Sparprogramm wird ausgeweitet LH-Töchter sorgen für Gewinnzuwachs

31.10.2012 - 10:54 0 Kommentare

Lufthansa hat im streikbelasteten Sommer dank guter Geschäfte mit Flugzeugwartung und Bordverpflegung einen überraschenden Gewinnsprung hingelegt. Dennoch zieht der Vorstand die Zügel stärker an.

A380-Leitwerke der Lufthansa am Flughafen Frankfurt - © © AirTeamImages.com - Denis Roschlau

A380-Leitwerke der Lufthansa am Flughafen Frankfurt © AirTeamImages.com /Denis Roschlau

Höhere Ticketerlöse und gute Geschäfte mit der Bordverpflegung haben der Lufthansa im Streiksommer 2012 einen überraschenden Gewinnsprung beschert. Weil die Aussichten für das Passagier- und Frachtgeschäft mau bleiben, dreht Europas größte Fluggesellschaft aber erneut an der Kostenschraube. Zusätzlich zum laufenden Sparprogramm "Score" soll das Streckennetz der Kernmarke Lufthansa noch einmal auf den Prüfstand. Für das laufende Jahr erwartet die Konzernführung um Vorstandschef Christoph Franz weiterhin einen operativen Gewinn im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, wie das Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt mitteilte.

Von Juli bis September lief es für die Lufthansa trotz des Flugbegleiter-Streiks und hoher Treibstoffkosten besser als erwartet. Der Umsatz legte um 6,2 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro zu. Der operative Gewinn stieg in den drei Monaten im gleichen Maße auf 648 Millionen Euro, während Analysten mit einem Rückgang gerechnet hatten. Der Überschuss kletterte um 30 Prozent auf 642 Millionen Euro. Dazu trugen auch die vollzogene Trennung vom Verlustbringer BMI sowie Bewertungseffekte bei Treibstoffgeschäften bei.

 Mit den Verlusten aus dem ersten Halbjahr ergibt sich nach neun Monaten ein Konzernergebnis von 474 Millionen Euro, eine Steigerung um 64,6 Prozent gegenüber 2011. Der Umsatz betrug 22,8 Milliarden Euro (plus 6,1 Prozent).

Streik-Effekt aufgefangen

Im Passagiergeschäft profitierte die Gesellschaft vom schwachen Euro, der die Tickets der deutschen Fluggesellschaft in Nicht-Euro-Ländern billiger machte. Weil jedes Ticket im Schnitt 4,5 Prozent mehr Umsatz brachte, konnte die Kernmarke Lufthansa den Streik-Effekt im Sommer mehr als ausgleichen. Der Ausstand der Flugbegleiter Ende August und Anfang September kostete das Unternehmen 33 Millionen Euro. Dennoch verdiente die Marke mit dem Kranich 80 Millionen Euro und damit gut ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor. Auch bei der Catering-Tochter LSG Sky Chefs lief es besser, während vor allem die Frachtsparte Cargo unter der schwächeren Weltwirtschaft zu leiden hatte.

Zufrieden ist die Konzernspitze mit den Ergebnissen nicht, auch wenn sie die Zahlen immerhin "respektabel" nannte. "Wir haben nicht die Ertragskraft erzielt, die wir brauchen, um notwendige Investitionen tätigen zu können", sagte Franz. Das Umfeld wird aus Sicht des Vorstands nicht besser: Für den Rest des Jahres erwartet die Konzernspitze größere Unsicherheiten beim Ticketabsatz. Schon warteten die Kunden immer länger mit der Buchung ihrer Flüge.

Sparprogramm wird ausgeweitet

Das laufende Sparprogramm "Score", das den operativen Gewinn bis 2015 um 1,5 Milliarden Euro verbessern soll, reicht nach Ansicht des Managements nicht aus. Weitere Maßnahmen sollten "einen nachhaltigen Turnaround in der Ergebnisentwicklung" erreichen, heißt es im Geschäftsbericht. Dazu soll der Umfang des Flugangebots bei der Kernmarke erneut auf den Prüfstand, ebenso das Streckennetz. Außerdem sollen geschäftliche Strukturen weiter vereinfacht werden.

Die Lufthansa will bereits 3.500 Stellen in der Verwaltung abbauen und rund 700 Jobs aus Deutschland ins Ausland verlagern. Außerdem trifft die geplante Verlagerung des Europa-Direktverkehrs zur Billigtochter Germanwings auf Widerstand bei den Arbeitnehmern. Zudem kündigte die Lufthansa ihrem langjährigen Regionalpartner Augsburg Airways zum kommenden Winterflugplan 2013/14.

Von: dpa-AFX, dpa
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