LGW-Belegschaft schaut vorsichtig optimistisch in die Zukunft

07.06.2019 - 16:38 0 Kommentare

Nach der Ankündigung von Eurowings zum Verkauf der LGW war die Stimmung unter den Mitarbeitern der Regional-Airline mies. Unter dem neuen Eigentümer Zeitfracht kehrt jetzt aber die Zuversicht zurück, während sich das Unternehmen neu sortiert.

Ein Aufkleber "Operaded by LGW" an einer Dash-8 Maschine.

Ein Aufkleber "Operaded by LGW" an einer Dash-8 Maschine.
© LGW

Embraer 190 in den Farben der WDL.

Embraer 190 in den Farben der WDL.
© WDL

Die beiden Airlines im Besitz der Zeitfracht-Gruppe, WDL und LGW, sollen vorerst einen getrennten Flugbetrieb aufrecht erhalten und nicht zusammengelegt werden. Eine entsprechende Ankündigung der Geschäftsführung bestätigte Janis Schmitt, Pilot bei der Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW) und Sprecher der Vereinigung Cockpit (VC) jetzt gegenüber airliners.de.

Zwar würden die Flotten der beiden Wet-Lease-Spezialisten demnächst angeglichen - ab 2022 sollen beide nur noch mit Embraer E190 fliegen - woraus sich laut Schmitt selbstverständlich neue Einspar- und Kooperationsmöglichkeiten ergeben.

Jedoch geht die Pilotengewerkschaft davon aus, dass Zeitfracht beiden Fluggesellschaften unterschiedliche Rollen zuweist. So sähen die Planungen bisher vier E190 für WDL und 15 bis 20 für LGW vor.

Piloten freuen sich auf neue Jets

Aus Pilotensicht begrüßen die LGW'er die Flottenumstellung, die bereits in diesem Jahr anläuft, so Schmitt. Es sei gut für die Karriereperspektiven der Piloten, nach den Dash-8-Turboprops auch Jets zu fliegen. Auch sei man zuversichtlich, mit den Embraer-Maschinen weiterhin auch für die Lufthansa-Gruppe beziehungsweise Eurowings ein attraktiver Leasing-Anbieter zu bleiben.

Für Branchenbeobachter macht es aber wenig Sinn, auf den derzeit von LGW für Eurowings bedienten Strecken ab 2021 wieder Gerät aus der A320-Familie einzusetzen. Dieses sei unter Umständen zu groß um beispielsweise viermal am Tag Düsseldorf-Salzburg zu fliegen. Wolle die Lufthansa Group die entsprechenden Slots dennoch behalten, biete sich LGW an.

Dennoch steht die LGW aus Sicht des Gewerkschafters Schmitt trotz der aktuell wieder stabileren Zukunftsaussichten einigen Herausforderungen gegenüber. So seien für die Zeit der Einflottung der E190 mehr Piloten nötig. Derzeit seien entsprechend qualifizierte Piloten nur schwierig zu bekommen.

Laut Vereinigung Cockpit hat die Zeitfracht-Geschäftsführung zudem angekündigt, auch die WDL-Mitarbeitern mit vergleichbaren Tarifverträgen auszustatten wie sie mit dem Kauf von LGW übernommen worden. Diese seien auch nach dem Eigentümerwechsel weiter gültig wie Schmitt betont. Wann die Tarif-Angleichung zwischen WDL und LGW wirklich kommt, werde sich zeigen, sagte Schmitt: "Wir sind jedenfalls gespannt."

LGW-Crews sollen Umziehen

Ganz anders wiederum sieht die Situation beim Kabinenpersonal aus. LGW bietet vor allem in Berlin und Umland lebenden Mitarbeitern finanzielle Anreize, wenn sie an die derzeit wichtigsten Einsatzstandorte in Düsseldorf und Stuttgart umziehen. Damit will die Airline die Kosten reduzieren, die aktuell durch das Pendeln der Crews zu ihren Einsatzorten entstehen.

Der starke Personalüberhang in Berlin und teils auch in Nürnberg rührt aus der für LGW bewegten Zeit nach der Air-Berlin-Pleite. Nach der Übernahme durch die Lufthansa Group Ende 2017, betrieb die Airline praktisch über Nacht neben ihren 20 Turboprop-Flugzeugen auch 13 Airbus A320 im Wet-Lease für Eurowings. Die zugehörigen Mitarbeiter wurden mit unbefristeten Verträgen übernommen.

© LGW, Lesen Sie auch: LGW will Mitarbeiter mit finanziellen Anreizen zum Umzug bewegen

Nachdem Eurowings die in Tegel und Stuttgart stationierten A320 wieder von der LGW abzog und zudem die LGW-Flotte von 20 auf 17 Dash-8 verkleinerte, ergab sich der Personalüberhang in Berlin. Aktuell fliegen die Dash-8 vor allem von Düsseldorf und Stuttgart aus.

Zwar wechselte ein Teil des Kabinenpersonals zu Eurowings, doch längst nicht alle wollten ein entsprechendes Angebot annehmen. Neben dem Wechsel an LGW-Standorte können die Kabinencrews aber auch zur neuen Schwester WDL nach Köln wechseln, ohne sich zu verschlechtern.

© Eurowings, Lesen Sie auch: Eurowings verkauft LGW an Zeitfracht

Von: dk
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