Logistiker will mit PC-12-Frachterflotte in Europa starten

03.06.2019 - 09:02 0 Kommentare

Die Notfall-Logistik braucht schnelle, kleine Flugzeuge, um dringend benötigte Teile effizient zu befördern. Mit einer eigenen Pilatus-PC-12-Flotte will Global Airlift Solutions nun die spezielle Luftfracht-Nische auch hierzulande modernisieren.

Die erste PC-12NG in den Farben der Global Airlift Solutions. - © © Global Airlift Solutions -

Die erste PC-12NG in den Farben der Global Airlift Solutions. © Global Airlift Solutions

Global Airlift Solutions (GAS) will in Europa mit eigenem Fluggerät durchstarten. Der Schweizer Logistiker mit Niederlassungen in Frankfurt, Luxemburg, Shanghai, Hongkong, Houston und Miami setzt dabei auf speziell für Fracht umgebaute Flugzeuge vom Typ Pilatus PC-12 NG.

Das in Europa im kommerziellen Frachtbetrieb bislang noch sehr selten eingesetzte Flugzeugmuster hat laut GAS-Chef Joe Hauff gleich mehrere Vorteile: "Die Pilatus ist schneller als andere Kleinflugzeuge, die aktuell für Adhoc-Charter eingesetzt werden." Anders als größere Flugzeuge könne die einmotorige Maschine zudem fast jeden Flugplatz ansteuern.

Mit einer Zuladung von rund einer Tonnen und einer großen Ladetür ist die PC-12 laut GAS bereits ab Werk ideal für kleine Palettenfracht geeignet, die in der Notfall-Logistik hauptsächlich nachgefragt werde. Seit kurzem sei zudem der kommerzielle Single-Engine-Turbine-IFR-Betrieb überall in Europa erlaubt, was den Einsatz der Maschinen nun im größeren Stil ermögliche.

Flugzeuge werden zum Frachter umgebaut

GAS hat nun eine erste Maschine gekauft, die aktuell zum reinen Frachter umgebaut wird. Bei der einen PC-12 soll es laut Hauff aber nicht bleiben. "In fünf Jahren planen wir mit einer Flotte von rund einem halben Dutzend Flugzeugen", so der Manager. Betrieben werden die Pilatus-Flugzeuge dabei von der finnischen Hendell Aviation, mit der GAS einen exklusiven Vertrag für die Cargo-Sparte abgeschlossen hat.

In Finnland sei die kommerzielle Operations mit der einmotorigen Maschine bereits länger erlaubt, sagt Hauff. Entsprechend viel Erfahrung bringe der finnische Partner nun mit. Ohnehin ist GAS die Zuverlässigkeit besonders wichtig.

Das ist die (der) Pilatus PC-12 NG

Foto: © Pilatus Aircraft Ltd

Die PC-12 NG wird von der schweizerischen Pilatus Flugzeugwerke AG gebaut. Da Flugzeuge in der Schweiz männlich sind, müsste es eigentlich "der" PC-12 heißen.

Das Flugzeug wird von einer Propellerturbine mit 1200 PS angetrieben und kann von einem oder zwei Piloten geflogen werden. Die von GAS zum Frachter umgebaute PC-12 hat sieben Kubikmeter Kabinenvolumen und kann maximal eine Tonne Nutzlast transportieren, die durch die Cargo-Tür mit 1,32 m x 1,35 m Größe verladen wird. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 520 km/h und die Reichweite bei voller Beladung beträgt 2200 km. Das Flugzeug kann auch auf unbefestigten Gras- und Schotterpisten starten und landen. Laut GAS können dadurch in Europa 60 Prozent mehr Flugplätze angeflogen werden, als mit herkömmlichen kleinen Frachtern.

"Gerade in der Notfall-Logistik hängt viel an einem reibungslosen Ablauf", erklärt Hauff. "Wir werden dann beauftragt, wenn dringend benötigte Teile nicht Just-in-Time oder Just-in-Frequence geliefert werden können. Dann müssen wir performen, denn wir sind dann bereits die Notlösung."

Deutsche Autobauer sind wichtigste Kunden

Dabei gehört vor allem die deutsche Automobilwirtschaft zu den Kunden. Neben unvorhersehbaren Problemen in der normalen Lieferkette können auch Qualitätsprobleme bei gelieferten Teilen den Einsatz von Flugzeugen für eine schnelle Lieferung zu Werken innerhalb Europas wichtig werden lassen.

Neben Autoteilen kommen aber auch Ersatzteile und Techniker zur Reparatur von Produktionsmaschinen schnell per Flugzeug zum Kunden – das passiert übrigens auch häufig im Airline-Bereich, wenn beispielsweise ein Flugzeug am Boden steht und wegen fehlender Teile oder Mechaniker nicht wie geplant starten kann.

"Dabei geht es oft um Minuten", weiß Hauff, denn GAS hat dabei schon viel Erfahrung gesammelt. Per Onbord-Kurier bringt die Firma schon jetzt kleinere Ersatzteile zum Kunden. Als Broker chartert GAS zudem meist Kleinflugzeuge für den Transport wichtiger Teile. Mit der eigenen PC-12-Flotte soll dieser Bereich nun weiter ausgebaut werden.

Viele kleine Frachter kommen mittlerweile in die Jahre

Dass sich die Investition lohnt, ist sich GAS-Chef Hauff sicher: "Der Markt ist da, es fehlen nur die Flugzeuge." Die heutigen Standard-Flugzeuge im Frachtbereich wie die Saab 340 oder der Metroliner seien häufig zu groß für die Notfall-Logistik. Vielfach sind diese Maschinen zudem bereits sehr alt, mit allen operativen Nachteilen, die daraus erwachsen. Hinzu kommen laut Hauff die Lärmschutzbeschränkungen für alte Maschinen an den größeren Flughafenstandorten. All das sei für die PC-12 kein Problem.

Die von der Schweizer Pilatus hergestellte Turboprop-Maschine erfreut sich weltweit schon lange großer Beliebtheit. Rund 1800 Flugzeuge sind bereits ausgeliefert. Die meisten fliegen für Fluggesellschaften in Nord- und Südamerika, aber auch in Afrika und Europa gibt es eine Handvoll kommerzieller Betreiber und etliche Privatjet-Charteranbieter. Hinzu kommen Organisationen wie etwa die Flying Doctors in Australien und viele Flugzeuge in militärischer Nutzung.

Von: dh
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