Interview

"Laufen Gefahr, dass Deutschland vollständig vom Rest der Welt abgekoppelt wird"

19.01.2016 - 14:33 0 Kommentare

Die wenigen Nachtflugmöglichkeiten an deutschen Flughäfen müssen erhalten bleiben, fordert Michael Engel, Geschäftsführer des Airlineverbands BDF. Ansonsten drohe die Abkoppelung Deutschlands vom Rest der Welt.

Michael Engel - © © BDF -

Michael Engel © BDF

Michael Engel ist Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften (BDF). Gegenüber airliners.de erläuterte er jetzt unter anderem, was der BDF von einem nationalen Luftverkehrskonzept erwartet und welche Auswirkungen es hat, dass es sogenannte Billigflieger verstärkt an größere Airports in Deutschland zieht.

In diesen Tagen wird ein nationales Luftverkehrskonzept erarbeitet. Gehen Sie davon aus, dass Ihre bislang gestellten Forderungen beispielsweise zum Thema Nachtflug berücksichtigt sein werden?
Michael Engel: Die deutschen Fluggesellschaften haben ja keine weitgreifenden Forderungen beispielsweise zu einer Ausweitung des Nachtflugs. Was wir im Interesse des Wirtschafts-, Tourismus- und Luftverkehrsstandorts Deutschland benötigen, ist aber eine Absicherung der wenigen Nachtflugmöglichkeiten, die an deutschen Flughäfen überhaupt noch verblieben sind. Ansonsten laufen wir Gefahr, dass Deutschland vollständig vom Rest der Welt abgekoppelt wird. Wir benötigen ein Luftverkehrskonzept, dass insgesamt Maßnahmen umsetzt, womit wir die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Luftverkehrswirtschaft verbessern.

Für das Jahr 2014 war der BDL zu dem Schluss gekommen, dass die deutsche Luftfahrt international nicht mehr mithalten kann. Jetzt haben die Flughäfen trotz Lufthansa-Streiks reihenweise Rekord-Passagierzahlen vermeldet. Wie passt das zusammen?
Engel: Das passt leider sehr gut zusammen. Das Wachstum an den deutschen Flughäfen kommt insbesondere von den ausländischen Airlines, die ihre Marktanteile im deutschen Luftverkehr kontinuierlich ausbauen. Das ist ein Prozess, den wir insbesondere seit der Einführung der deutschen Luftverkehrsteuer beobachten - und der hat sich leider auch im letzten Jahr fortgesetzt. Dass die deutsche Luftverkehrsteuer zuallererst deutsche Fluggesellschaften trifft, ist eben keine Märchenstunde von Lobbyisten, sondern bittere Wahrheit.

© BDL, Bildschön Lesen Sie auch: "Die Bundesregierung muss jetzt schnell handeln"

Wie bewerten Sie den Trend, dass es sogenannte Billigflieger verstärkt an größere Airports zieht?
Engel: Der Wettbewerb zwischen den einzelnen Fluggesellschaften wird dadurch noch brutaler. Wir sind gespannt, wie sich dieser Trend 2016 fortentwickelt.

Welche weiteren Themen werden aus Ihrer Sicht die deutsche Luftverkehrswirtschaft in diesem Jahr beschäftigen?
Engel: Es geht schlicht und ergreifend um die Zukunftschancen der deutschen Fluggesellschaften. Mit dem Luftverkehrskonzept hat die Bundesregierung die Chance, Wettbewerbsnachteile für die deutschen Airlines abzubauen. Dazu muss vor allem die Absenkung der fiskalischen und regulatorischen Belastungen gehören, die unsere ausländischen Wettbewerber nicht oder jedenfalls nicht in dem Ausmaß haben.

Von: gk
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