LGW diskutiert Cockpit-Umbesetzung

Exklusiv 15.06.2018 - 14:00 0 Kommentare

Bei der Eurowings-Tochter LGW fehlen nach airliners.de-Informationen Co-Piloten für die Airbus-Flugzeuge. Daher wird diskutiert, die Cockpits fortan mit zwei Kapitänen zu besetzen. Für das Verfahren gibt es bereits Beispiele.

Im Cockpit einer A320: LGW kämpft offenbar mit Personalmangel. - © © AirTeamImages.com - Olivier Corneloup

Im Cockpit einer A320: LGW kämpft offenbar mit Personalmangel. © AirTeamImages.com /Olivier Corneloup

Eurowings will wohl im Cockpit der Tochter LGW die Rollen neu besetzen: So plant die Lufthansa-Billigplattform dort, Kapitäne mit der Right-Hand-Seat-Einweisung als Co-Piloten einzusetzen. Dies erfuhr airliners.de aus Unternehmenskreisen. Auch liegt unserer Redaktion eine "interne Stellenausschreibung für Kapitäne (A32F) zum vorübergehenden Einsatz als Erster Offizier" vor.

Sprich statt eines Kapitäns und eines Co-Piloten (First Officer, FO) nehmen zwei Kapitäne Platz - der eine rechts auf dem FO-Sitz. Angetrieben wird die Debatte den Informationen nach von einem akuten Pilotenmangel. Über die Diskussion ist in dieser Woche die Personalvertretung informiert worden. Eine offizielle Bestätigung für die Pläne gibt es nicht.

Quelle: Zahl der Airbus-Co-Piloten bei LGW nimmt ab

LGW betreibt aktuell zwar neben den 20 Dash-Turbopropflugzeugen auch mehr als ein Dutzend Airbus-Maschinen. Doch für die erst im Dezember eingeführten Flugzeugtypen A319 und 320 fehlen laut der Quellen schlicht Co-Piloten.

So soll LGW aktuell jeweils 90 Kapitäne und Co-Piloten für die Dash-8-Flugzeuge beschäftigen. Demgegenüber schmilzt die Anzahl der Airbus-Piloten hingegen stetig: Noch circa 40 Kapitäne und 20 Kopiloten seien für die 13 im LGW-AOC eingetragenen Flugzeuge der A320-Familie vorhanden, heißt es in Kreisen.

Maschinen werden wohl umregistriert

Laut Flugplandaten bringt LGW seit Anfang Juni zehn Flugzeuge der A320-Familie regelmäßig in die Luft. Alle anderen bislang auf LGW zugelassenen Maschinen würden "im Eiltempo" auf andere Eurowings-AOCs umregistriert werden - "immer da, wo langfristig Personal verfügbar ist", sagt ein Pilot zu airliners.de.

Mit dem Luftfahrt-Bundesamt (LBA) sei zudem ausgehandelt, dass LGW fünf Mitarbeiter pro Funktion je Flugzeug vorhalten muss: eine Crew für morgens, eine für nachmittags, eine ist rechnerisch für den Krankheitsfall vorzuhalten, eine hat Off-Zeiten und so weiter. Die Zahl von zehn operierenden Airbus-Jets ist bei einem Crewfaktor von fünf bei der jetzigen Personaldecke gemäß Urlaubs-, Standby- und Off-Zeiten sowie Krankenquote schlicht nicht zu halten, warnen Mitarbeiter.

Quelle: eigene Recherchen, Darstellung: airliners.de

Eurowings teilt auf Anfrage mit, dass man sehr zufrieden sei, wie LGW das für sie geplante Programm aktuell abfliege. Gerüchte über Personalprobleme kontert man mit dem Hinweis, dass man bei allen Eurowings-Flugbetrieben nach dem Air-Berlin-Marktaustritt rund 2500 Kabinen- und 900 Cockpitcrews eingestellt habe.

Maßnahme findet auch bei Germanwings Einsatz

Doch der offenbare Mangel könnte Konsequenzen haben: "Langfristig sind so maximal vier Maschinen in die Luft zu bringen", beschreibt es eine mit der Sache vertraute Person. "Mit Nutzung der Right-Hand-Seat Einweisung könnten es fünf bis sechs sein." Denn parallel zur Rekrutierung neuer FOs könnte das Cockpit mit zwei Kapitänen besetzt sein - sprich einer von ihnen muss auf dem rechten Sitz Platz nehmen.

Eben jenes Verfahren kommt nach airliners.de-Informationen bereits seit Jahresanfang bei Germanwings zum Einsatz - denn dort fehlen ebenfalls Co-Piloten. Damit der Flugbetrieb weiter aufrechterhalten werden kann, sieht die zwischen Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und Lufthansa-Management beschlossene Perspektivvereinbarung (PPV) unter anderem jene ansonsten eher unübliche Methode vor.

Vergütung unter Eurowings-Niveau?

Der Personalmangel im Cockpit kommt nicht von ungefähr, berichten LGW-Mitarbeiter. Demnach hätten sich viele nach der Air-Berlin-Pleite und noch bevor die Übernahmefreigabe der EU kam, nach anderen Jobs umgesehen: "Praktisch jeder, der anderswo genommen wird, verlässt LGW noch in der Probezeit wieder."

Die Eurowings-Flugbetriebe

Unter Eurowings-Flugcode operieren neben der Düsseldorfer Eurowings noch die österreichische Eurowings Europe, Germanwings sowie LGW und auf der Langstrecke Brussels sowie Sun Express. Außerdem betreibt Tuifly in einem langfristig angelegten Wet-Lease unter anderem die Basis in Nürnberg.

Für die laufende Woche ergibt sich folgende Verteilung der Kapazitäten:

Quelle: ch-Aviation, eigene Berechnung | Darstellung: airliners.de

LGW führt in dieser Woche knapp 1100 Flüge unter "EW"-Flugnummer durch - gut ein Fünftel des gesamten Flugplans der Lufthansa-Billigplattform. Fast jede vierte LGW-Verbindung sollte in einem Airbus-Jet der ehemaligen Air-Berlin-Tochter stattfinden.

Doch dass die Personaldecke der LGW schrumpft, sei kein "LGW-Problem", sondern typisches Kennzeichen der Nach-Air-Berlin-Zeit: "Der Markt ist extrem in Bewegung", berichtet ein Pilot. Doch: "Der Hauptgrund für die Kündigungen ist zu 90 Prozent die nicht auf Eurowings-Niveau liegende Vergütung. Alle hatten große Hoffnung in die neue Eigentümerin gesetzt und fühlen sich nun ein wenig im Stich gelassen", so ein Insider.

Auch dass bei der seit fast einem Jahrzehnt für Air Berlin geflogenen LGW mal anderes Fluggerät als die Turboprop-Flugzeuge zum Einsatz kommt, ist so bisher nicht in Tarifverträgen berücksichtigt. Bislang sträubt sich die Eurowings-Spitze nach Gewerkschaftsangaben gegen eine Neuregelung, die unter anderem Zuschläge für Airbus-Einsätze vorsieht.

Mehrbelastung laut Gewerkschaft "überschaubar"

Doch die sei dringend notwendig, die Gewerkschaft rechnet vor: Die Gehaltstabellen von LGW und Eurowings (sowohl Deutschland, als auch der österreichischen Europe) lägen, je nach Stufe, die man betrachtet, bis zu 30 Prozent auseinander. "Insbesondere 'frische' Co-Piloten und Kapitäne steigen bei LGW wesentlich unter der Eurowings-Vergütung ein."

In den Tabellen gäbe es aber auch viele Überschneidungen, "sodass man an und für sich mit etwas Kreativität problemlos das Personal mit den bestehenden Vergütungsansprüchen in die Eurowings-Tabelle überführen könnte". Die Mehrbelastung dadurch ist nach Gewerkschaftsangaben überschaubar. Bei Eurowings heißt es dazu, dass man laufende Tarifgespräche nicht kommentieren will.

© Eurowings, Lesen Sie auch: Das ist die Tarifsituation bei Eurowings Überblick

Von: cs
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Dash-8 von Eurowings. Eurowings-Kurs verunsichert LGW-Mitarbeiter

    Eurowings wirbt bei ihrer Schwester LGW Piloten ab - dabei fliegen jene Cockpit-Crews bereits unter "EW"-Flugnummer. Dies treibt intern Gerüchte, dass die ehemalige Air-Berlin-Tochter nicht mehr lange bestehen wird.

    Vom 27.07.2018
  • Maschinen von Germanwings (links) und Eurowings: Die Lufthansa-Billigtöchter rücken noch näher zusammen. Germanwings rückt näher an Eurowings

    Germanwings fliegt komplett für Eurowings. Dennoch können Piloten von dort ins Cockpit der Mutter Lufthansa wechseln. Das soll nun nicht mehr möglich sein - zumindest für Neueinsteiger.

    Vom 06.08.2018

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »