Literaturtipp

Von Elefanten-Vibratoren und Nutella-Explosionen im Flughafen Tegel

22.09.2015 - 10:01 0 Kommentare

Er ist nicht der größte, aber ein sehr beliebter Flughafen: Der Airport Tegel in Berlin. Das Buch "Letzter Aufruf Tegel" erinnert nun an die schönen und vor allem menschlichen Seiten des Flughafens.

"Letzter Aufruf Tegel" beinhaltet zahlreiche Anekdoten zum Flughafen Berlin-Tegel.

"Letzter Aufruf Tegel" beinhaltet zahlreiche Anekdoten zum Flughafen Berlin-Tegel.
© be.bra Verlag

Der Flughafen Tegel in Berlin

Der Flughafen Tegel in Berlin
© airliners.de - Christian Höb

Seit 1988 trägt der Flughafen Berlin-Tegel den Beinamen "Otto Lilienthal".

Seit 1988 trägt der Flughafen Berlin-Tegel den Beinamen "Otto Lilienthal".
© Flughafen Berlin Brandenburg GmbH/Archiv

Flugzeuge stehen auf Parkpositionen des Flughafens Berlin-Tegel.

Flugzeuge stehen auf Parkpositionen des Flughafens Berlin-Tegel.
© dpa - Ralf Hirschberger

Die einen werden jubeln, die anderen Tränen vergießen: In zwei bis drei Jahren soll - nach der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER - der alte Flughafen Tegel geschlossen werden. Was den Bewohnern in der Einflugschneise in Wedding wieder mehr Ruhe beschert, lässt die anderen bereits jetzt trauern. Obwohl der übersichtliche Flughafen seit Jahren überfüllt und auch organisatorisch und technisch längst überholt ist, lieben ihn seine Fans.

Sie schätzen die Nähe zur West-Berliner Innenstadt und die kurzen Wege im Flughafen. Jetzt ist ein neues Buch erschienen, das die Geschichte von Tegel, den dort arbeitenden Menschen und den Passagieren würdigt: "Letzter Aufruf Tegel" von den Schwestern Julia und Evelyn Csabai.

Die beiden Autorinnen arbeiten am Flughafen

Der Untertitel gibt die Richtung der 303 Seiten vor: "Geschichten vom tollsten Flughafen der Welt." Die beiden Autorinnen arbeiten seit mehr als 20 Jahren in einem Nebenjob am Airport, sie machen Umfragen im Auftrag der Flughafengesellschaft. Mit dem verschobenen Eröffnungstermin des Hauptstadtflughafens fiel ihre Entscheidung, ein Buch über Tegel zu schreiben.

"Jeder merkte, wie sehr er Tegel liebte", schreiben die Schwestern über die Stimmung 2012. Gesammelt haben sie vor allem Anekdoten: über Stammkunden, verlorenes Gepäck, Zollprobleme, Abschiede und Wiedersehen, menschliche und technische Katastrophen, Sicherheit, Prominente und Schmutziges.

Sex im Wickelraum und andere kuriose Geschichten

Abfertiger, Toilettenfrauen und Kellner berichten aus ihren Perspektiven über das Leben und Arbeiten am Flughafen. Was passiert etwa, wenn vergessene Koffer voller Tomaten oder Nutella aus Sicherheitsgründen gesprengt werden? Wie geht man mit der Zweckentfremdung des Wickelraums durch sexuell aktive Fluggäste um?

Ein Sicherheitsmann stellt fest: "Die Ausbildung bei der Flugsicherheit ist auch eine Ausbildung in Sachen Erotik." Was auf dem Röntgenschirm wie ein Sprengkopf aussah, entpuppte sich als Riesen-Vibrator - eingesetzt, um Elefantenkühe paarungswillig zu machen.

Flughafen Berlin-Tegel aus der Vogelperspektive. Foto: FOTODÜSE, Thomas Düsterhöft

Es geht um Prominente und Choleriker, die beide an Flughäfen unvermeidlich sind. Der vom Bodenpersonal gefürchtete Passagier war vor Jahrzehnten ein Mann mit besonderen Beziehungen, der immer zu spät kam, aggressiv wurde und herumpöbelte. An den Schaltern wurde er gehasst und man nannte ihn "Übelkrähe". Wer der Mann war, verraten die Autorinnen nicht. Bekannt ist allerdings, dass der frühere Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Wohlrabe von seinem SPD-Widersacher Herbert Wehner mit diesem Namen tituliert wurde.

Zwischen den menschlichen Anekdoten stecken interessante und amüsante historische Details. Wie die Abwicklung der Pan-Am-Mitarbeiter an den Schaltern zugunsten der Lufthansa, die nach der Wiedervereinigung wieder nach Berlin fliegen durfte, für Depressionen sorgte. Nicht nur die neuen Gehälter frustrierten die Angestellten, auch die Uniformen verloren an Glanz. Oder wie die Umstellung auf Nichtraucher-Flüge Schlägereien beim Einchecken auslöste.

© Flughafen Berlin Brandenburg GmbH/Archiv, Lesen Sie auch: Berlin-Tegel ist der Quickie-Flughafen Europas

In den meisten Erzählungen schwingt die Wehmut vieler West-Berliner mit, die auch dem alten Flughafen Tegel gilt, wenn er in absehbarer Zeit schließt.

Einige Anekdoten weniger hätten dem Buch sicher nicht geschadet. Amüsant ist dafür auf jeden Fall die Bildunterschrift zu einem Foto des legendären Sechsecks des Hauptterminals von Tegel: "Gewöhnungsbedürftig, die achteckige Architektur".

Fakten zum Buch

Letzter Aufruf Tegel! Geschichten vom tollsten Flughafen der Welt
von Julia und Evelin Csabai

304 Seiten, 62 Abbildungen
Erschienen im be.bra verlag
Das Buch kostet 9,95 Euro und ist unter anderem bei Amazon und Thalia.de erhältlich.

Von: ch, dpa
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