Level Playing Field bleibt vorerst weiterhin Illusion

Exklusiv 02.06.2016 - 15:15 0 Kommentare

Kann es in der Luftfahrt gleiche Wettbewerbsbedingungen geben, ein "Level Playing Field"? Diese Frage stand im Zentrum eines Fachgesprächs von airliners.de auf der ILA Berlin Air Show.

Ralf Schmid, Daniel Burkard, airliners.de-Chefredakteur David Haße, Uwe Kotzan und Ludger van Bebber (von links) beim airliners.de-Fachgespräch auf der ILA Berlin Air Show 2016.

Ralf Schmid, Daniel Burkard, airliners.de-Chefredakteur David Haße, Uwe Kotzan und Ludger van Bebber (von links) beim airliners.de-Fachgespräch auf der ILA Berlin Air Show 2016.
© airliners.de - Gunnar Kruse

Tomislav Lang, Jan-Philipp Görtz, David Haße, Stefan Lutz Pampel und Prof. Christoph Brützel (v.l.) beim airliners.de-Fachgespräch.

Tomislav Lang, Jan-Philipp Görtz, David Haße, Stefan Lutz Pampel und Prof. Christoph Brützel (v.l.) beim airliners.de-Fachgespräch.
© airliners.de - Gunnar Kruse

Gleiche Wettbewerbsbedingungen für die Luftfahrtbranche werden vielfach gefordert. Wann und ob diese überhaupt erreicht werden können, stand im Mittelpunkt eines airliners.de-Fachgesprächs auf der ILA Berlin Air Show.

Uwe Kotzan, Chef des Flughafens Erfurt-Weimar, beklagte, "dass der Wettbewerb der Airlines auf dem Rücken der Airports ausgetragen wird". Zudem werde in der politischen Diskussion die Verkehrsinfrastruktur-Funktion kleinerer Flughäfen gern vergessen. Dabei dürfe die dezentrale Struktur nicht geschwächt werden.

Eine Verkehrslenkung sei zwar schlecht möglich, ergänzte sein Amtskollege vom Flughafen Weeze, Ludger van Bebber. Passagierkapazitäten seien aber zu managen. So erfülle sein Airport mit rund zwei Millionen Fluggästen im Jahr bereits jetzt eine Ventilfunktion zum rund 70 Kilometer entfernten Flughafen Düsseldorf.

Ob der fast ausschließlich von Gesellschaftern aus der Wirtschaft getragene Flughafen Memmingen eine Blaupause für anderen Regionalairports sein könnte, vermochte dessen Chef Ralf Schmid nicht zu sagen. Nach dem Ende der militärischen Nutzung des Flughafens habe sich die Politik weggeduckt, stattdessen sei eben die Wirtschaft eingesprungen.

© airliners.de, Gunnar Kruse Lesen Sie auch: Dobrindt will Luftverkehrskonzept noch im Sommer vorstellen

Wie Wirtschaft und Politik die Rahmenbedingungen bestimmen, erläuterten beispielhaft die weiteren Podiumsgäste. So verwies Daniel Burkard, Director Non Aviation am Flughafen Moskau-Domodedowo, auf deutlich geringere Produktionskosten in Russland als in Deutschland. Zudem gebe es keine regulativen Einschränkungen wie beispielsweise Nachtflugverbote.

Luftverkehrsabkommen bremst Hainan Airlines

Die gibt es hingegen für Hainan Airlines: Die chinesische Fluggesellschaft würde gern öfter nach Deutschland fliegen, doch das gebe das derzeitige Luftverkehrsabkommen nicht her, so Account Manager Stefan Lutz Pampel. Allerdings würden chinesische Touristen nicht unbedingt Deutschland, sondern eher Europa als Reiseziel haben. Und so würden die Flüge eben in die Länder mit den besten Rahmenbedingungen gehen.

Dabei ist Wettbewerb für Jan-Philipp Görtz, Leiter des Berliner Büros Konzernpolitik der Lufthansa, gut, "solange es gute Regeln und Schiedsrichter gibt". Ein Level Playing Field werde es aber nicht geben, solange es verschiedene Staaten gebe.

Für Tomislav Lang, Chief Operating Officer von Europstar, ist eine europäische Sicht auf die Dinge das Gebot der Stunde. Das gelte ebenso für die Bedarfsfliegerei, aber auch für die großen Carrier.

Fachvorträge der airliners.de-Kolumnisten

Neben den Podiumsrunden waren auch airliners.de-Kolumnisten mit Vorträgen beim Fachgespräch dabei. Luftrechtsexpertin Nina Naske verwies unter anderem auf den Streit zwischen den USA und Europa über die Frage, ob die jeweiligen Flugzeugbauer Boeing beziehungsweise Airbus nun unzulässige staatliche Beihilfen erhalten oder nicht.

In den Augen von Prof. Christoph Brützel ist derzeit die Crux, dass in manchen Ländern der Luftverkehr als gewinnorientiertes Geschäft und in anderen als öffentliche Aufgabe betrachtet wird. Dementsprechend werde agiert - doch funktionierender Wettbewerb setze harmonisierte Rahmenbedingungen voraus.

Und auch aus Sicht des Verkehrsexperten Manfred Kuhne gibt es derzeit kein Level Playing Field. Der Markt sei allerdings in Bewegung, die Liberalisierung schreite weiter voran, beispielsweise im Low-Cost-Verkehr. Diese Entwicklung sei nicht zu bremsen, so Kuhne.

Von: gk
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