Leipziger Gemeinschaftsunternehmen Ruslan Salis vor Auflösung

09.09.2016 - 11:00 0 Kommentare

Im Auftrag der Ruslan Salis GmbH werden Frachtflüge per Großtransporter ab Leipzig/Halle durchgeführt. Doch das Gemeinschaftsunternehmen steht vor dem Aus. Grund ist ein Konflikt zwischen Antonow und Volga-Dnepr-Airlines.

Eine Antonow 124 steht auf dem Vorfeld des Flughafens Leipzig/Halle - © © dpa - Jan Woitas

Eine Antonow 124 steht auf dem Vorfeld des Flughafens Leipzig/Halle © dpa /Jan Woitas

Das Leipziger Unternehmen Ruslan Salis, bei dem die russische Volga-Dnepr und ukrainische Antonow Airlines die Kapazität stellen, steht vor dem Aus. Letzter Geschäftstag ist vermutlich der 31. Dezember dieses Jahres, schreibt das Fachportal "Cargo Forwarder Global". Demnach habe das Antonow-Management die Nutzer der Flieger bereits vor gut drei Monaten informiert, dass die Fluggesellschaft das Mitwirken bei Ruslan Salis zum Ende dieses Jahres einstellen wird. Im Auftrag von Ruslan Sulis werden seit nunmehr zehn Jahren Frachtflüge per Großtransporter AN-124 vom Standort Leipzig/Halle aus durchgeführt.

Kommt es so, wie von Antonow angekündigt, würde das Leipziger Unternehmen Opfer eines Konflikts zwischen der ukrainischen Antonow Airlines und der russischen Volga-Dnepr-Airlines. Auslöser ist die jetzt gemachte öffentliche Ankündigung von Antonow-Chef Alexander Kotsuba, jegliche Form der Zusammenarbeit zwischen seiner Firma und der russischen Flugzeugindustrie einzustellen.

Kotsuba begründet seinen Schritt damit, dass die russischen AN-124-Betreiber - das ist vor allem die private Volga-Dnepr-Group und das russische Militär - die Wartung und Überholung der Frachter von Flugzeughersteller Iljuschin und anderen im Land ansässigen Luftfahrtbetrieben vornehmen ließen. Dies verstoße eklatant gegen bestehende Verordnungen und Sicherheitsgesetze. Als Entwickler des Flugzeugtyps besitze Antonow die Lizenzen für die Bauteile. Diese seien nicht an russische Luftfahrtbetriebe abgetreten worden, weshalb Nachbauten illegal seien.

Antonow spricht von "illegalen" Aktivitäten

Bei größeren technischen Wartungen der russischen AN-124-Frachter - wie etwa C- oder D-Checks - würden Geräte und Komponenten ausgetauscht, die aus russischen Quellen stammten und damit nicht den Originalteilen Antonows entsprächen. Dies sei gesetzeswidrig und mit internationalen Sicherheitsbestimmungen unvereinbar, weshalb Antonow einen Bann gegen die Frachter für alle Flüge außerhalb des russischen Territoriums verfügen werde, kündigte er an.

Dies geschehe unter Einbindung der Iata, der Icao sowie der jeweiligen nationalen Luftfahrtbehörden. Als Ausweg aus dieser Situation bleibe den russischen AN-124-Betreibern nur die Möglichkeit, ihre Frachter bei Antonow am Standort Kiew warten zu lassen. Es ist nicht der erste Disput zu Luftverkehrsfragen zwischen der Ukraine und Russland, wie das gegenseitige Verbot zum Überfliegen ihrer Hoheitsgebiete für Airlines des jeweils anderen Landes beispielsweise belegt.

Der heraufziehende Grundsatzkonflikt beider Ruslan-Salis-Partner dürfte die westlichen Nutzer der von Antonow und Volga-Dnepr in das Leipziger Gemeinschaftsunternehmen eingebrachten Transportkapazität in arge Bedrängnis bringen. Teilweise, das zeigt die Vergangenheit, werden bis zu acht Frachter gleichzeitig benötigt, um Massentransporte zu erledigen. Dies etwa für humanitäre Zwecke, bei Katastrophensituationen zur Versorgung der betroffenen Bevölkerung und insbesondere zur materiellen Unterstützung von schnellen Eingreiftruppen, die von der Nato und/oder EU in Krisengebiete entsandt wurden.

Nicht nur die Nato hat Bedarf

Ständigen bedarf an der Transportkapazität von teilweise bis zu acht Großfrachtern vom Typ AN-124 haben die meisten EU-Staaten sowie einige dem Verbund angeschlossene Länder wie Norwegen oder Island. Hinzu kommt die Mehrheit der Nato-Mitglieder, die als Nato Maintenance and Supply Agency (Namsa) gemeinsam mit den europäischen Partnerstaaten einen langfristigen Beförderungsvertrag mit Ruslan Salis abgeschlossen haben.

Als Lösung denkbar sei die Aufteilung von Ruslan Salis in zwei unabhängige Firmen mit eigener Ergebnisverantwortung, schreibt "Cargo Forwarder Global". Damit könnten separate Verträge, sowohl mit Antonow als auch Volga-Dnepr, abgeschlossen werden. Dies dürfte aber nur greifen, wenn Antonow auf den internationalen Bann russischer AN-124 Frachter verzichtet und speziell Volga-Dnepr ihre Flieger tatsächlich in Kiew oder zumindest von Antonow-Personal an neutralem Standort technisch warten lässt.

Sollte es zu keiner Lösung kommen, hätten Nato und EU ein massives Transportproblem. Denn es gibt keine adäquaten Ersatzfrachter. Und bis zum Masseneinsatz des im Vergleich zur großen AN-124 deutlich kleineren Airbus-Transporters A400M dürften wegen ständig neuer technischer Pannen noch Jahre vergehen.

Von: Heiner Siegmund
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