Lebhafte Spekulationen über Zukunft von Thomas Cook Group

23.04.2019 - 16:31 0 Kommentare

Dass die Lufthansa Teile der Condor von Thomas Cook übernimmt, ist noch lange nicht ausgemacht. Internationale Investmentgesellschaften und ein chinesischer Großkonzern haben nun sogar Interesse am gesamten Tourismuskonzern bekundet.

Flugzeuge der Thomas-Cook-Tochter Condor. - © © Thomas Cook -

Flugzeuge der Thomas-Cook-Tochter Condor. © Thomas Cook

Zwei Monate nachdem die Thomas Cook Group (TC) angekündigt hat, ihr Airline-Geschäft zu veräußern, sind die Spekulationen in vollem Gange. Im Februar hatte der Tourismuskonzern mehrere Gesellschaften mit zusammen 103 Flugzeugen ins Schaufenster gestellt und Investmentbanken mit dem Verkauf betraut. Der Erlös werde laut Thomas Cook für die Digitalisierung und weitere Hotel-Investments benötigt.

Über das Osterwochenende hatte es nun Berichte gegeben, wonach sich der Konzern mit weiteren Interessenten in Übernahmegesprächen befinde. Wie der britische TV-Sender Sky berichtet geht es dabei wohl nicht nur um das Airliner-Geschäft, sondern sogar um eine Übernahme des gesamten Konzerns.

Ein ernstzunehmender Interessent ist dabei laut Sky vor allem Fosun, der größte chinesische Mischkonzern in privater Hand. Fosun ist derzeit mit fünf Prozent an der Thomas Cook Group beteiligt und betreibt zusammen mit den Briten das französische Touristikunternehmen Club Med. Dem Vernehmen nach ist Fosun an einer Übernahme weiter Teile der Thomas Cook Group interessiert, inklusive des Tour-Operator-Geschäfts und aller TC-Airlines mitsamt Condor.

An dem Konzern als Ganzes sind laut Sky zudem die us-amerikanischen Beteiligungsfirmen KKR und EQT Partners interessiert. Das Stadium der Gespräche sei jedoch unklar, laut Insidern sei eine Entscheidung jedoch mindestens noch "einige Monate entfernt". Die Thomas-Cook-Aktie legte heute als Antwort auf die Spekulationen trotzdem massiv, um bis zu 20 Prozent an der Londoner Börse, zu.

Bisher gab es weder von Thomas Cook, noch KKR, EQT oder Fosun eine Stellungnahme zu dem am Osterwochenende veröffentlichten Sky-Bericht. Jedoch stünde der neue Besitzer des Konglomerats für die Fluggesellschaften vor dem gleichen Problem wie britische Airlines im Zuge des Brexit: Um weiterhin als EU-Fluggesellschaft zu gelten müsste Fosun nach einer Übernahme mehrheitlich im Besitz von EU-Bürgern beziehungsweise -unternehmen sein. Folglich könnte ein neuer Thomas-Cook-Besitzer die Airlines erneut zum Verkauf aufstellen.

Lufthansa hat Interesse an Condor-Langstrecken

Nach den ersten Verkaufsberichten hatte Lufthansa-Vorstandsmitglied Harry Hohmeister sein Interesse am Langstreckengeschäft der deutschen Condor bekundet, um die Billigtochter Eurowings zu stärken. "Wer uns kauft, kauft kein Problem", wirbt Condor-Chef Ralf Teckentrup und verweist auf stabile Gewinne der TC-Fluggesellschaften in den zurückliegenden Jahren.

Ob Lufthansa auch für die TC-Gesellschaften in Großbritannien, Skandinavien und Mallorca bietet, ist ebenso unklar wie das Schicksal der Kurz- und Mittelstreckenflotte der Condor. Ryanair hat schon offenes Interesse für die Europaflotte gezeigt. Eine Zerschlagung der TC-Airlines und möglicherweise auch von Condor würde damit wahrscheinlicher.

© Condor, Lesen Sie auch: Condor-Verkauf könnte nur mit Zerschlagung klappen

Bereits im Zuge der Air-Berlin-Pleite hatte die Europäische Wettbewerbsbehörde klar gemacht, dass sie die Marktmacht von Lufthansa in Kerneuropa für bedenklich hält. In der Folge landeten wesentliche Teile der insolventen Airline bei den Billigfliegern Easyjet und Ryanair. Die Iren kamen durch die Übernahme der Niki-Nachfolgerin Lauda zum Zug.

Konzern ist hochverschuldet

Die Spekulationen um die Zukunft von Thomas Cook passen zu den unruhigen Zeiten, die das traditionsreiche Unternehmen erlebt. Der britische Reisekonzern steckt in massiven Schwierigkeiten. Wegen der Unsicherheiten rund um den Brexit ist das Geschäft auf dem Heimatmarkt eingebrochen, viele Briten halten ihr Geld zusammen statt zu verreisen. Dazu kommen die sprunghaft gestiegenen Ölpreise und der harte Konkurrenzkampf der europäischen Airlines mit immer neuen Konsolidierungsrunden. Zudem plagen den Konzern über 1,5 Milliarden Euro Schulden.

Deshalb will sich Thomas Cook auf sein Reisegeschäft konzentrieren und das Geld aus dem Verkauf für Investitionen in hochpreisige Hotels und den digitalen Vertrieb nutzen. Eine Komplettübernahme von Thomas Cook würde das Ende der Unabhängigkeit des Konzerns bedeuten, der 2016 seinen 175. Geburtstag feierte.

Von: dk
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