahl der angebotenen LOT-Sitzplätze nach Warschau ab dem 1. Juli 2018. Quelle: ch-aviation

Neu ist damit auch im deutschen Markt die Rolle von LOT als Langstrecken-Carrier: "LOT hat man immer mit Osteuropa identifiziert. Seit etwa zwei Jahren haben wir aber auch den Umsteigeverkehr als neue Alternative nach Fernost ausgebaut", so der Manager.

Richtung Asien wächst das Angebot in diesem Jahr: Ab 15. Mai wird von Warschau aus Singapur angeflogen, zunächst drei, ab Juli vier Mal wöchentlich. Auf den bestehenden Routen nach Tokio und Seoul gibt es zudem im Sommer einen fünften wöchentlichen Flug.

"Dreamliner" für die Langstrecke

Weitere Asien-Strecken dürften folgen. Denn die Airline hat ein klares Wachstumsprogramm: Bis 2020 will sie ihre Langstreckenflotte von derzeit neun auf 20 Boeing 787 vergrößern. Zwei der Jets werden noch in diesem Jahr hinzukommen, weitere vier 2019.

Parallel wächst auch die Europa-Flotte. "Wir werden ein Dutzend Flugzeuge einflotten in diesem Jahr", sagt Ray. Dazu zählen neben den Boeing "Dreamlinern" sechs Embraer 195 und drei Boeing 737 MAX 8.

Die LOT-Flotte

Aktuell umfasst die Flotte von LOT Polish Airlines laut ch-aviation 63 Maschinen, davon neun Boeing 787, elf Boeing 737, sechs Embraer 175, neun Embraer 190, zwölf Embraer 170, zwölf Dash 8-Q 400 und vier Bombardier CRJ900. Sechs Flugzeuge werden derzeit im Wet-Lease betrieben. Auf den Deutschland-Routen sind alle Mittelstrecken-Modelle außer den neuen 737 MAX 8 im Einsatz.

Welche Ziele in den kommenden Jahren ins Streckennetz aufgenommen werden, steht laut Ray noch nicht fest. "Wir haben eine Shortlist von über 50 Flughäfen weltweit, die immer unter Beobachtung stehen. Die Frage ist nicht, ob wir dahinfliegen, sondern wann."

Auch das Frankfurter Vertriebsteam der LOT bekommt Verstärkung: Es soll im Sommer auf zehn Mitarbeiter wachsen. Zusätzlich sind zwei Sales Manager in Österreich und der Schweiz im Home-Office tätig.

Fokus auf Geschäftsreisen

Ray will vor allem die Betreuung von Firmenkunden und Business-Travel-Ketten noch weiter ausbauen. "Im deutschsprachigen Raum ist LOT ein Corporate Carrier", meint er. "Wir haben das Geschäftsreisesegment sehr stark ausgebaut, und das ist auch weiterhin der Fokus."

Dabei hilft nicht nur die Integration in das Lufthansa-Bonusprogramm Miles & More, sondern auch ein durchgehendes Drei-Klassen-Produkt auf internationalen Flügen. "Bei uns sitzt der Premium-Economy-Class-Gast bereits ab und bis Deutschland in der Premium Economy", wirbt der Regional Director.

Von: pra
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Flugzeuge von Emirates und Easyjet in London-Gatwick. Easyjet will "Worldwide" ausbauen

    Inzwischen sind über ein Dutzend Airlines beim Umsteigernetzwerk "Worldwide" von Easyjet beteiligt. Die Zahl soll im kommenden Jahr weiter wachsen - mit ihr auch das Portfolio der beteiligten Flughäfen.

    Vom 06.12.2018
  • A330 von Eurowings hebt in Düsseldorf ab. Eurowings übernimmt weitere Lufthansa-Langstrecke

    Eurowings übernimmt in Düsseldorf die letzte Langstrecke von Lufthansa. Durchgeführt werden die New-York-Flüge von Brussels. Der belgische Carrier kündigt zeitgleich an, die eigene A330-Flotte modernisieren zu wollen.

    Vom 03.12.2018
  • Flugzeuge der Thomas-Cook-Tochter Condor. Condor-Crews stimmen Basen-Aufteilung zu

    Die Condor-Kernflotte soll im kommenden Jahr auf vier Airports konzentriert werden - auch an den anderen Flughäfen gibt es noch "DE"-Verbindungen. Die Mitarbeiter konnten darüber abstimmen. Und haben zum Großteil den Plan abgenickt.

    Vom 22.11.2018

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »