Zukunftsvisionen

LoftyCruiser als fliegendes Luxushotel - Professor träumt von Rückkehr der Luftschiffe

15.04.2007 - 10:00 0 Kommentare

Göttingen (ddp). Von einer Rückkehr des Luftschiffs als fliegendem Fünf-Sterne-Hotel für Weltreisende träumt der emeritierte Professor Fritz Peter Schäfer. 500 000 Euro hat der Göttinger Physiker bereits in eine Machbarkeitsstudie gesteckt. «Die Untersuchung zeigt, dass mein 219 Meter langer, 146 Meter breiter und 73 Meter hoher LoftyCruiser 400 Passagiere sowie die 90 Personen der Crew und des Services aufnehmen kann», sagt der 76-Jährige.

Luftschiffe in sechs Daten

  • Luftschiffe unterscheiden sich vom Flugzeug dadurch, dass sie selbst über Auftrieb verfügen.
  • Sie fliegen daher nicht, sondern schwimmen auf der Luft.
  • Das bekannteste Luftschiff konstruierte Ferdinand Graf von Zeppelin.
  • Sein erster Zeppelin startete im Jahr 1900. Immer wieder kam es jedoch zu verheerenden Abstürzen und Bränden.
  • In Friedrichshafen entwickelt seit 1996 die Zeppelin Luftschifftechnik GmbH «Zeppeline neuer Technologie». Das Unternehmen sicherte sich 2005 das Archivmaterial der insolventen CargoLifter AG.
  • Die USA benutzten bis 1960 Luftschiffe für militärische Zwecke.
Für die Realisierung des ersten Luftschiffs benötigt Schäfers LoftyCruiser GmbH & Co. KG nun 230 Millionen Euro. «Werden weitere Luftschiffe gebaut, sinkt der Stückpreis auf 150 Millionen Euro», sagt der Unternehmer. Sein Problem bestehe darin, dass sich Investoren nach der Insolvenz des deutschen Luftschiffunternehmens CargoLifter AG im Jahr 2002 zurückhielten. Dabei verfüge er im Gegensatz zu CargoLifter über eine technisch ausgereifte Vorplanung.

Schäfers Begeisterung für Luftschiffe wurde durch ein Kindheitserlebnis geweckt. «In meiner Heimatstadt Bad Hersfeld in Hessen hörte ich es als Achtjähriger über mir Brummen», erinnert er sich. 200 Meter über sich sah er einen gewaltigen Zeppelin schweben. Überwältigt blickte der Junge dem Luftschiff nach, bis es hinter dem Horizont verschwand. Im Jahr darauf, 1940, stoppte Nazi-Deutschland den Bau von Zeppelinen. Schäfer dagegen träumte davon, eines Tages Luftschiff-Geschichte zu schreiben.

«Als Professor und Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie hatte ich dafür keine Zeit», bedauert der Wissenschaftler. Als er 1994 in Ruhestand gegangen sei, habe er jedoch sofort mit dem Studium der Aerodynamik begonnen. «Zwei Jahre später während eines Urlaubs auf den Malediven machte ich mich dann erstmals ans Konstruieren», erzählt er.

«Der LoftyCruiser hat anders als der zigarrenförmige Zeppelin eine ellipsoide Gestalt», sagt Schäfer. Das stabilisiere das Luftschiff gegen Seitenwinde. Aufgrund des geringeren Luftwiderstands werde weniger Energie für die Fortbewegung benötigt. Für Auftrieb sorge das Edelgas Helium. Das schließe verheerende Brände aus, die Wasserstofffüllungen beim Zeppelin verursacht hätten. «Die Außenwände bestehen im Unterschied zum Zeppelin nicht aus imprägnierter Leinwand, sondern aus Aluminium- oder Kohlefaserplatten, die auf ein starres Gerüst montiert werden», erläutert er. Eine solche Außenhaut sauge sich weder mit Wasser voll, noch reiße sie leicht ein.

«Gemeinsam mit einem großen Reiseveranstalter habe ich die Nutzung des LoftyCruisers als Kreuzfahrtschiff der Lüfte durchgerechnet», berichtet Schäfer. 400 Passagiere würden für eine einwöchige Weltreise etwa von Frankfurt über Nimes und Casablanca ins südafrikanische Kapstadt jeweils 6000 Euro zahlen. Die in niedriger Höhe fliegenden Luftschiffe böten eine phantastische Aussicht. Das Reiseunternehmen sei begeistert. Nun müssten bloß noch Investoren einsteigen.

Private Investoren seien allerdings nach der CargoLifter-Pleite «sehr zurückhaltend», sagt Berthold Knauer, Leiter des Fachausschusses «Leichter als Luft» bei der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt. Ohne Unterstützung durch die öffentliche Hand sei das Projekt wohl nicht zu realisieren.

Von: Von ddp-Korrespondent Michael Caspar
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