Leipzig bekommt neue Fracht-Airline

27.08.2018 - 14:59 0 Kommentare

Die geplante Cargo Logic Germany soll in Leipzig/Halle mit zunächst drei Frachtmaschinen an den Start gehen. Jetzt hat die Fluggesellschaft ihre Betriebsgenehmigung vom Luftfahrt-Bundesamt beantragt.

Beladung einer Antonov 124 der Volga-Dnepr am Flughafen Leipzig/Halle - © © dpa - J. Woitas

Beladung einer Antonov 124 der Volga-Dnepr am Flughafen Leipzig/Halle © dpa /J. Woitas

Eine neue Frachtfluggesellschaft hat die amtliche Betriebserlaubnis (Air Operator’s Certificate – AOC) vom Braunschweiger Luftfahrt-Bundesamt (LBA) beantragt. Die Airline soll Cargo Logic Germany (CLG) heißen, die Unterlagen wurden von der Beratungsfirma Cargo Logic Management (CLM) eingereicht, die ihren Sitz in London hat und zur schnell wachsenden russischen Volga-Dnepr-Gruppe gehört. Dies berichtet das Fachportal "Cargo Forwarder Global" in seiner jüngsten Ausgabe unter Berufung auf Ulrich Ogiermann, den Operations-Chef der Beratungsfirma.

Wer die Eigentümer der neuen Airline sind, blieb zunächst unklar. Eine Frachtgesellschaft namens Cargo Logic Air gibt es seit 2015 in Großbritannien. Ogiermann machte auf Nachfrage keine näheren Angaben über die Antragsteller und verwies auf gebotene Diskretion in einem laufenden Antragsverfahren. Eine Anfrage beim Luftfahrt-Bundesamt in dieser Sache sei unbeantwortet geblieben, so "Cargo Forwarder Global".

Drei Boeing 737-400F geplant

Die Rekrutierung von Piloten für Cargo Logic Germany ist laut Ogiermann bereits angelaufen. Mit den Crews sollen drei geleaste und von Passagierflugzeugen zu Frachtern umgebaute Boeing 737-400F bereedert werden, deren Anschaffung bis Ende 2018 geplant sei.

Über die Lackierung der Rümpfe sei noch nicht entscheiden worden, doch werden sie äußerlich den Fliegern der russischen Frachtlinie Air Bridge Cargo Airlines und ihrer unter britischer Lizenz fliegenden und damit juristisch eigenständigen Schwestergesellschaft Cargo Logic Air ähneln, deutet der Manager an.

"Wir beginnen in Leipzig zunächst mit einer begrenzten Anzahl an Flugzeugen, stocken die Flotte aber auf, sollte die Marktlage dies erfordern", kündigt Ogiermann an.

Eine Boeing 747-8F der britschen Cargo Logic Air. Foto: © Cargo Logic Air

Keine Probleme bei der Genehmigung erwartet

Wann exakt die Frachter an den Start gehen können, sei derzeit noch offen, so der Manager, da dies von der Erteilung des AOC durch das Luftfahrt-Bundesamt abhänge. "Wir arbeiten uns diesbezüglich sehr systematisch Schritt für Schritt voran, in klarer Koordination mit dem LBA und gemäß den behördlichen Vorgaben", sagte er.

In Sachen AOC-Erteilung sieht er aber keine juristischen Hürden. Der dem LBA vorliegende Antrag erfülle sämtliche formalen Kriterien für Fluggesellschaften, die eine Betriebsgenehmigung in einem EU-Mitgliedsland anstreben, hebt er hervor.

Fokus auf E-Commerce-Sendungen

Zentrale Geschäftstätigkeit der neuen Frachtlinie soll die Beförderung von Sendungen im schnell wachsenden Handelssegment E-Commerce sein, erklärte Ogiermann. Allerdings sei über das von Leipzig aus zu bedienende Netzwerk derzeit noch nicht entschieden worden. Es werde im Kern aber aus innereuropäischen Kurz- und Mittelstrecken bestehen, zwecks schneller Vernetzung der Umschlagzentren des elektronischen Warenhandels.

Der Gesprächspartner

© Heiner Siegmund

Ulrich Ogiermann ist Senior Vice President Operations von Cargo Logic Management. Der 56-Jährige ist in der Welt des globalen Luftfrachtverkehrs bestens vernetzt. So war der in Hanau geborene Manager jahrelang in führender Position bei der Lufthansa Cargo. Von dort wechselte er an die Spitze der Luxemburger Linie Cargolux. Schließlich folgte er 2012 dem Ruf aus Katar, um dort Leiter der Frachtdivision von Qatar Airways zu werden. Diese stieg unter seiner Ägide, die bis Ende 2017 dauerte, zur weltweit größten Cargo-Airline nach verkauften und geflogenen Fracht-Tonnenkilometern (FTK) auf.

Gefragt nach möglichen Kooperationspartnern, etwa die in Leipzig/Halle sehr starke Post-Tochter DHL Express, deutete Ogiermann Interesse an einer potenziellen Zusammenarbeit mit Lufthansa Cargo an. Ein Sprecher der Lufthansa-Frachttochter betonte allerdings auf Anfrage: „Bislang ist an uns noch niemand mit dem Wunsch nach Gesprächen in dieser Sache herangetreten." Er wies daraufhin, dass Lufthansa Cargo in Leipzig-Halle durch Aerologic, ein Joint-Venture mit DHL Express, bereits "sehr gut positioniert" sei.

Gute Bedingungen in Leipzig

Für Leipzig als Standort der geplanten CLG sprechen laut Ogiermann diverse Gründe: So sei Deutschland nach wie vor der stärkste Luftfrachtmarkt in der EU mit hoher Kaufkraft der Konsumenten. Zudem unterstütze das Land Sachsen die geplante Ansiedlung der Fluglinie nachhaltig, was auch auf das Management des Flughafens Leipzig-Halle zutreffe.

Wichtig für die Standortentscheidung sei ferner gewesen, dass in Leipzig Frachtflüge rund um die Uhr möglich seien – ein seltenes Gut in der deutschen Flughafenlandschaft. Schließlich gebe es dort mit der Aircraft Maintenance und Engineering Service GmbH (Amtes) schon seit Jahren eine große Wartungsbasis von Volga-Dnepr und Air Bridge Cargo, von der auch Cargo Logic Germany technisch dauerhaft profitieren werde.

Umgekehrt habe sein Unternehmen bei der Standortsuche die Flughäfen Amsterdam und Frankfurt schnell von der Kandidatenliste gestrichen. So sei Amsterdam gerade dabei, Frachtflüge zugunsten von Passagierverkehren massiv zurückzudrängen. Und auch Frankfurt sei nach seinen Eindrücken mittlerweile mehr am Passagier- als am Cargo-Geschäft interessiert, bedauert Ogiermann. Hinzu komme das äußerst rigide Nachtflugverbot am Rhein-Main-Flughafen. "Ein enormer Bremsklotz speziell für Frachtfluggesellschaften."

Von: Heiner Siegmund
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