Digital Passenger (13) ( Gastautor werden )

Lieber Kontrolle statt Verbot

25.07.2017 - 08:00 0 Kommentare

Die USA haben den Laptop-Ban aufgehoben, stattdessen wird nun verstärkt kontrolliert. Gut so, meint unser Digital Passenger Andreas Sebayang. Denn im Frachtraum haben die Akkus nichts zu suchen.

Laptops haben im Frachtraum nichts zu suchen, meint Digital Passenger Andreas Sebayang. (Foto: Public Domain) Foto: © Public Domain,

Eine Flugreise ohne Tablet, Notebook oder mobile Spielekonsole? Das kann ich mir heutzutage kaum noch vorstellen. Die Sicherheitsdiskussionen rund um ein potenzielles Laptop-Verbot ließen Schlimmes befürchten. Die Sicherheit hätte dadurch ohnehin nicht gewonnen und Terroristen hätten ihr Ziel trotzdem errreicht: das Terrorisieren der Bevölkerung.

Warum die ganze Aufregung? Es wurde befürchtet, dass ein Sprengsatz in elektronischen Geräten versteckt werden kann. Dieser kann offenbar nicht entdeckt werden und ist für die Kabine so gefährlich, dass es sinnvoller ist, potenzielle Sprengsätze in den Frachtraum zu verbannen.

Akku könnte im Frachtraum andere Akkus entzünden

Doch wem ist dabei geholfen? Niemandem, denn mit den Sprengsätzen landen auch die nicht ungefährlichen Akkus der Elektronik in höherer Anzahl im Frachtraum. Das passiert jetzt zum Glück nicht mehr. Aus Sicherheitsgründen sollte so etwas nur in kleinen Dosen im Bauch eines Flugzeugs verstaut werden. Ein Akkubrand im Frachtraum, der auch andere Akkus entzündet - so hat es uns die Luftfahrtbranche jahrelang beigebracht -, ist gefährlich.

© dpa, Michael Kappeler Lesen Sie auch: Laptop-Ban auf Europa-Flügen in die USA abgewendet

Tatsächlich sind Lithium-Feuer in der Brandbekämpfung kompliziert. Die Temperatur eines solchen Brandes ist sehr hoch und bekannterweise lässt sich so ein Feuer nicht so einfach löschen. Ein Lithium-Ionen-Akku bildet den notwendigen Sauerstoff im Schadensfall nämlich selbst - was die Brände des Samsung-Handys "Galaxy Note 7" samt Stichflammen so gefährlich machte, dass die Mitnahme sogar grundsätzlich verboten wurde.

In der Kabine lässt sich das noch halbwegs handhaben. Weil man es früh erkennt und in gewissen Grenzen kontrolliert brennen lassen kann. Im Frachtraum hingegen fehlt diese Beobachtungsmöglichkeit. Das Personal kann dort nicht einfach einen brennenden Laptop-Akku beiseite schieben ...

Nervig - aber lieber so als ohne

Da stellt sich die Frage, welche Situation tritt zuerst und mit welcher Wahrscheinlichkeit ein? Der brennende Frachtraum mit hunderten Akkus, der durch die terroristische Bedrohung erst möglich wurde? Oder der Terrorist, der in einem elektronischen Gerät im Handgepäck eine Bombe versteckt und unentdeckt durch die Sicherheitskontrollen gelangt?

Die jetzige Lösung mit erneut verstärkter Kontrolle ist natürlich wieder nervig für den Fluggast und einige Fluggesellschaften haben die Check-In-Zeiten deswegen angepasst. Aber lieber so als ohne Laptop, Spielekonsole oder Tablet fliegen. Geschäfts- wie auch Familienreisen bleiben so angenehm.

Über den Autor

In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert Technik-Journalist Andreas Sebayang auf airliners.de den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft.

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: Andreas Sebayang für airliners.de
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